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Außergewöhnliches, Seltenes und Nützliches

Unterwegs auf der LandArt-Route (Teil 1)

von Betty

 

Neulich fragte mich eine Freundin nach den „Top Ten“ der LandArt-Route. Ich meinte, das könne man so nicht sagen, weil jede LandArt-Station geradezu einzigartig und unvergleichbar sei. Jede hält ihre Besonderheiten und Überraschungen bereit. Das glaube sie mir aufs Wort, es sei aber wenig konkret, meinte sie. Ihr Mann wollte helfen und fragte, ob es dann so etwas wie die „Big Five“ gäbe. Zunächst war ich sprachlos. Nein, er ist definitiv kein Kulturbanause. Die „großen Fünf“ stehen auf Reisen durch Afrika oder Kanada als Synonym für fünf große und eben auch einzigartige Tiere, die man dort unbedingt gesehen haben muss. In Afrika sind es Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. In Kanada sind es Wal, Elch, Bison, Wolf und natürlich der Bär.

Was also muss man auf der LandArt-Route unbedingt gesehen haben? Was gibt es nur hier? Wieder könnte ich spontan sagen, alle Stationen – und wieder würde euch das nicht helfen. Daher versuchte ich mit der ungewöhnlichen Anregung des Freundes mal eine Einordnung:  Hier also mein Versuch, euch durch die Vielfalt der LandArt-Route zu lotsen.

Traditionelles Handwerk und kreative Restaurierung in Petershagen-Windheim

Die Museumswerkstatt »Phoenix« in Petershagen-Windheim ist ein Hingucker: Der Duft nach Holz und historische Werkzeuge, wohin man schaut – und alle noch im Gebrauch. Hier liefert Uwe Hempfing noch echte Hand- und Wertarbeit. Ihr sucht einen Restaurator für Omas Erbstück aus Holz oder Metall? Uwe Hempfing rettet, was andere nur für viel Geld oder gar nicht für euch retten können. Der Holz- und Technikspezialist entwirft und baut sogar maßstabsgetreue Modelle von historischen „Stars“ wie Traktoren, Sattelschlepper, Doppeldecker-Flugzeuge. Ein individuelles Geschenk für Modellbaufans. Wer mag, kann auch selbst Hand anlegen und in einem Seminar ein individuelles Wunschobjekt fertigen und dabei viel über Holz und seine Bearbeitung lernen – quasi in familiärer Atmosphäre im Flair einer alten Tischlerei.

Künstlerische Unikate und Handwerkskunst in Stemwede-Oppenwehe

Eine Besonderheit ist auch »The Fork and Broom Press« in Stemwede-Oppenwehe. Hier stellt Annette Disslin auf historischen Druckpressen nach altem Handwerk Künstlerbücher her. Von der Idee zu Texten und Gestaltung, der Erstellung von Druckgrafiken, dem Schriftsatz aus Blei- oder Holzlettern, dem Drucken auf alten Pressen bis hin z Phoenix ur Buchbindung macht Annette Disslin alles selbst und fertigt so künstlerische Unikate in Kleinstauflagen. In ihrer Serie „Der Vielfalt ein Zuhause geben!“ verbindet die studierte Biologin die „schwarze Kunst“ mit ihrem Wissen über Pflanzen. Die ersten drei Bände widmete sie der Quitte, Mispel und Konrade. Ganz frisch aus der Druckpresse kommt ihr Schmausbuch Nr. 2, in dem sie auf 52 Seiten Rezepte und wissenswerte Geschichten dahinter serviert: wie die vom „Fupsbüdel“, mehr verrate ich nicht. Sehenswert sind ihre ebenso kreativ gestalteten Ausstellungen in der „Galerie auf Zeit“ in der alten imposanten Scheune mit Sitzgelegenheiten aus Stroh und Kaffeesäcken. Gern erklärt Annette Disslin auch hier, wie ihre Künstlerbücher entstanden sind.

