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Wie im richtigen Leben

Kreis Minden-Lübbecke, 1. August 2011


Wie im richtigen Leben
Landrat besucht 9b des Realschulzweiges der Stemweder-Berg-Schule

„Ich stehe ganz hinten, weil ich arbeitslos bin und mir nichts leisten kann“, sagt ein Schüler, der es beim Rollenspiel buchstäblich nicht weit gebracht hat. Er ist kaum über die Startlinie hinausgekommen. Seine Mitschülerinnen und Mitschüler der Klasse 9b des Realschulzweiges der Stemweder-Berg-Schule verteilen sich zwischen Start- und Ziellinie im Raum, je nachdem, welche Rollenkarte sie gezogen haben. „Wie im richtigen Leben“ heißt das Spiel, bei dem nur diejenigen Teilnehmer einen Schritt nach vorne gehen dürfen, die die Spielfragen mit „Ja“ beantworten können. Gefragt wird zum Beispiel, ob die Mitspieler eine Lebensversicherung abschließen oder Jahre im Voraus planen können. Auch Landrat Dr. Ralf Niermann hat eine Rolle im Spiel übernommen, bei der er viele Fragen mit "Nein" beantworten muss. Im Rahmen des Projektes „Lebendige Demokratie im Mühlenkreis“ hat er die Klasse unter der Leitung der Politiklehrerin Edda Graue besucht. Auf dem Stundenplan standen die Themen Diskriminierung und Ungleichheit.

Dass nicht alle Menschen die gleichen Chancen in der Gesellschaft haben, darüber sind sich alle einig. Arbeitslose, Familien mit vielen Kindern, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, Kinder und Jugendliche, die kein Geld für Markenkleidung haben – in der Diskussion wird deutlich, dass viele Schülerinnen und Schüler Ausgrenzung aus dem eigenen Umfeld kennen oder bereits selbst erlebt haben. Engagiert diskutiert die Klasse gemeinsam mit Dr. Niermann die Gründe von Ungleichheit und Diskriminierung, insbesondere von Menschen mit Migrationshintergrund. Müssen sich Zuwanderer der deutschen Kultur anpassen? Wie wichtig ist Sprache für Integration? Sind Aggressionen von Zuwanderern eine Reaktion auf die erfahrene Ausgrenzung? Besonders kontrovers war die Frage, ob junge Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit haben, sich von einem traditionell und autoritär geprägten Elternhaus zu distanzieren und eigene Wertvorstellungen zu entwickeln. 

"Eure Diskussion zeigt doch, dass ihr Dinge hinterfragen könnt. Ihr seid alt genug, um euch eine eigene Meinung zu bilden", ermutigt Dr. Niermann die Schülerinnen und Schüler. Am Ende der Stunde befragen die Schülerinnen und Schüler den Landrat nach seinen Aufgaben und diskutieren mit ihm über weltpolitische Themen wie Kriegseinsätze der Bundeswehr und Menschenrechte. "Die Schülerinnen und Schüler waren ganz begeistert von der Offenheit des Landrates", sagt Edda Graue. Ein Gegenbesuch der Klasse ins Kreishaus nach Minden ist geplant.

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