Inhalt

Das Mühlenwesen in der Gemeinde Stemwede

 

Über Jahrtausende hinweg kannte die Menschheit zum Mahlen des lebensnotwendigen Getreides und zum Schöpfen von Wasser nur primitive Vorrichtungen, die durch Muskelkraft angetrieben wurden: sogenannte „Tretmühlen“. Lange vor Erfindung der Windmühle war die Wasserradmühle in vielen Ländern gebräuchlich. Sie entwickelte sich naturgemäß in Gebieten mit rasch fließenden Gewässern, während die Windmühle in Küstenlandschaften und Hochebenen entstand, die von starken Windbewegungen geprägt sind.

Die über tausendjährige  Geschichte des Mühlenwesens im Mühlenkreis Minden-Lübbecke –die erste unter Bischof Milo (969 – 996) urkundlich genannte Mühle stand in Levern- ist zugleich ein aufschlussreicher Teil seiner Landes-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. In ihr äußert sich auch heimisches Volkstum in Sitte und Brauch.

 

Wassermühlen

Seit ungefähr 100 v.Chr. sind Mühlen mit Wasserrädern (und auch mit einer primitiven Turbinenform) bekannt. In Deutschland sind sie seit ungefähr 370 n. Chr. nachweisbar.        

Auch die Wassermühlen spielten in unserer Gegend eine große Rolle und werden in alten Akten häufig genannt.

Die eine befand sich in Westrup, eine andere in Hunteburg.  Die Westruper, auch Mühlenholwede genannt, lag am Großen Diek  und wird schon im 13. Jahrhundert erwähnt. 1243  brachte das Kloster Levern die Hälfte der Mühle von Helimbert von Manen (Mehnen) und 1257 die andere Hälfte von Bruno von Amelinchusen an sich.

Die Pülschenbrügge befindet sich an der Lohne. Hier stand einst die Wassermühle des Stiftes Levern. Vor etlichen Jahren noch fand man alte Bohlen im Bett der Lohne. 

 

Windmühlen

Sie erscheinen zuerst im 11. Jahrhundert in Deutschland und sind nicht wie man fern annimmt, eine Erfindung der Holländer, sondern sind schon viel früher in England nachweisbar. Da stellt sich nun die  Frage: Wie haben sich unsere Vorfahren früher geholfen, das erforderliche Korn zu mahlen?

Vor Jahrhunderten wurde das Mehl in sehr einfacher Weise auf Handmühlen hergestellt. Es war eine Arbeit der Frauen, die mühselig das Korn mit einem faustgroßen Reibstein auf Reibschalen zerrieben. Solche Reibsteine und Reibschalen waren fast in allen Häusern zu sehen. Doch später, als die Bewohner sich vermehrten, entstand die Querne, die durch Menschenkraft angetrieben wurde. Abgelöst wurde sie durch die Roßmühlen, eine Art Göpel (Ziehbaum), die durch Tierkraft in Bewegung gesetzt wurden.

Was mag sich  im Laufe der Zeiten auch hier in diesen Mühlen ereignet haben? Mühle und Mühe sind so verwandt, wie sie der Schauplatz so vieler Märchen etwa der Brüder Grimm oder  der Hintergrund der zarten Zeichnungen eines Ludwig Richter aus Dresden sind.  

Im Mittelpunkt des dörflichen Lebens standen die Windmühlen im Lübbecker Land. Viele sind heute nicht  mehr da. Elektromotoren ersetzten Mühlenflügel. Hier und da standen noch im Altkreis Lübbecke die Stümpfe der alten Windmühlen, in denen ab und an der Mühlbetrieb weiter ausgeführt wurde. Wahrzeichen  einer längst vergangenen Zeit.

Einstmals, als sich noch die großen Flügel stolz im Winde drehten, als der Windmüller noch auf der sog. „Schwippstelgen“ stand und prüfend Wind und Wetter beobachtete, standen diese Mühlen  im Zentrum des dörflichen  Lebens. Schon fast seltsam  mutete der Anblick einer noch mit Flügeln bewehrten Windmühle an.

Es war früher verbrieftes Recht, dass der Müller für seine Arbeit neben einem geringen Entgelt, das in der Regel 20 bis 30 Pfennig je Zentner geschrotetes Getreide betrug, auch den sog. „Mattenlohn“ nehmen konnte. Dieser betrug z.B. in der Fallowe-Mühle in Haldem zwei Pfund je Zentner geschrotetes Getreide, vier Pfund bei Feinmehl (Weizenmehl). Hinzu kam noch pro Zentner ein sog. „Staubverlust“ von einem Pfund pro Zentner. 

