Inhalt

Workshop im Kreisjugendamt zu Biografiearbeit

„Eine Brücke in die Zukunft bauen“ – Wie gehen Kinder in Pflegefamilien mit ihrer Herkunft um?

Der Verlust eines vertrauten familiären Rahmens bedeutet für Kinder einen drastischen Einschnitt. In einer solchen Krisensituation ist es für diese Kinder oft richtig, in einer Pflegefamilie fürsorglich aufgefangen und unterstützt zu werden. „Dennoch bleibt die Beschäftigung mit der eigenen, mitunter komplizierten Lebensgeschichte, oft ein lebenslanges Thema für Pflegekinder“, so Heike Zelle vom Pflegekinderdienst des Kreisjugendamtes. Mit einer Veranstaltung zum Thema „Biografiearbeit mit Pflegekindern“ in Hüllhorst beendete der Pflegekinderdienst des Kreisjugendamtes Minden-Lübbecke seine diesjährige Veranstaltungsreihe für Pflegeeltern.


Die Kinder beschäftigen sich häufig ohne es auszusprechen mit Fragen: Wo komme ich her? Warum lebe ich nicht bei meiner Familie? Wem gleiche ich? Habe ich etwas falsch gemacht? „Es gibt viele Möglichkeiten, Pflegekindern im Alltag beizustehen, ihre besondere Lebenssituation anzunehmen und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen“, erklärte Referentin Cornelia Klemenz, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Detmold, den interessierten Pflegeeltern. Biografiearbeit sei als ein notwendiger und andauernder Prozess zu sehen, der Kinder und Jugendliche darin unterstütze, die anstehenden Entwicklungsaufgaben zu lösen.


Pflegekinder erreichen durch Klarheit und Verständnis über ihre Lebenssituation mehr Selbstvertrauen und Akzeptanz dafür, dass sie anders als andere zwei Familien haben. Auch für Pflegeeltern sieht Cornelia Klemenz in der Biografiearbeit eine große Hilfe: Zwischen Pflegeeltern und Pflegekindern entsteht durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit der Kinder eine sehr tragfähige, vertrauensvolle Beziehung, die den gesamten Erziehungsalltag erleichtern kann.


Zum Workshop gehörte außerdem, dass die Pflegeeltern einige Methoden zu einer bewussten Biografiearbeit mit Pflegekindern kennenlernen konnten. Welche Methode hilfreich ist, hängt vom Alter und Entwicklungsstand des Kindes ab. Cornelia Klemenz sieht eine sinnvolle Biografiearbeit als Zusammenarbeit von allen dem Kind nahestehenden Menschen an. Dies können vor allem die Pflegeeltern als Hauptbezugspersonen sein, aber auch die leibliche Familie und das Jugendamt als Mittler zwischen den Familien.

 

Pflegeeltern sind engagierte Menschen, die ihre Familien für Kinder in Notsituationen öffnen und ihnen ein Zuhause bieten. Manchmal zum ersten Mal im Leben erleben die Kinder hier Schutz, Verständnis und Förderung. Pflegefamilien leisten somit einen wichtigen sozialen Beitrag für die Gesellschaft. Aus Erfahrung wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes, dass Pflegeverhältnisse von einigen wichtige Rahmenbedingungen abhängen wie zum Beispiel eine individuelle Begleitung durch qualifizierte Fachkräfte, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und regelmäßige Fortbildungsangebote.


Interessierte Menschen aus dem Altkreis Lübbecke sowie der Stadt Petershagen und der Gemeinde Hille erhalten weitere Informationen zum Thema Pflegekinderwesen im Kreisjugendamt Minden-Lübbecke unter: Tel.: 0571 807 -23790. Die Städte Minden, Porta Westfalica und Bad Oeynhausen haben eigene Jugendämter und Ansprechpartner.

nach oben zurück