Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Beruf -
Minden-Lübbecke, 19.03.2010
Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Beruf
Unternehmen gründen Arbeitskreis bei Auftaktveranstaltung des Kreises
„Pflege und Beruf“ heißt die Initiative des Kreises Minden-Lübbecke, die die Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Berufstätigkeit unterstützt. Zur Auftaktveranstaltung kamen 50 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Politik und Facheinrichtungen ins Kreishaus. Sie informierten sich über Daten zum demografischen Wandel, Besonderheiten von häuslichen Pflegearrangements, über betriebliche Unterstützungsmöglichkeiten und über die Initiative des Kreises. Unternehmensvertreter haben schon während der Veranstaltung einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, in dem Unternehmen aus dem Kreisgebiet gemeinsam an der Umsetzung der dargestellten Praxisbeispiele in ihren Unternehmen arbeiten.
"Im Zuge des demografischen Wandels ist mit einem Ansteigen der Anzahl der pflegebedürftigen Männer und Frauen zu rechnen," sagte Landrat Dr. Ralf Niermann zu Beginn der Veranstaltung. Damit steigt auch die Zahl der pflegenden Angehörigen, die berufstätig sind - bereits heute sind es etwa die Hälfte. Die meisten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt und haben eine entsprechend verantwortliche berufliche Stellung erlangt.
Einen Überblick über die unterschiedliche Bevölkerungs- und Altersstruktur in den Städten und Gemeinden des Kreises Minden-Lübbecke und über ihre Veränderung gab Dr. Christian Adam, Geschäftsführer der Kommunalen Gesundheits- und Pflegekonferenz des Kreises. Eckdaten der Pflegestatistik präsentierte Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange des Kreises: von den ca. 9.000 Pflegebedürftigen im Kreis Minden-Lübbecke werden über 5.000 zu Hause versorgt. Da jede Hauptpflegeperson von weiteren Helfenden unterstützt wird, ist von ca. 11.000 Personen im Kreis Minden-Lübbecke auszugehen, die in häusliche Pflege involviert sind.
Um die Besonderheiten der häuslichen Pflege ging es in einem Vortrag von Martina Wolfinger vom Zentrum Altern und Gesellschaft der Universität Vechta. Jemanden zu Hause zu pflegen ist selten eine bewusst getroffene Entscheidung. Pflegesituationen entstehen meistens aufgrund einer schweren Erkrankung spontan oder sie entwickeln sich in einem schleichenden Prozess von der Sorge zur Pflege. In der Regel sind (Ehe-) Partner oder Töchter und Schwiegertöchter diejenigen, die sich um die Pflege kümmern. Häusliche Pflege kann sich immer auch auf die Berufstätigkeit auswirken und umgekehrt: so kann das eine ein willkommener Ausgleich für das andere sein, es können jedoch auch vermehrt Belastungen auftreten. Oft schränken pflegende Angehörige ihre Berufstätigkeit nach und nach ein oder geben sie ganz auf. Das bringt Einkommenseinbußen und Folgen für die eigene Alterssicherung mit sich. Heimunterbringung sei kein Versagen der Pflegepersonen, sondern in vielen Fällen die für alle bessere Lösung, hieß es in dem Vortrag. Unternehmen sollten bedenken, dass die Sorgearbeit für Pflegebedürftige auch bei einer Heimunterbringung weiter bestehen bleibe.
Regina Held vom Zentrum Frau in Beruf und Technik in Castrop-Rauxel fächerte die Palette der Möglichkeiten auf, mit denen Betriebe ihrer Beschäftigten mit Pflegeverantwortung unterstützen können. In ihrem Vortrag stellte sie fest, dass mittlerweile ungefähr zehn Prozent aller Beschäftigten in Betrieben zu Hause eine Pflegesituation bewältigen. Besonders betroffen sind Unternehmen mit hohem Frauen- und Teilzeitanteil. Aber auch Unternehmen mit einem hohen Männeranteil wie zum Beispiel Ford stellen sich den Herausforderungen von Pflege und Beruf. Unterstützen können sie ihre Angestellten durch flexible Arbeitszeitgestaltung - zum Beispiel bei Bedarf eine verlängerte Mittagspause, durch Informationsmaterialien über Hilfeangebote und Anlaufstellen, durch Pflegekurse und Angehörigengruppen, die vom Betrieb unterstützt werden, oder durch reservierte Parkplätze.
Über die Initiative "Pflege und Beruf" des Kreises informierte Birgit Ahrens vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung. Die Ansprechpartnerinnen und -partner des Kreises kommen auf Anfrage gern zu Einzelgesprächen in die Betriebe, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Sie bieten außerdem Informationsveranstaltungen vor Ort für die Beschäftigten an.
Der Kreis Minden-Lübbecke übernimmt die Koordination des kreisweiten Arbeitskreises, der während der Veranstaltung von den Unternehmen ins Leben gerufen wurde. Im Arbeitskreis können sich die Beteiligten über die Thematik austauschen und Anregungen leichter umsetzen. Weitere Interessierte können sich an die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Minden-Lübbecke, Andrea Strulik wenden unter Tel.: 0571/807-2109 oder unter per E-Mail an: a.strulik@minden-luebbecke.de.