Da das meiste zum Mahlen angelieferte  Getreide nicht gewogen war, befanden sich am Getreidetrichter Striche, an denen das eingefüllte Gewicht deutlich wurde, und so der Mattenlohn nebst Staubverlust ermittelt werden konnte. Für die Entnahme war ein kleiner Maßkasten vorhanden, in anderen Mühlen diente dazu einfach die Mehlschippe.

 

Windmühlen Destel


(Mühle in Destel)

Der Galerie-Holländer, erbaut Anfang des 19. Jahrhunderts, mit dem –auf verputztem Bruchsteingeschoss stehenden- verbretterten und geschindelten Achtkant hat im Rahmen  der Restaurierung wieder sein ursprüngliches Aussehen mit Kappe, Stert und windgängigen Segelflügeln erhalten. Die  Galerie ist kaum sichtbar, weil sie von Bäumen umgeben ist, die durch häufiges Schneiden niedrig gehalten wurden.

Die Bepflanzung sollte verhindern, dass die Pferde beim Verlassen der Mühle vor den sich drehenden Windflügeln scheuten.  

Im Jahre 1895 zerstörte ein Feuer die in einem Anbau stehende Ölmühle, die aber wieder aufgebaut wurde. Der Abriss des baufälligen Gebäudes erfolgte 1980.

Die Mühle ist mit je einem Schrot-, Mahl- und Graupengang ausgestattet.

1950 wurde eine Modernisierung mit Doppelwalzenstuhl, Pneumatik und Plansichter begonnen, die aber über die Anschaffung  einiger Maschinen nicht hinauskam.

Äußerlich verliert die Windmühle endgültig ihr „Gesicht“ als 1953 die undichte Kappe abgenommen und durch ein Teerpappendach ersetzt wurde. Um 1960 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt.

Die Restaurierung des Achtkantes einschließlich der Verschindelung, die Erneuerung  von Fußböden und Treppen im Innern der Mühle ist nur durch die „Handdienste“ der Desteler Mühlenfreunde möglich gewesen. Der angrenzende von der Gemeinde zur Verfügung gestellte „Dorfplatz“ sichert der Mühle ihren Weg in die „Zukunft“.

Eine weitere Windmühle als Hofmahlmühle befand sich auf der Hofstelle Rümke, Am Alten Teich. Sie war für  den eigenen Bedarf errichtet und besaß einen  Mahlgang für das Vieh. Sie lief ohne Motor und bei entsprechenden Windverhältnissen wurden Laken aufgezogen. Im Jahre

1950 wurde sie wegen Baufälligkeit abgebrochen.

 

Mühlen Dielingen

Mühle in Dielingen, auf dem Klei
(Mühle in Dielingen, Auf dem Klei)

Die erste Windmühle in  unserer Gegend wurde von dem Edelherrn Rudolf von Diepholz im Jahre 1487 nahe der Osnabrücker Landesgrenze errichtet. Sie stand bei Goyers Hause (Haarmeier) nahe bei Joh. Kopmanns Kampe. Heute heißt dieser Ortsteil Dielingens noch „Uppe oulen Windmöehln“ und die Stelle, wo die Mühle stand „Möehlenkamp“. Ein Höhlenstieg (Patt) führte vom Dorfe Dielingen über die „Thüne“ zur Windmühle. Die Leute gingen diesen Weg, auch wenn der Acker bereits bestellt war. Diese alte Gewohnheit wurde noch ziemlich lange aufrecht- erhalten, auch dann noch als die Windmühle dort längst nicht mehr stand.

Die Einrichtung dieser Mühle war für die damalige Bevölkerung eine große Erleichterung, zumal unsere Gegend kein fließendes Gewässer aufzuweisen hatte.

