ZWAR-Tour: Cuxhaven - Sonne, Regen und noch mehr Meerwind
Die Frauenquote beträgt 33%, als Friedhelm, Friedhelm und ich unsere Reise an die Nordsee antreten. Wir treffen uns am Kassenautomaten vom Lemförder Bahnhof. Friedhelm muß noch sein 9-Euro-Ticket mit EC-Karte kaufen und löst auch gleich die 3er Niedersachsenradkarte für uns mit.
Ich weiß, daß das Radabteil im Zug nach Bremen ganz hinten ist. „So weit sollen wir laufen?“ Und siehe da, das Radabteil hält genau vor unserer Nase. Und es ist erstaunlich leer. Nur 4 Räder mit großen Satteltaschen stehen schon da. Es ist der 10 Uhr Zug. Während das Radabteil erstaunlich leer ist, sind die Abteile so voll, daß wir nach Plätzen fragen müssen.
Unsere Fahrt geht über Bremerhaven, wo wir in den Regionalzug nach Cuxhaven umsteigen
müssen, und dauert 2,5 Stunden. In Cuxhaven scheint die Sonne. Wir suchen unseren Weg zur „Alten Liebe“ und dann radeln wir am „Blauen Band“ entlang zur „Kugelbake“, dem Wahrzeichen von Cuxhaven. Eine nette Dame macht das Erinnerungsfoto oder auch Beweisfoto von uns, daß wir es bis hierhin schon geschafft haben, denn es wird natürlich sofort an alle ZWARIS zu Hause gepostet.
„Und warum sitzt keiner in den 999 Strandkörben?“ „ Dazu ist es zu kalt!“ Stimmt, der Himmel hat sich zugezogen und das Wattenmeer ist nur grau. Wir schauen den dicken Pötten auf ihrem Weg auf der Elbe nach. Nach „Füße ins Wasser stecken“ ist uns nicht zumute. Aber wir merken unsere Mägen. So etwas Fischiges täte uns richtig gut. Wir radeln hinterm Deich entlang. Gosch ist ja eine bekannte Adresse.
Während des Essen planen wir unsere Rücktour. Wir sind absolut nicht sicher, daß wir Plan A, bis nach Bremerhaven zu radeln, heute schaffen. Also müssen Plan B und Plan C und sogar Plan D her. Die Minimalvariante ist ein e Tour um Cuxhaven herum und dort wieder den Zug nehmen. Oder bis Wremen zu radeln und dort am Bahnhof in den Zug steigen. Oder… das lassen wir offen, aber es kann ja noch etwas ganz Dolles passieren.
Auf dem Weg nach Sahlenburg kommen uns die Radler mit Lichtgeschwindigkeit entgegen, während wir uns auf unseren E-Bikes richtig mühen. Es ist windig und kalt und dann kommen auch schon die ersten Tropfen. Nein, nicht heute, nicht jetzt. Dabei ist es echt kalt. Einfach mal unterstellen hilft. OK. Die Wolken verschwinden. Es geht wieder weiter. Wir werden wieder trocken. Und dann regnet es wieder. So ist das Wetter eben an der See. Es kommt und geht.
Hinter Wursten kraxeln wir auf den Deich. Auf der fetten Wiese zur Weser hin – wir haben ja den Fluß gewechselt – weiden viele Kühe. Wir lassen uns lang ins Gras fallen und schauen den Wolken nach, die sich wirklich in alle möglichen Richtungen bewegen. Wahrscheinlich hat der liebe Gott laut gelacht, als er uns da liegen sah, und ab sofort nur noch Sonnenschein und Rückenwind befohlen.
Es ist nicht zu fassen. Wir fliegen quasi und die entgegenkommenden Radler ächzen beim Trampeln. Dann lugen weit entfernt zwischen den Bäumen die Kräne vom Bremerhavener Hafen hervor. „Was siehst du? Ich seh’ nichts.“ „Wart’s ab.“ Das Ortsschild von Wremen lacht uns entgegen. „Eigentlich könnten wir jetzt, wo es so gut läuft, noch weiterfahren.“ Sorry Friedhelm. 2 zu 1 überstimmt.
Wir erreichen die ersten Kräne des Hafens und wir klettern wieder auf den Deich, um dem Treiben zuzusehen. Was für ein Gewusel, wieviel Knowhow und Logistik auf dem Gelände! Und dann blicken wir nicht mehr durch. Viele Hafenbecken, viele Gleise (was ja für Radfahrer nicht ungefährlich ist) und immer, wenn wir fragen, wohin es zum Bahnhof geht, dann heißt es: geradeaus. Beim x-ten mal fragen heißt es immer noch geradeaus un d zwar 15 Minuten. Waaas?
Noch ‘ne Viertelstunde? Diese Stadt scheint kein Ende zu nehmen. Denken ausschalten und trampeln. 100 Meter vor dem Bahnhof steht ein großes weißes Schild: Bahnhof. Na toll. So ein Schild hätten wir uns öfter gewünscht. Aber Hurra - wir sind angekommen und in 15 Minuten fährt der Zug nach Lemförde. Also fast sofort. Wir sind echt uppe, aber auch richtig stolz. Wir waren ein tolles Trio.