Vereinbarkeit von Pflege und Beruf - ein Mittel zur Fachkräftebindung auch im Handwerk
„Weniger und älter“. So lässt es sich auf den Punkt bringen, wie die demographische Entwicklung auch im Kreis Minden-Lübbecke aussieht. Damit verbunden sind älterwerdende Belegschaften und immer mehr Erwerbstätige, die die Pflege von Angehörigen und den Beruf unter einen Hut bringen müssen. Dabei sind es vor allem weibliche Erwerbstätige, die die häusliche Pflege von Angehörigen leisten – aber auch die Zahl der häuslich pflegenden Männer steigt.
„Anders als bei der Vereinbarkeit von Kindererziehung und Beruf haben viele Betriebe die Bedeutung des Themas „Pflege und Beruf“ noch nicht erkannt; vor allen Dingen nicht als ein Mittel zur Fachkräftebindung, die auch im Handwerk immer mehr an Bedeutung gewinnen wird“, erklärt Thomas Brinkmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland. Und Karl Kühn, Kreishandwerksmeister, ergänzt: „Betriebe, die das Thema „Pflege“ auf die leichte Schulter nehmen, könnten bald Probleme bekommen, wenn wertvolle Fachleute ausfallen, um Angehörige häuslich zu pflegen.“
Vor die Wahl gestellt, entscheidet sich laut Studien derzeit eine Mehrheit der Erwerbstätigen mit Pflegeverantwortung für die häusliche Pflege von Angehörigen und gegen die eigene Erwerbstätigkeit.
Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels können es sich allerdings Betriebe kaum noch leisten, dass Beschäftigte über einen längeren Zeitraum ihre Arbeit aufgeben, um Angehörige zu pflegen. Es liegt daher im Interesse von Betrieben und ihren Beschäftigten, sich rechtzeitig damit zu befassen, wie Pflegeaufgaben mit Berufstätigkeit vereinbart werden können. „Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gibt es viele gute Ansätze, die es gilt, bekannter zu machen. Wichtig ist, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, die beiden Seiten gerecht werden“, erklären Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Minden-Lübbecke, und Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange des Kreises Minden-Lübbecke.
An dieser Stelle setzt die Initiative „Pflege und Beruf“ des Kreises an, die Andrea Strulik und Klaus Marschall gemeinsam koordinieren. Ziel der Initiative ist es, auf der einen Seite Betriebe darin zu unterstützen, qualifiziertes Personal zu halten und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Region sicher zu stellen. Auf der anderen Seite soll die häusliche Pflege gestärkt werden, in dem berufstätige pflegende Angehörige informiert und entlastet werden. In Zusammenarbeit mit den Betrieben sollen passgenaue Unterstützungsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Die Kreisverwaltung bietet interessierten Betrieben kostenfreie Erstgespräche zur Abklärung an, wie ein sinnvoller Einstieg in die Thematik erfolgen kann.
Im Rahmen der Initiative „Pflege und Beruf“ findet am 25. Januar 2016 um 15 Uhr im Kreishaus in Minden eine Veranstaltung statt, die einen Überblick über gesetzliche Rahmenbedingungen und konkrete betriebliche Möglichkeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gibt. Neben allen anderen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern im Kreis Minden-Lübbecke sind auch alle Handwerksbetriebe zu dieser Veranstaltung eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos.
Ausführlichere Informationen und Anmeldung bei:
Kreis Minden-Lübbecke
Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte
Telefon: 0571 807 24210, E-Mail: a.strulik@minden-luebbecke.de
Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange
Telefon: 0571 807 23640, E-Mail: k.marschall@minden-luebbecke.de
Foto v.l.n.r.: Kreishandwerksmeister Karl Kühn, Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Andrea Strulik, Kreis-Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange Klaus Marschall und Thomas Brinkmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland.
Foto: Martin Pippig/Kreishandwerkerschaft Wittekindsland