Die Anlage und der Betrieb von Mühlen war ein Recht –ein wirtschaftlich nutzbares Hoheitsrecht- der Landesherren. Ein jeder wachte darüber, dass neue Mühlen nicht zu nahe an der Grenze entstanden. Auch die Pächter oder Pfandbesitzer wehrten sich gegen jeden Neubau. Als nun der Sturm im Jahre 1551 die Mühle in Dielingen umgeworfen hatte und dieser wieder aufgebaut werden sollte, da löste dieser Aufbau fast eine Staatsaktion aus. Um die Wiederherstellung erhob sich ein Federkrieg, der die drei benachbarten Landesherren: den Bischof von Minden, den Bischof von Osnabrück und den Grafen von Diepholz beschäftigte. Die Osnabrücker b zw. die Ritter von der Hunteburg setzten alles daran, um den Aufbau zu verhindern, weil ihre Einkünfte durch die Windmühle geschmälert wurden.

Doch der Drost auf der Burg zu Rahden, Ardrian von Steinberg, verfocht die Rechte des Bischofs von Minden so nachdrücklich, dass die Windmühle zuletzt neu entstand.

Die  Windmühle in Dielingen war eine Bockmühle (Pfahlmühle), eine deutsche Mühle, wie überhaupt alle Mühlen deutsch waren, denn erst im 18. Jahrhundert kamen in unserer Gegend die Hollandmühlen auf.

Im Jahre 1669 wurde die Dielinger Bockmühle nach vorhergehender Besichtigung und darauf folgendem Befehl der Kurfürstlich-Brandenburgischen-Mindischen Regierung mit großer Mühe und viel Unkosten  auf den Dielinger Klei gebracht. Dort hat sie noch 240 Jahre auf der Höhe als ein Wahrzeichen der ganzen Gegend gestanden, von allen Dielingern und Drohnern begrüßt, wenn sie ihre  Heimat wieder aufsuchten, nachdem die Mühle vorher 180 Jahre lang auf dem Mühlenkamp gestanden hatte. 

Sie ist in den langen Jahren natürlich häufig  verändert worden, und die Änderungen kosteten der Kirche viel Geld. Aber die Kirche wird trotzdem ihren Nutzen gehabt haben. Als die Dielinger und Drohner Bauern anfingen mehr  Weizen anzubauen, beschloss die hiesige Kirchenvertretung , dem dringenden Erfordernis entsprechend, einen Weizengang neu einzurichten und zwei seitliche Ausbauten anzulegen.

Die Kosten für Steine, Ausbau und Arbeitslohn beliefen sich auf 1800 Mark, für die damalige Zeit eine ansehnliche Summe. Außerdem wurde im Jahre 1844 ein Stall aus Fachwerk zum Unterstellen der Pferde gebaut.

Da nun eine Dampfmühle und bald eine Genossenschaftsmühle in Dielingen gebaut wurde, kam die alte Bockmühle zum Erliegen. Deshalb wurde sie im Jahre 1908 mit Genehmigung des Konsistoriums in Münster vom 26.11.1907 auf Abbruch für 800 Mark nach Twiehausen verkauft.

Bewohner des Müllerhauses war bis zum Jahre 1961 die Familie Wortmeier. Heute befindet sich hier das Anwesen Pump.

Die Roßmühle in Dielingen war Kirchenbesitz und stand an der Kreuzung Ziegenstraße – Dielinger Straße in Höhe des Hauses Schomäcker. Die Mühle stand fast mitten auf der Straße, ließ aber die „Durchgänge“ frei.

Angelbeck, Dielinger Str.,  hat das Grundstück erworben, nachdem das Innere der Roßmühle schon 1868 an den Müller Strothölter in Haldem verkauft und das Äußere  zur Errichtung des Müllerhauses auf dem Klei (1868) verwandt worden war.

Der Müller wohnte bis zum Jahre 1870 im Nebenhaus des Colon Wiegmann, Dielinger Straße. Dies war sehr lästig, sowohl für das Publikum, namentlich für die Mahlgäste aus Drohne, als auch für den Müller. Deshalb musste die Kirchenverwaltung der Notwendigkeit nachgeben und neben der Windmühle eine neue Müller-Wohnung bauen. Dies geschah unter Zuhilfenahme des Äußeren der Roßmühle, die mithin von da ab von der Bildfläche verschwand. Der Bau des Müllerhauses, wofür der Bewohner eine jährliche Miete von 30 M. zu zahlen hatte, kostete der Kirchenkasse 700 Taler (2100 M).

 

Windmühle Haldem

Mühle Haldem, 1945
(Fallowesche Mühle Haldem, 1945)

Bei der Windmühle  handelt es  sich um eine sog. Erd-Holländer-Mühle (mit Erdverwallung). Erbaut wurde sie um das Jahr 1750  und war damit wohl die älteste im ganzen Umkreis. Im Jahre 1950 wurde der Windmühlenkopf mit den Flügeln abgebaut.

