Mehr als nur Geschmack
Regionale Wertschöpfung im Mühlenkreis
von Florian
Wer mit offenen Augen durch den Mühlenkreis fährt, entdeckt sie überall: Hofläden mit frischem Gemüse, Eierautomaten am Feldrand oder kleine Selbstbedienungshütten – direkt vom Hof, ganz ohne Umwege. Unsere Region ist reich an landwirtschaftlichen Betrieben, die nicht nur produzieren, sondern auch direkt vermarkten. Das ist gelebte Regionalität – und ein echter Gewinn für uns alle.
Ich selbst fahre regelmäßig zu Betrieben aus Hüllhorst um die hofeigenen Produkte dort einzukaufen. Hier gibt es kein Vollsortiment aber dafür echten Kontakt mit dem, was auf den Teller kommt. Das Gemüse wächst auf den Feldern und Gewächshäusern direkt hinter dem Hofladen und in der Verkaufshütte des Nachbarhofes gibt es Fleisch und Eier von den eigenen Tieren, bei denen man sich die Haltung tagtäglich anschauen kann.
Was bedeutet eigentlich „regionale Wertschöpfung“?
Wenn Lebensmittel direkt hier bei uns erzeugt, verarbeitet und verkauft werden, sprechen wir von regionaler Wertschöpfung. Das heißt: Jeder Schritt – vom Acker bis auf den Teller – bleibt möglichst in der Region. Die landwirtschaftlichen Betriebe verdienen mehr an ihren Produkten, Arbeitsplätze vor Ort werden gesichert, und wir als Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, woher unser Essen kommt.
Die neue Regionalmarke „Landschätze“
Genau das will auch die neue Regionalmarke „Landschätze“ sichtbar machen. Sie zeichnet hochwertige, regional erzeugte Produkte aus dem Mühlenkreis aus – alle in Bio-Qualität. Hinter jedem Produkt stehen engagierte Betriebe, die mit Herz und Hand für Qualität, Nachhaltigkeit und Transparenz sorgen.
Warum regionale Produkte kaufen? Die Vorteile auf einen Blick:
• Frische & Geschmack: Kurze Wege bedeuten frische Produkte mit vollem Aroma.
• Transparenz: Du weißt, wer dein Essen produziert hat – und wie.
• Klimaschutz: Weniger Transport bedeutet weniger CO₂.
• Stärkung der Region: Dein Geld bleibt vor Ort und unterstützt lokale Betriebe.
Regionale Produkte an einem Ort?
Um die regionalen Produkte in den Hofläden und auf den Betrieben einzukaufen braucht es aber auch Zeit und je nachdem wie weit entfernt der Hof liegt bedeutet dies auch einige Kilometer mit dem Auto zu fahren. Hier stellt man sich die Frage: Ist dies nun eigentlich klimafreundlich?
In Zusammenarbeit mit der Öko-Modellregion Minden-Lübbecke arbeiten wir hier an einer Lösung. Unter der Regionalmarke Landschätze vereinen sich Bio-Betriebe mit ihren Hofläden aus dem gesamten Kreisgebiet. Die Betriebe setzen sich zum Ziel, die Produkte der Landschätze-Betriebe mit in ihr Sortiment aufzunehmen, damit die Hofläden ein größeres Produktsortiment anbieten.
Der Lebensmitteleinzelhandel übernimmt diese „Bündelungsfunktion“ schon lange. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist das Bewusstsein für einen regionalen Einkauf deutlich gestiegen und damit auch das regionale Produktsortiment in den Supermarktregalen.
Doch auch ganz neue Konzepte erschließen den Markt. In Bad Oeynhausen steht seit kurzem ein autonomer Hofladen bei dem ohne Personaleinsatz ein großes Sortiment an regionalen Bio-Produkten zu kaufen ist. Dieses Leuchtturm Projekt ist zukunftsweisend für den Einkauf von regionalen Produkten und es ist das Ziel der Öko-Modellregion, solche dezentralen Einkaufsmöglichkeiten im gesamten Kreisgebiet zu unterstützen
Aber: Der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten ist kein Selbstläufer
Trotz der Vorteile regionaler Produkte fehlt es an Infrastruktur um die Produkte auch hier vor Ort zu verarbeiten. Ein Beispiel hier ist Fleischverarbeitung. Im Kreisgebiet gibt es nur noch sehr wenige fleischverarbeitende Betriebe, sodass hier lange Transporte in Kauf genommen werden müssen. Dies entspricht nicht dem Tierwohlgedanken und ist zudem auch nicht klimafreundlich.
Kleine regionale Verarbeitungsstrukturen haben jedoch höhere Produktionskosten als große Betriebe, die ihre Produkte auch überregional einkaufen. Dies spiegelt sich häufig auch in einem höheren Produktpreis wider. Dennoch ist die Bedeutung regionaler Strukturen unumstritten. Der Aufbau dieser sogenannten regionalen Wertschöpfungsketten ist eine zentrale Aufgabe der Öko-Modellregionen.
Öko-Modellregion Minden-Lübbecke – was heißt das?
Seit 2022 ist der Kreis Minden-Lübbecke auch eine von Öko-Modellregionen in NRW. Das Ziel: Mehr biologische Landwirtschaft, stärkere regionale Vermarktung und ein engeres Miteinander von Landwirt*innen, Verarbeiter*innen und Verbraucher*innen. Dabei geht es um langfristige Kooperationen und den Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten. Das Projekt wird durch Landesmittel gefördert durch das Ministerium Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW.
Unser Beitrag: Gemeinsam für mehr Regionalität
Wir im Mühlenkreis haben alle Zutaten, um Regionalität erfolgreich zu leben. Wer regionale Produkte kauft – ob auf dem Wochenmarkt, im Hofladen oder im Lebensmitteleinzelhandel – unterstützt nicht nur die Betriebe, sondern trägt aktiv dazu bei, unseren Mühlenkreis lebendig und nachhaltig zu gestalten.
Also: Beim nächsten Einkauf einfach mal die Augen offen halten. Vielleicht steckt in deinem Frühstücksei, deinem Brot oder deinem Glas Apfelsaft ja schon ein echtes Stück Mühlenkreis.