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Namenstafeln auf dem Kirchplatz zum Gedenken an die 24 Bürger der Stadt, die im Konzentrationslager umgebracht worden sind

Preußisch Oldendorf hat die Geschichte ihrer jüdischen Gemeinde mit dem Buch von Dieter Besserer weitgehend aufgearbeitet. Pastor Karrasch verdient ein ebensolcher Dank für die Aufarbeitung der Geschehnisse um den inzwischen geschlossenen jüdischen Friedhof an der Bergstraße, der in den Jahren von 1741 bis 1937 betrieben wurde. In 2015 wurde eine Gedenktafel am städtischen Bürgerhaus am Kirchhof enthüllt, auf dem zu lesen ist:
„Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, die wegen ihres Glaubens, ihrer Nationalität, ihrer Abstammung, ihrer Behinderung, ihrer politischen Überzeugung und Kriegseinwirkungen ihr Leben verloren. Zur Mahnung: ...daß dieses sich nie wiederholen möge“.
Alfred Ehrlich 1945
(Einziger überlebender jüdischer Bürger des Holocaust aus Preuß. Oldendorf).


Nunmehr wurde versucht, die Opfer persönlich in irgend einer Form zu benennen. Es haben aber viele Preußisch Oldendorfer unter dem Naziregime gelitten und viele sind umgekommen. Sie alle namentlich aufzulisten, hätte unsere Möglichkeiten gesprengt. Bedacht werden musste auch, dass mit dem Wegzug der letzten jüdischen Familie Ehrlich nach Frille am 28.10.1938 die Stadt Preußisch Oldendorf schon „judenfrei“ war.
Deshalb wurde folgende Abgrenzung vorgenommen:
Es soll den Holocaust-Opfern namentlich gedacht werden, die Preußisch Oldendorfer Bürger waren und im Konzentrationslager von den Nationalsozialisten umgebracht worden sind. Diese Namen sollen beispielhaft für alle Preußisch Oldendorfer Opfer des Nationalsozialismus stehen.


Unter diesen 24 Opfern waren nicht nur Bürger jüdischen Glaubens, sondern es gab auch ein evangelisches Euthanasieopfer, dass im Konzentrationslager Hadamar am 11.8.1941 umgebracht worden ist.
Es war auch Gideon Ehrlich dabei, der Sohn von Alfred und Grete, geb. Cohn war und nie in Preußisch Oldendorf gewohnt hat. Er wurde aber im Konzentrationslager Riga am 16.4.1942 geboren und als eineinhalbjähriges Kind im November 1943 in Auschwitz ermordet.


Zum Gedenken wurden auf dem Kirchplatz rund um die St.-Dionysius-Kirche an 5 Stationen 24 Tafeln mit den Namen der Opfer verlegt. Der Betrachter muss sich zum Lesen der Namen so stellen, dass er dabei in die Richtung der früheren Wohnstätten schaut.
Die Namen der 24 Opfer sind:


Erste Station ist am Bürgerhaus Preußisch Oldendorf

Sara Anna Meyer geb. Cahen, Bremer Straße 1
Sie wurde am 24.3.1854 geboren und 1942 in Treblinka ermordet. Weiteres ist nicht bekannt.

Lazarus Goldstein, Bremer Straße 1
Er wurde am 27.12.1857 geboren und heiratete am 26.5.1891 Juli Cahen. Über Düsseldorf und Theresienstadt wurde er nach Treblinka deportiert und dort 1942 umgebracht.

Juli Goldstein geb. Cahen, Bremer Straße 1
Ehefrau von Lazarus Goldstein wurde 1864 geboren und 1942 zusammen mit ihrem Ehemann über das Ghetto Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort im selben Jahr ermordet.

Luise Frank geb. Cahen, Bremer Straße 1
Sie wurde 1865 geboren und heiratete 1887 den Kaufmann Emil Frank. Sie wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort 1943 ermordet.