Die Windmühle musste aus ökonomischen Gründen natürlich Tag und Nacht in Betrieb sein; denn es galt den Wind voll auszunutzen.

Im Jahre 1910 wurde die Mühle, bisher ausschließlich vom Wind betrieben, modernisiert und mit einem Sauggasmotor ausgestattet. Unabhängig vom Wind konnte die Mühle nun wirtschaftlicher betrieben werden. Sie wurde aufgrund der qualitativ sehr hochwertigen Mehlherstellung nicht nur in der näheren Gegen, sondern im gesamten Umland geschätzt. Die Landwirte kamen von weither, um ihr Getreide mahlen zu lassen.

Besonders interessant ist noch die Tatsache,  dass die Mühle von Fallowe ein eingetragenes „Windrecht“ besaß. Alle Mühlen, die vor 1812 errichtet worden sind, hatten dieses Recht vom preußischen König erhalten. Danach durften nur mit Genehmigung des Müllers im Umkreis von 300 Metern Bäume gepflanzt oder Häuser errichtet werden. Dabei ist die Mühle von Fallowe keineswegs die älteste in Haldem. Es hat vielmehr in der Gegend, die heute noch die „ohle Wiendmürlenstie`c“ heißt, eine Bockmühle gestanden, die um das Jahr 1600 erbaut worden sein soll. Näheres hierüber lässt sich aber nicht mehr belegen.

Angeschlossen an die Getreidemühle waren eine Ölmühle (Ölproduktion aus Leinsamen) und  eine Bokemühle (Mühle für die Flachsverarbeitung).

Die Mühle stand seit 1937 unter Denkmalschutz, denn sie war als einzige Mühle im Norden des Kreises noch so gut erhalten.

Beim Ausbau des Windantriebes im Juli 1950 konnte man feststellen, dass die Menschen, die um das Jahr 1750 die Mühle erbauten, etwas geschaffen hatten, was fast zwei Jahrhunderte seinen Dienst getan hatte. Die 4,5 Meter lange Antriebswelle, durch die die Windkraft auf das Werk übertragen wurde, war aus Eichenholz von 1 m Durchmesser und zeigte nicht die geringsten Spuren  von Vergänglichkeit. Außer dem  Wellenkopf, der aus Eisen hergestellt  war und ein Gewicht von 20 – 30 Zentnern hatte, war in dem Getriebe kein Zahnrad, kein Gestänge aus Eisen, sondern alles aus Eichen-Kernholz. Welche gewaltigen Bäume  dazugehörten, um das Material für die  Mühle zu beschaffen?

Durch  alte Chroniken lässt sich nachweisen, dass die Mühle in der Mitte des 18. Jahrhunderts von Friedrich von der Horst als Gutsmühle errichtet worden ist. Um die Jahrhundertwende wurde sie von einem Müller Meier gepachtet, bis sie um 1860 von dem Müller Strothölter käuflich erworben wurde. Im Jahre 1904 kam sie in die Hand von Heinrich Fallowe. Nach ihm kam sein Sohn Wilhelm.  Bis zuletzt übernahm dann Wilhelm Fallowe die Aufgaben, unterstützt von seiner Frau Hildegard.

Bevor Heinrich Fallowe 1904 die Mühle von Strothölter erwarb, hatte er die Haldemer Mühle gepachtet, die oberhalb des sog. Diestelberges stand und ebenfalls Strothölter gehörte. Sie hatte eine ausgesprochen schlechte Windlage und wurde 1908 abgebrochen. An ihrer Stelle entstand eine Dampfmühle, die ebenfalls nach dem letzten Krieg im Zuge der allg. Entwicklung wieder aufgegeben wurde. 

Die Mühle von Fallowe hatte zwei Schrot-, einen Mahl- und einen Graupengang. Dabei hatten die Steine der Schrotgänge, die man heute noch sehen kann, einen Durchmesser von 1,71 Metern und  damit einen Umfang, der sich heute für den Motorantrieb nicht mehr verwerten lässt, weil er  zu viel Kraft beanspruchen würde.

