1945
28. März
Die Munitionsanstalt (Muna) Espelkamp soll gesprengt werden. Auf einer Krisensitzung weigert sich Kommandant Major Küppers, den Befehl auszuführen. Unabsehbares Unheil für die Region wird damit abgewendet. April Die 2. Britische Armee besetzt das Minden-Ravensberger Land und erreicht am 4. April Espelkamp. Die „Muna" fällt den Engländern unzerstört in die Hände. Juni Die ersten Flüchtlinge finden notdürftige Unterkunft in den Baracken der "Kolonie", der früheren Wohnstätte der "Muna"-Arbeiter.
Barackenlager Kolonie
Ankunft der Flüchtlinge
1946
Frühjahr
Nach den Entmilitarisierungsbestimmungen des Potsdamer Abkommens müssen alle Kriegsanlagen der Kategorie I völlig zerstört werden. Die Muna in Espelkamp gehört dazu. Erste englische Spreng- und Räumungskommandos erscheinen in Espelkamp.
Mai
Der britische Col. Steege, derzeit Kommandant im Kreis Lübbecke, gibt Pfarrer Diehl, dem Verbindungsmann des Evangelischen Hilfswerkes Westfalens zur Britischen Militärregierung, den Hinweis, die Gebäude der Muna für Aufgaben des Hilfswerkes zu nutzen.
20. Juli
In Mittwald beginnt die karitative Arbeit: Das ehemalige Arbeitsdienstlager „Hedrichsdorf" wird von der Paderborner Gruppe des Britischen Roten Kreuzes geräumt. Mit Hilfe des Evangelischen Hilfswerkes Westfalen wird ein Kindererholungsheim eingerichtet. Besonders Kinder aus dem bombengeschädigten Ruhrgebiet finden hier Aufnahme.
4. November
Nach Räumung der Muna von Munition und gelagerten Giftgasgranaten ziehen die englischen Besatzungstruppen ab.
General W. H. A. Bishop, Pastor Birger Forell und Pastor Karl Pawlowski (v.l.)
1947
Die verbliebenen Baracken der Muna werden dem evangelischen Hilfswerk vorläufig für karitative Zwecke zur Verfügung gestellt. Die ersten Heimkehrer und Vertriebenen errichten sich behelfsmäßige Unterkünfte. Das zähe Ringen von Pastor Pawlowski (Evangelisches Hilfswerk Westfalen) und Birger Forell (schwedischer Pfarrer) hat Erfolg: Mit Rücksicht auf die geleistete karitative Arbeit werden die Sprengungen nur noch in reduziertem Umfang weitergeführt.
1948
Oktober
General Bishop erklärt das Ende der Sprengungen der Muna. Vom Evangelischen Hilfswerk wird der Ludwig-Steil-Hof gegründet, benannt nach dem westfälischen Pfarrer Ludwig Steil, der am 17. Januar 1945 als einer der geistlichen Leiter der Bekennenden Kirche im Konzentrationslager Dachau starb. Der Ludwig-Steil-Hof ist so etwas wie die Urzelle der Stadt. Hier steht die auch heute noch einzige Fördersonderschule Deutschlands für Spätaussiedlerkinder mit Lernbehinderungen. Heute ist der Ludwig-Steil-Hof ein großes karitatives Unternehmen, das unter anderem auch ein Pflegeheim beherbergt. Das von dem schwedischen Pastor Birger Forell in seiner Heimatgemeinde Boras gegründete "Komitee für christliche Nachkriegshilfe" konstituiert sich in Mittwald als „Schwedenhilfe". Die Verteilung von Lebensmittel-, Bekleidungs- und Geldspenden beginnt.
1949
4. Oktober
Die eigentliche Geburtsstunde der heutigen Stadt Espelkamp. An diesem Tag wird vom Land Nordrhein-Westfalen, dem Diakonischen Werk und der Evangelischen Kirche in Westfalen die „Aufbaugemeinschaft Espelkamp G.m.b.H." gegründet. Sie wird Träger des Gesamtaufbaus und gleichzeitig mit Wirkung vom 1. Dezember 1951 als „Organ der staatlichen Wohnungspolitik" anerkannt. Wohnungen werden errichtet und Industriebetriebe angesiedelt.
1958
4. Juli
Pastor Birger Forell, der Initiator und Förderer des Aufbaus von Espelkamp, stirbt in seinem Heimatland Schweden.
1959
3. Oktober
In Würdigung der Entwicklung und der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen der Gemeinde und ihrer Bürgerschaft wird der Gemeinde Espelkamp durch Beschluss der Landesregierung des Landes Nordrhein-Westfalen die Bezeichnung "Stadt" verliehen. Die Namensbezeichnung "Mittwald" entfällt.
Espelkamp erhält die Stadtrechte