Hilde Agnes Bachmann geb. Cahen, Bremer Straße 1
Sie wurde 1897 geboren und wurde 1942 in Sobibor ermordet. Sie war verheiratet und pflegte ihre Mutter bis zu deren Tode im Jahre 1940. Über Wiesbaden und Frankfurt wurde sie in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort für tot erklärt.

Lina Holle, Hedem
Sie ist das einzige Euthanasieopfer in diesem Zusammenhang. Es ist bekannt, dass es weitere Opfer in Preußisch Oldendorf gegeben hat, aber es ist nach wie vor schwer, darüber in der Öffentlichkeit zu sprechen.
Lina Holle wurde 1904 geboren und kam ab 1931 über die Anstalten Gütersloh und Scheuren in das Konzentrationslager Hadamar, wo sie 1941 ermordet wurde.


Die nächste Station liegt im Südbereich der St.-Dionysius-Kirche neben dem
sogenannten „Offelter Eingang“:

Johanna Gurau geb. Katzenstein, Mindener Straße 6 (Parkplatz Deeke)
Johanna wurde 1866 als Tochter von dem Lehrer Wolf Katzenstein geboren. Über den Wohnsitz ist nichts bekannt. Weil er seinerzeit Lehrer an der Synagogenschule in Preußisch Oldendorf und diese sich neben der Synagoge befand, wurde diese Adresse als Wohnort angenommen. Sie wurde 1940 nach Lublin deportiert und dort im gleichen Jahr ermordet.

Willi Leonhard Löwenstein, Mindener Straße 10 (Imbiss)
Er wurde 1872 geboren und kam mit seiner Frau Ida geb. Goldschmidt über Harpstedt bei Bremen und Hannover im Jahre 1942 in das Ghetto Theresienstadt, wo er 1943 ermordet wurde.

Ida Löwenstein, geb. Goldschmidt, Mindener Straße 10 (Imbiss)
Sie wurde 1876 geboren und war verheiratet mit Willi Leonhard Löwenstein. Über Harpstedt bei Bremen und Hannover kam sie mit ihrem Ehemann in das Ghetto von Theresienstadt. Sie wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

Joseph Blumenthal, Mindener Straße 10 (Imbiss)
Er wurde von Gelsenkirchen aus nach Münster und Hannover deportiert. Im Jahre 1942 wurde er vermutlich im Ghetto von Warschau ermordet und wurde für tot erklärt.


Eine weitere Station ist südlich des Kirchturms am Südeingang der Kirche

Louis Stein, Kirchstraße 16
Im November 1938 wurde er und seine Frau Frieda geb. Rose verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Im Jahre 1942 kamen sie in das Konzentrationslager Theresienstadt, wo Louis Stein im August 1942 ermordet wurde.

Frieda Stein, geb. Rose, Kirchstraße 16
Sie wurde zusammen mit ihrem Ehemann Louis 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Im Jahre 1942 kamen sie zusammen in das Konzentrationslager Theresienstadt. Frieda Stein wurde im September 1942 nach Treblinka gebracht und dort im selben Jahr ermordet.

Werner Stein, Kirchstraße 16
Er war 1936 mit seinen Eltern Louis und Frieda nach Rahden gezogen. Von dort zog die Familie weiter nach Hannover und heiratete dort im Jahre 1940 Irma Ehrlich, die Cousine von Alfred Ehrlich.
Im Jahre 1941 wurde er in das Ghetto Riga deportiert und kam 1944 in die Konzentrationslager Kauen und anschließend Dachau. Im Jahre 1945 wurde er in dem Außenlager Kaufering, einem Außenlager des KZ Dachau, ermordet.

Irma Stein geb. Ehrlich, Kirchstraße 16
Sie wurde im Jahre 1907 geboren und 1941 zusammen mit ihrem Ehemann Werner Stein in das Ghetto Riga deportiert. Ab August 1944 kam sie ins Konzentrationslager Stutthoff und ist dort ermordet worden.