Wie der Müller erklärte, lässt sich Energie, die durch den Wind entwickelt werden kann, gar nicht in PS messen; man musste vielmehr bei wechselnder Windstärke ständig die „Beschlagung“ der Flügel ändern, um so eine in etwa gleich bleibende Antriebskraft zu erzielen. Dass dies mit wesentlich größerer Arbeitsleistung verbunden war als das Mahlen mit Motorantrieb, liegt auf der Hand. Überhaupt mussten damals die Windmüller bei gutem, also gleich bleibenden Wind auch häufig zur  Nachtzeit mahlen, um die günstige Energiequelle nach Möglichkeit voll auszunutzen.

 

Mühlen in Levern   

Mühle in Levern, auf der Imlage
(Mühle in Levern, Auf der Imlage)

Der Galerie-Holländer von 1922 mit seinen im Kreisgebiet einmaligen hölzernen „Sechskant“ –verbrettert und geschindelt- steht auf einem massiven Bruchsteingeschoss. Mit seinem altertümlichen Stert und den wieder windgängigen Segelflügeln dokumentiert er alte Windmühlentradition. Die Gemeinde Stemwede kaufte die Mühle, nach dem sie am alten Standort nicht zu halten war und ließ sie 1980 am jetzigen Standort „nahe einer Hofanlage“ wieder mahlfähig aufbauen.

Die Mühleneinrichtung wurde durch eine vor Ort erstellte Beutelkiste ergänzt.

1981 wurde ein Kornspeicher von 1791 für eine Dauerausstellung „Das Korn von der Aussaat bis zum Brot“ aufgebaut, 1984 ein altes Rossmühlengebäude als Aufenthaltsraum für Besucher errichtet und ein Backhaus mit einem über 100-jährigen Backofen auf dem angrenzenden „Hof Klostermann“ restauriert. 1986 wurde ein weiteres altes Fachwerkhaus aufgebaut und 1995 ein teilweise offener Fachwerkschuppen.

Auf dem Anwesen Dieckhoff, Schröttinghauser Str. , befand sich eine kleine, fast elegante Windmühle, die durch eine Bokenmühle und ein Sägewerk ergänzt wurde. Der Name „Hollenmühle“, so heißt heute noch ein Ortsteil hinter dem Teich in Levern, stammt aus jener Zeit. Die Windmühle wurde leider im  Jahre 1916 ein Raub der Flammen.

Die Pülschenbrügge befindet sich an der Lohne, deren braunes Wasser im breiten, verschilften Bett dahin fliesst. Man  hat einen Kanal aus ihr gemacht, damit sie, das Kind der Oldendorfer Berge, nicht im Übermut über die Felder und Wiesen tanzt, wenn sie einmal zu viel Regen- und Schneewasser getrunken hat. Schnurgerade und in Deichen eingezwängt geht ihr Weg nun durch das Desteler Bruch, durch den Lever Teich und die Babbelage, bis sie dahinten in Pr. Ströhen in die Große Aue einmündet, mit der man ähnlich verfahren hat.

Mit dieser Mühle hängt sicherlich auch der Name „Lever Teich“ zusammen, denn die Stiftsmühle hatte das Recht, das Wasser der Lohne vom 1. Oktober bis zum 1. April zu stauen, eben zu jenem Lever Teich.

Das ging allwinterlich so, bis zum Jahre 1775. Da schloss am 17. Juli die Hudegemeinschaft Levern mit dem Stift einen Vertrag, nach dem das Stift auf dieses Staurecht verzichtet gegen eine Entschädigung von 1000 Reichsthalern. Unterschrieben ist dieser Vertrag von Seiten des Stiftes von Julins Augustus Friedrich Freiherr von der Horst, Probst in Levern, von der Senarissin Amalie Juliane v.d. Horst und von den Stiftsdamen Wilhelmine von Vincke, Sophie Charlotte von Stedingk, Ere Christine von Haren und Henriette Fridrique von Ledebur.

 

Windmühle in Niedermehnen

Mühle Niedermehnen bei Kolthoff, 1938
(Mühle in Niedermehnen, bei Kolthoff, etwa 1938)

Auf dem Hofgelände des Bauern Kolthoff, Unterm Klus, stand die erst 1928 erbaute kleine Mühle, die bis in die Nachkriegsjahre betrieben wurde. Als Hofmahlmühle, also zur Versorgung nur eines Gehöftes, wurde sie zu einer Zeit neu gebaut, als andere Windmühlen auf Motorkraft umgerüstet wurden.

