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Wege zur Reduzierung von Fixierungen in der Altenpflege

Kreis Minden-Lübbecke, 09.02.2012

Wege zur Reduzierung von Fixierungen in der Altenpflege

Fachtagung im Kreishaus

 

„Selten habe ich den Sitzungssaal des Kreistages so voll erlebt wie heute“ stellte Landrat Dr. Ralf Niermann bei seiner Begrüßung zur Fachtagung „Eure Sorge fesselt mich!“ fest. 130 Fachleute, insbesondere aus der Altenhilfe und dem Betreuungswesen, waren der gemeinsamen Einladung der Kompetenzwerkstatt Pflege und Demenz von PARIVital und des Kreises Minden-Lübbecke gefolgt, um sich darüber zu informieren, wie Fixierungen von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen vermieden werden können. 

Insbesondere demenzkranke Menschen haben häufig einen erhöhten Bewegungsdrang. Damit sie sich nicht selbst gefährden, werden in der Pflege freiheitsentziehende Maßnahmen eingesetzt. Dazu gehört zum Beispiel das Verschließen der Tür, aber auch das Festbinden am Bett, das Anbringen eines Bettgitters, Entzug einer Sehhilfe oder Einsetzen von Psychopharmaka.

Uwe Brucker, Fachgebietsleiter des medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen, benannte die Fixierung als Gewalt gegen Pflegebedürftige. Es handelt sich nicht um eine pflegerische, sondern um eine rechtliche Maßnahme, die einer richterlichen Genehmigung bedarf und nur in Ausnahmefällen angewandt werden darf. In der Praxis ist die Fixierung jedoch wesentlich häufiger, in machen Einrichtungen bei jeder zweiten Person, vorzufinden. Immer wieder passieren tragische Unfälle bis hin zur Todesfolge aufgrund fehlerhafter Fixierungsmaßnahmen. 

Madeleine Viol ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für angewandte Sozialforschung an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg. Im Rahmen ihres Vortrages stellt sie heraus, dass weltweit keine einzige Studie bekannt sei, die die positiven Effekte von Fixierungen belege. Es gebe keinerlei Beweise dafür, dass zum Beispiel Stürze seltener vorkämen. Es sei im Gegenteil zu vermuten, dass Stürze häufiger vorkämen und dann folgenreicher verliefen, da durch häufiges Fixieren die Muskulatur erschlaffe. Ebenso entstünden Verhaltensauffälligkeiten durch Fixierungsmaßnahmen verständlicherweise erst. Sie stellte das Projekt „Redufix“ vor. Hier wurde im Auftrage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein umfassender Ansatz zur Reduzierung von freiheitsentziehenden Maßnahmen entwickelt. Im Kern geht es darum, die Ursachen für die Unruhe der Pflegebedürftigen zu ermitteln und ihnen auf andere Weise zu begegnen. Es ist bekannt, dass zum Beispiel Demenzkranken bei gleichen somatischen Erkrankungen deutlich weniger Schmerzmittel verabreicht werden als nicht demenziell veränderten Personen. Schmerzen oder auch unerfüllte Bedürfnisse wie Hunger und Durst, die krankheitsbedingt nicht artikuliert werden können, sind eine mögliche Ursache für Unruhe und Verhaltensauffälligkeiten. Das Projekt befasst sich aber auch mit praktischen Hilfsmitteln wie Hüftprotektoren, Antirutsch-Hausschuhstrümpfen und Bettgestellen mit unterbrochenen Bettgittern.  

In der Pause konnte die bisherige Praxis der Fixierung an einem Bett getestet werden. Hier wurde deutlich, dass das Verwenden von Gurtsystemen - sachgerecht angewandt - keine Möglichkeit der Personalreduzierung darstellt. Denn die Hersteller weisen immer wieder darauf hin, dass bei fixierten Personen eine Sitzwache notwendig ist.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, inwieweit insbesondere in der häuslichen Pflege noch viel Information und Unterstützung notwendig ist, damit Pflege ohne einschränkende Maßnahmen gelingen kann.

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