Die nächste Station liegt westlich des Kirchturms

Georg Ehrlich, Spiegelstraße 14
Er wurde im Jahre 1864 geboren und war der Vater von Alfred Ehrlich. Er heiratete 1902 seine Ehefrau Alma, geb. Fels. Im Jahre 1942 wurde er von Frille aus nach Bielefeld und weiter in das Ghetto von Theresienstadt deportiert. Dort wurde er zusammen mit seiner Ehefrau 1942 ermordet.

Alma Ehrlich, geb. Fels, Spiegelstraße 14
Sie war die Mutter von Alfred Ehrlich und wurde 1878 geboren. Zusammen mit ihrem Ehemann wurde sie von Frille aus über Bielefeld in das Ghetto von Theresienstadt deportiert. Dort wurde sie im Jahre 1942 ermordet.


Die letzte Station ist nördlich des Kirchturms am Nordeingang der Kirche

Leopold Ehrlich, Bremer Straße 2
Leopold Ehrlich wurde 1866 geboren und ist von Berlin aus im Jahre 1942 in das Ghetto von Theresienstadt und von dort in das Vernichtungslager Treblinka gebracht worden, wo er im gleichen Jahr ermordet wurde.

Johanna Fels, geb. Ehrlich, Bremer Straße 2
Sie heiratete 1896 Louis Fels aus Peine. Das Ehepaar emigrierte 1939 in die Niederlande und wurden dort 1943 im Sammellager Westerbork inhaftiert. Im gleichen Jahr wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Max Ehrlich, Bremer Straße 2
Er wurde 1874 geboren und wurde im Jahre 1942 über Weimar, Halle und Leipzig in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo er im gleichen Jahr ermordet wurde.

Käthe Ehrlich, Bremer Straße 2
Sie wurde 1904 geboren und kam von Frankreich aus in das Konzentrationslager Auschwitz, wo sie im Jahre 1942 ermordet wurde.

Siegfried Ehrlich, Bremer Straße 2
Geboren 1916 und mit Yvonne Hanau verheiratet. Beide wurden 1941 nach Riga deportiert und kamen von dort im Jahre 1944 in das Konzentrationslager Stutthof, wo Siegfried Ehrlich ermordet wurde.

Grete Ehrlich geb. Cohn, Bremer Str. 2
Sie wurde 1919 geboren und war die erste Ehefrau von Alfred Ehrlich, der als einziger Preußisch Oldendorfer den Holocaust überlebte. Im Jahre 1941 wurde sie nach Riga und 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie 1943 ermordet wurde.

Yvonne Ehrlich geb. Hanau, Bremer Straße 2
Ehefrau von Siegfried Ehrlich. Beide wurden im Jahre 1941 nach Riga deportiert und kamen anschließend im Jahre 1944 in das Konzentrationslager Stutthof, wo Yvonne Ehrlich ermordet wurde.

Gideon Ehrlich, Bremer Straße 2
Gideon Ehrlich war der Sohn von Alfred und Grete Ehrlich und wurde am 16.4.1942 im Lager Riga geboren. Im November 1943 wurde er im Konzentrationslager Auschwitz nach einer Lebenszeit von nur 18 Monaten ermordet.


Einen ausdrücklichen Dank gilt allen, die an der Ausführung dieser Aktion mitgewirkt und sie unterstützt haben. Es waren die Geldspenden von Dieter Besserer, Ev. Luth. Kirchengemeinde, Karl Wilhelm Finke, Johanna Hespe, Inge Hoffmann, Helmut Recker, Rita Tscherpel, Michael Weber und Cornelia Wilms. Darüber hinaus wird den Firmen Lasertechnik Engelbrecht, Restaurierungen / Gerüstbau Meyer und Pflasterer - und Tiefbauunternehmen Bredemeier für ihre Hilfe und besonders für die gespendeten Sachleistungen ganz herzlich gedankt.

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