 

Windmühlen in Oppendorf

Mühle Oppendorf bei Heitmann
(Mühle in Oppendorf, bei Heitmann)

Im Jahre 1830 pachtete Johann Heinrich Fallow  die Kirchenmühle in Oppendorf (heute Heitmann, Am Birkenhain). Es handelte sich um eine Holländer-Windmühle und verfügte über vier Mahlgänge, drei für Schrot und einen für Weizenmehl.

Eine weitere Bockmühle befand sich an der Mesenkämper Straße auf dem Anwesen Wilking. Sie wurde um das Jahr 1900 abgebrochen.

 

Mühlen in Oppenwehe


(Mühle in Oppenwehe, An der Bockwindmühle)

Die Bockwindmühle Oppenwehe hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Mit ihren angebauten „Seitentaschen“ ist sie die vermutlich letzte Mühle dieser Art in den alten Bundesländern mit windgängigen Segelflügeln und einer aus 3 Gängen bestehenden Mühlenausstattung. Sie wurde 1705 als Gutsmühle des Rittergutes Hüffe erstmals erwähnt. Der Aufbau am heutigen Standort –damals ein „Heidehügel“- und die Eröffnung eines neuen Mühlenbetriebes erfolgte 1873. Vermutlich ist die Mühle bereits damals mit der noch heute vorhandenen Ausstattung angelegt worden, dem alten Schrotgang und über ein Zusatzgetriebe (aufgedoppeltes Kammrad, Bunkler, Stirnrad, Stockräder) ein Mahlgang mit Beutelkasten und einem Graupengang.

Zu dem Betrieb gehörte auch eine Bokemühle; wer sie benutzen wollte, musste sein eigenes Pferde- oder Kuhgespann mitbringen.

Unter der Bockmühle stand auch eine nur mit Windkraft zu betreibende Säge. Der Sägebetrieb wurde eingestellt, als man kurz nach 1900 ein neues „Dampfmaschinenhaus“ mit Mahlgang und Sägemühle anlegte. Noch um 1930 ist damit Holz für  Dachstühle geschnitten worden.

Im Jahre 1943, als während eines Sturmes ein Flügel abbrach, ist der Windmühlenbetrieb eingestellt worden. In den 70ern wurden alle Gebäude um die  Mühle selbst mit eingezogenen Stützen komplett stillgelegt und die Seitentaschen beseitigt.

Ab 1991 wurden die „Fehler“ der 70er Jahre beseitigt, indem der Bock und das Mühlenhaus mit den Seitentaschen komplett neu gebaut wurde. Durch diesen Neubau erhielt man die Chance die ursprüngliche Technik wieder einzubauen und ein produzierendes Denkmal zu erhalten.

Ferner wurde ein kleines Fachwerkhaus mit Sanitäranlagen errichtet, es folgte ein „Mühlenkotten“ mit ca. 70 Sitzplätzen und eine Remise für Ausstellungen. Auf dem Dachboden des Mühlenkotten ist inzwischen auch eine Dauerausstellung zu besichtigen.

Eine weitere Windmühle befand sich auf dem Anwesen des Hofes Meier. Dazu gehörte auch eine Roßmühle, die als

Bokemühle eingerichtet war und für das Flachsbrechen in Anspruch genommen wurde.

 

Windmühlen in Sundern

Mühle in Sundern, Meyerhof, Knüwe
(Mühle in Sundern, Meyerhof, Knüwe)

Die Mühle ist ca. 1700 errichtet worden und  befand sich auf dem Meyerhof (Knüwe). Unten konnten die Bauern mit dem Kornwagen in die Mühle hineinfahren. Sie hatte drei Mahlgänge. Durch zwei Gänge Roggen und Hafer, durch den anderen der Weizen. Die Mühle war 9 Meter hoch. Sie hatte schwerere Steine als eine Schrotmühle. 1920 wurde dort eine weitere Mühle gebaut mit einem Saugmotor, später kam der Dieselmotor.

In der Mühle befand sich ein 2 Meter hohes Schwungrad. Es gab auch eine Reinigungsmaschine, womit das Korn gereinigt wurde und einen Aufzug, der die Säcke in die 1. Etage zog. Weiter  befand sich dort ein Brunnen mit einer Tiefe von 4 Meter, aus dem der alte Saugmotor das Wasser bekam. 

