Geschichte
Espelkamp – mittelalterlich „Aspelecampe“ – wurde 1229 erstmals urkundlich erwähnt. Die Bauernschaft Espelkamp wurde 1910 von der Gemeinde Großendorf im Kreis Lübbecke (Westfalen) abgetrennt. Die neue Gemeinde Espelkamp zählte bis 1939 rund 1.000 Einwohner auf 18,5 Quadratkilometern. Die Landwirtschaft war die hauptsächliche Erwerbsquelle, aber sie konnte nicht alle ernähren. Der Boden war wenig ertragreich. Große Teile des Acker- und Grünlandes im Wassereinzugsgebiet der „Großen Aue“ und der „Kleinen Aue“ litten unter Staunässe. Nach größeren Regenfällen kam es immer wieder zu Überschwemmungen. Einen Zuerwerb fand man als „Hollandgänger“ (Grasmäher in den Niederlanden), in der Flachsverarbeitung und später in der Zigarrenherstellung.
In der Gemarkung „Mittwald“, einem Gelände mit Laub- und Nadelwald im südlichen Teil Espelkamps, begann 1938/39 der Aufbau einer „Munitionsanstalt des Heeres“, kurz „Muna“ genannt. Kurz vor Kriegsende 1945 fiel die „Muna“ den Engländern unzerstört in die Hände. In zähen Verhandlungen mit der britischen Besatzungsmacht konnte insbesondere durch den beherzten Einsatz von Pastor Pawlowski, Leiter des evangelischen Hilfswerks von Westfalen, und des schwedischen Pastors Birger Forell die restlose Sprengung der Gebäude verhindert werden. Nachdem die ehemalige Munitionsanstalt für den Ausbau freigegeben war, gründeten das Land Nordrhein-Westfalen, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Evangelische Kirche von Westfalen am 4.10.1949 die Aufbaugemeinschaft Espelkamp. Staat und Kirche wollten ein Beispiel schaffen, bisher Kriegszwecken dienende Liegenschaften friedlichen Zielen zuzuführen, um die Not der Nachkriegsjahre zu überwinden und insbesondere Flüchtlingen und Heimvertriebenen eine neue Heimat zu geben. Unter Verwendung der ehemaligen „Muna“-Anlagen sollte durch Maßnahmen des Wohnungs- und Siedlungswesens, durch die Ansiedlung von gewerblichen Unternehmen und durch die Förderung sozialer und karitativer Einrichtungen eine neue Gemeinde erbaut werden.
Die zuerst für 5.000 und dann für 10.000 Einwohner geplante neue Siedlung hatte nach zehnjähriger Aufbauarbeit bereits 13.000 Einwohner. In Würdigung der Entwicklung und der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen der Gemeinde
und ihrer Bürgerschaft erhielt Espelkamp am 3.10.1959 die Stadtrechte. Im Zuge der kommunalen Neuordnung am 1.01.1973 wurden die ehemaligen Gemeinden bzw. Gemeindeteile (Alt-)Espelkamp, Fabbenstedt, Fiestel, Frotheim, Gestringen, Isenstedt, Schmalge und Vehlage mit der Stadt Espelkamp zur neuen Stadt Espelkamp mit einer Fläche von 83,58 km² zusammengeschlossen.
Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums Espelkamps hat Stadtarchivar Aaron Pfaff alle wichtigen Daten, Informationen und Bildmaterial in einer Broschüre zusammengetragen. Diese 80-seitige Geschichtsbroschüre ist kostenlos an der Information im Rathaus erhältlich oder hier zum Download verfügbar.