Und man kann nach individuellen Geschenken stöbern. TIPP: Am Wochenende 5. + 6. April von 11 bis 18 Uhr öffnet sie Atelier und Werkstatt zu den Europäischen Tagen 

des Kunsthandwerks. Unbedingt hingehen. Außerhalb der Aktionstage und der LandArt-Kulturwochen öffnet Annette Disslin nur auf Anfrage. Weitere Infos und ihren Blog direkt aus dem Drucksaal gibt es hier: http://www.forkandbroompress.net/  Tipp für Garten- und Naturliebhaber*innen: Annette's Garden-Blog

Skulpturen aus Papier und Stein in Preußisch Oldendorf

Außergewöhnlich ist die Geschichte der Künstlerin Bettina Bollmann-Koch. Ihr Atelier „Altes Melkhaus“ liegt auf dem Grundstück des Rittergutes Groß Engershausen in idyllischer Lage in Preußisch Oldendorf. Hier hatte sie sich in der Kunstszene gerade einen Namen als preisgekrönte Bildhauerin erworben, als eine Muskelerkrankung ihr die harte Arbeit am Stein unmöglich machte. Dennoch gab sie nicht auf und arbeitet heute Skulpturen aus Papier und experimentell mit kinetischer Fotografie. Tipp: Neben ihren Papierskulpturen gibt es auch noch ihre Kunstwerke aus Stein, meist Alabaster. Diese Skulpturen kann man sogar mieten, um ihre Wirkung im eigenen Wohnzimmer auszuprobieren. Wer mag, kann dann ein Kunstwerk erwerben. Neben der Skulpturen-Miete sind auch Besuche in ihrem Atelier im „Alten Melkhaus“ möglich. Oder ihr haltet auf regionalen Ausstellungen nach ihren Werken Ausschau.

Tipp: Ab dem 13. April 2025 wird sie im Hansehaus in Minden zum Projekt „zeitenwende“ des Vereins für aktuelle Kunst ausstellen. Und noch bis Ende August stellt sie mit der Künstlerinnengruppe des Vereins im Preußenmuseum in Minden unter dem Titel „Schwingungen“ aus. Direkt in ihrem Atelier und Garten am „Alten Melkhaus“ wird sie zum Ende der LandArt-Kulturwoche am 5. + 6. Juli 2025 ausstellen.

Zwischen Fantasiefiguren und Theaterstücken in Hüllhorst

In erstaunliche Fantasie-Welten abtauchen könnt ihr bei „der Müllerin“ in der Büttendorfer Mühle. Karin Müller beeindruckt mit grenzenloser Kreativität, handwerklicher Vielseitigkeit und „fantastischen“ Ideen. In ihrer Werkstatt baut sie große und kleine Fantasie-Figuren und erweckt sie in selbst entworfenen Theater-stücken vor selbst gebauten Kulissen zum Leben. Vielmehr sind die Figuren ständige Wegbegleiter an diesem Ort, „an dem sich Fantasie und Wirklichkeit die Hand reichen“: Ratte El Gusto schaut der Künstlerin beim Entwurf von Bühnenskizzen kritisch über die Schulter und die streikende Mülltonne Rosi, die verworfene Skizzen verweigert, hat damit schon so manches Meisterstück gerettet. Jedes Wesen hat hier seine eigene Biografie und seinen eigenen eigenwilligen Charakter. Mit diesem „Mühlenensemble“ feiert Karin Müller nach Jahren der kreativen Auszeit zur LandArt-Kulturwoche am 20. Juni 2025 bei Mittsommer ein „blumiges Comeback“. Natürlich mit Turbulenzen: Ihre Fantasie-Gondel läuft auf Grund, die schwedischen Musiker, die hergebracht werden sollten, sind verschwunden. Ob die skurrile Gruppe aus einem kleinen Floh, dem eben-so winzigen Schornsteinfeger, einem Raben und einer Vogelscheuche die Situation retten können, bleibt ungewiss. Der Sommer wird unterhaltsam. Noch nicht alle Informationen haben es auf ihre neue Website geschafft. Aber wenn, dann findet ihr sie unter www.millart.de

Kreative Unikate und Workshops in Stemwede

Ebenso kreativ ist Jacqueline Wehrmann in ihrer Glaswerkstatt in Stemwede-Arrenkamp. Es gibt nichts, was sie nicht aus Glas herstellen würde: neben individuellem Schmuck und Skulpturen waren auch schon Haus-nummern, gläserne Blumen, Bilder und Bilderrahmen und Kettenanhänger mit Computerstick-Einschub da-bei. Das Atelier mit Hunderten kleiner und großer ungewöhnlicher Glasobjekte lädt zum Stöbern nach Geschenken ein, häufig samstags von 14 bis 18 Uhr. Einzig zerbrochenes Glas reparieren kann sie nicht, zaubert aus den Scherben aber gerne etwas Neues. Auch Workshops für Groß & Klein gibt Jacqueline Wehrmann und hilft dabei, eigene Ideen kreativ umzusetzen. Infos unter: www.glaskunst-drahtdesign.de 

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