Eine andere Mühle befand sich bei Südkamp, Zum Hegerfelderort. Sie wurde ca. 1880 errichtet und hatte ihren Standort in unmittelbarer Nähe

des Anwesens. Wegen eines Stallbaues musste sie im Jahre 1911 ca. 25 Meter weiter transportiert werden. In der Mühle wurde aber nicht nur gemahlen, sondern auch Holz gesägt und Häcksel geschnitten. Bei wenig Wind wurden Laken vor die Flügel gebunden, damit die Mühle besser genutzt werden konnte. Im  Jahre  1931 wurde sie abgebrochen, weil man nunmehr elektrisch mahlen konnte.

 

Windmühle Twiehausen

Mühle Twiehausen bei Spreen
(Mühle in Twiehausen, bei Spreen)

Holland ist heute noch das Land der Windmühlen. Früher gaben die Mühlen auch in Norddeutschland und in unserer Heimat dem Landschaftsbild das Gepräge. Sie bildeten in der Ebene gleichsam Ruhepunkte in der Einsamkeit der Landschaft. Heute sind die Wasserrad- und Windflügelantriebe weitgehend verdrängt durch Wasserturbine, Dieselmotor, Dampf und Elektrizität.

Es gehörte zu den alten Sitten und Bräuchen, dass sich in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr kein Rad auf dem Hofe drehen sollte. Nur wenige richten sich heute noch danach. Doch an den Feiertagen herrscht Ruhe, und in den letzten Tagen des alten Jahres wird nur das Notwendigste getan.

Pfeifend strich der Dezemberwind um die neue Mühle des Müllers Spreen „achtern Fehle“, wie man im Volksmund  sagte. Nur wenige hundert Meter weiter stand mitten auf dem Felde ein alter Holzrumpf, der Rest der Bockmühle, die einstmals dem Ort das Gepräge gab.

Die Twiehauser Bockmühle war eine der wenigen Mühlen dieser Art, die es im Kreisgebiet noch gab. Wenn sie auch heute außer Betrieb ist, so ist ihre Geschichte doch im Volksmund lebendig geblieben. Bereits im 16. Jahrhundert wurde sie erbaut und stand zunächst in Dielingen. Jahrhunderte lang tat sie treu ihre Pflicht. Sie sah Hunger und Not, aber sie erlebte auch Zeiten der Zufriedenheit und der Wohlhabenheit ihrer Besitzer.

Im Jahre 1907 wurde sie auf Abbruch verkauft. Der Twiehauser Müller Spreen, Am Staatsforst, erwarb sie und baute die Bockmühle auf ihrer heutigen Stätte wieder auf. Im Jahre 1909 begann sie an ihrem neuen Standort ihre alte Tätigkeit. Weit sichtbar ragten erneut ihre Flügel über das Land, und wieder kamen die Menschen, um in der Mühle ihr Korn mahlen zu lassen. Sie wurde das Wahrzeichen von  Twiehausen.

1923 erhielt die Mühle noch Motorantrieb. Vor dem 2. Weltkrieg wurde sie völlig motorisiert.

Doch die Mühle wurde alt. Zwar geschah es im Jahre 1950 nicht zum ersten Male, dass ihre „Flucht“ (Flügel) so morsch geworden waren, dass sie abgenommen werden mussten. Aber die damalige Zeit stellte auch größere Anforderungen an einen Mühlenbetrieb. Da außerdem der Einbau einer neuen „Flucht“ viel Arbeit und Geld kostete, stellte man an die Behörde einen Antrag auf finanzielle Unterstützung zur Erhaltung der Bockmühle, der aber ohne Erfolg blieb. So verfiel  denn die Mühle immer mehr, der Betrieb in ihr wurde eingestellt. Stumpf und ohne den Schmuck der Flügel starrte der Rumpf damals in die Luft. Auf dem Landratsamt in Lübbecke hing noch lange ein Bild dieser alten Bockmühle, wie sie in ihrer Glanzzeit ihren Dienst versah.

Über die Straßen und Wege wanderten Menschen, Bauern und Landwirte, und manch heimlicher Blick huschte hinüber zur alten Mühle. Denn sie war für alle, die der Weg an ihr vorbeiführte, ein Stück Heimat.

 

Windmühle in Wehdem

Mühle Wehdem bei Brehop
(Mühle in Wehdem, bei Brehop)

Die Wehdemer Holländer-Windmühle wurde lt. Genehmigung im Jahre 1818 auf dem Anwesen Brehop an der Molkenstraße errichtet. Sie verfügte über zwei Mahlgänge und wurde um 1900 abgebrochen.

 

Mühlen in Westrup

Mühle Westrup
(Mühle in Westrup, Dillenhöhe)

Am Ausgang des Dorfes Wehdem nach Westrup zu stand seit Jahrzehnten auf der „Dillenhöhe“ eine alte holländische Windmühle. Ihre Riesenflügel, einst mit grauem Segeltuch bespannt, waren vermorscht und vom Winde zerfetzt; dennoch trotzte das schwere Gebälk der einstmals „schmucken Holländerin“ allen Wettern. Sie wurde im Jahre 1960 von der Stadt Hagen i.W. angekauft und als Kulturdenkmal in einem technischen Freilichtmuseum wieder aufgebaut.

Mit dem Abbruch dieser alten Mühle –sie war mit ihren vier Mahlgängen die größte im weiten Umkreis- verschwand in Westrup das letzte Wahrzeichen der „alten guten Zeit“.

Mehr als 200 Jahre war die damalige Noltingsche Mühle auf der Dillenhöhe alt und stammt wahrscheinlich aus der Zeit Friedrichs des Großen. Das genaue Alter ist nicht mehr festzustellen, da der frühere Besitzer vor rund 250 Jahren nach Amerika auswanderte und sämtliche  Urkunden darüber mitgenommen hat. Mit Sicherheit kann aber angenommen werden, dass die Mühle noch älteren Datums ist.

Ihren Standort auf der Dillenhöhe hat sie erst seit 1848. Ursprünglich stand sie im „Kleine Holz“ auf der heutigen Besitzung Pieper/Wittkötter, Mühlenhollwede. Die heutige Straße Mühlenhollwede erinnert noch an ihren alten Standort. Da hier unten schlechte Windverhältnisse herrschten, wurde sie von dem damaligen Besitzer Johann Schaff und dessen Ehefrau

Charlotte, die dann nach Amerika auswanderten, auf Abbruch verkauft. Der neue Besitzer, der Vater von Phillip Coblenzer, ließ sie stückweise davonfahren und brachte sie an den neuen Standort.

Für 50 Goldtaler wurde die Mühle  damals von dem alten Meier, genannt Domes, mit einem Kuhgespann abgefahren. Das Haus des früheren Mühlenbesitzers Schaaff, das neben der Mühle stand, wurde 1772 gebaut.

Anzunehmen ist, dass die Mühle schon früher dort stand.

Was den jungen Müller und seine Frau damals zur Auswanderung trieb, ist nicht mehr festzustellen. Jedoch berichtet unsere Heimatdichterin Marie Brosin in ihrem 1925 erschienenen Buche „Aus dem Jugendlande einer alten Frau“ feinsinnig und stimmungsvoll von dem alten „Blumenmüller“.

Sehr wahrscheinlich ist damit der alte Besitzer der Mühle auf der Dillenhöhe gemeint. Durch Verkauf und im Erbgang wechselte die Mühle im Laufe der Zeit ihre Besitzer. Der letzte Eigentümer war der Gastwirt Willi Janwlecke aus Drohne.

Bis zum Jahre 1929 war die Windmühle, zu der eine Bokemühle und auch eine Sägemühle gehörte, in Betrieb. Allein über 30 Zentner wog die drehbare Haube der Windmühle, die Flügel hatten einen Durchmesser von rund  20 Metern. An jedem Flügel wurde früher bei Inbetriebnahme ein 9 Meter langes Segeltuch gespannt, das von dem Müllergehilfen geflickt werden musste.

Hatte man keinen Wind, und das kam auch vor, so waren die Einwohner gezwungen, zur Wassermühle nach Hunteburg zu gehen, um dort ihr Korn mahlen zu lassen. Die alte Westruper Windmühle war bekannt für gutes Weizenmehl. Deshalb erstreckte sich ihr Kundenkreis bis nach Brockum, Niedermehnen und darüber hinaus. Seit mehr als 80 Jahren  steht die Mühle still. Dennoch ragt ein Stück alter Geschichte mit ihr in unsere Gegenwart hinein. Im Freilichtmuseum Hagen steht sie als stummer Zeuge einer vergangenen Kultur und einer längst verklungenen Zeit vor den Besuchern und erinnert an die Geschichte der  Dörfer Westrup und Wehdem. 

 

von Friedrich Priesmeier, ehem. Gemeinde-Archivar

20.08.2012 
nach oben zurück