Artikelserie 40 Jahre Kreis Minden-Lübbecke
Teil 5:
Mit den Mühlen ein verbindendes Element geschaffen
Seit den 1980er Jahren ist der „Mühlenkreis“ ein fester Begriff
von Benjamin Husemann und Birgit Ahrens
Der „Mühlenkreis“ ist heute ein feststehender Begriff. Er ist zum Synonym für den 1973 gegründeten Kreis Minden-Lübbecke geworden. Die Mühle ist das allseits bekannte Symbol dieser Landschaft. Sie weckt Emotionen und Erinnerungen und verbindet die Menschen unter einem gemeinsamen Zeichen. Die Idee des „Mühlenkreises“ ist damit eine Erfolgstory und hat die Erwartungen und Hoffnungen aus den Anfangsjahren vollkommen erfüllt.
Die Wurzeln des „Mühlenkreises“ liegen in den 1970er Jahren, zunächst als Anliegen des Denkmalschutzes. Vor allem der langjährige Kreisheimatpfleger Wilhelm Brepohl war es, der in den Mühlen ein besonderes landschaftliches und baugeschichtliches Charakteristikum des neuen Kreises Minden-Lübbecke erblickte. Bereits 1976 begann der Kreis zusammen mit den betroffenen Gemeinden, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und engagierten Heimatpflegern das Mühlenerhaltungsprogramm. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem "Weserprogramm" und erheblichen Spendenmitteln wurden die denkmalwertesten Mühlen nach und nach fachgerecht instand gesetzt. 1978 wurden bereits 32 Baudenkmäler durch eine rund 250 Kilometer lange „Mühlenstraße“ touristisch miteinander verknüpft. Kern der damaligen Fremdenverkehrswerbung war bereits eine Karte der "Westfälischen Mühlenstraße", die mit regelmäßigen Überarbeitungen bis heute zum Einsatz kommt.
Noch am Ende des Jahres, zum 11. Dezember 1978, wurde auf Initiative von Wilhelm Brepohl und dem damaligem Oberkreisdirektor Dr. Rolf Momburg der Mühlenverein im Kreis Minden-Lübbecke e.V. gegründet, der das Projekt „Mühlenkreis“ weiter voranbrachte und die Arbeit der einzelnen Mühlengruppen vor Ort koordinierte. Die Geschäftsführung liegt seit je bei Mitarbeitern der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke. Vorsitzender des Vereins ist seit dem Ende der Amtszeit des Gründungsvaters Wilhelm Brepohls (1978-1987) der jeweilige Verwaltungschef des Kreises, zunächst die Oberkreisdirektoren Dr. Rolf Momburg (1987-1995) und Dr. Alfred Giere (1995-1999) und schließlich die Landräte Heinrich Borcherding (1999-2000), Wilhelm Krömer (2000-2013) und seit 2013 Dr. Ralf Niermann. Heute hat der Verein fast 1.000 Mitglieder, die zum großen Teil ehrenamtlich an den Mühlen tätig sind.
Ende 1979 wurde erstmals ein Autoaufkleber mit „der Mühle“ als neuem Markenzeichen des Kreises Minden-Lübbecke herausgebracht. In immer neuer Formanpassung ist das Logo bis heute Teil der Fremdenverkehrswerbung und des öffentlichen Auftretens des Kreises Minden-Lübbecke geworden.
Um 1980 war der „Mühlenkreis“ bereits ein fester Begriff in der deutschen Touristiklandschaft und auch die auswärtige Presse registrierte das heraus stechende Merkmal des Kreises Minden-Lübbecke und das besondere Engagement seiner Bürger. Schlagzeilen dieser Jahre lauteten zum Beispiel „Moderne Welt entdeckt Mühlen neu“ oder „Mühlenromantik zu neuem Leben erweckt“. 1980 trat der Kreis Minden-Lübbecke mit Fremdenverkehrsreferent Werner Hundt erstmals auf der Grünen Woche in Berlin mit dem neuen Etikett des Mühlenkreises auf. Der bisher gebräuchliche, aber weniger aussagekräftige Slogan von der „grünen Krone Westfalens“ war damit endgültig abgelöst.
Das Angebot der Mühlenstraße wurde in den 1980er Jahren immer weiter ausgebaut. Am 13. Juli 1986 gab es erstmals einen Kreismühlentag - einen zentralen Tag der offenen Tür, an dem sämtliche Mühlen geöffnet wurden und besichtigt werden konnten. Heute findet der Kreismühlentag jährlich am letzten Augustsonntag statt. Aktuell öffnen 26 Mühlen außerdem regelmäßig für die sehr beliebten Mahl- und Backtage, so dass es in jeder Saison wohl an die 200 Gelegenheiten gibt, die Mühlen "in Aktion" zu erleben.
Für die Erhaltungsmaßnahmen konnte der Mühlenverein 1987 den Mühlenbauhof in Petershagen-Frille eröffnen. Von einem umgebauten Bauernhaus aus wird die Wartung und Betreuung der einzelnen Mühlen im Kreisgebiet gesteuert. Materialien für die Restaurierungen werden hier eingelagert und die freiwilligen Helfer aus dem ganzen Kreisgebiet geschult. Der Mühlenbauhof ist zudem Veranstaltungstreffpunkt und Standort des Mühlen-Infozentrums, das seit seiner Eröffnung in 2007 Mühlentechnik und die Entwicklung des Mühlenwesens mit einer interaktiven Ausstellung und Funktionsmodellen jugendlichen und erwachsenen Mühlenfans nahe bringt.
Ein Zeichen für die besondere Stellung des „Mühlenkreises“ war die Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde“, die am 24. Oktober 1987 in Minden stattfand. Die Geschäftsstelle wurde ebenfalls im Mühlenbauhof in Frille untergebracht; der Mühlenverein im Kreis Minden-Lübbecke e.V. hat in der DGM die Stellung eines Landesverbandes inne. Seit 1994 gibt es auf Initiative der DGM alljährlich den "Deutschen Mühlentag" am Pfingstmontag. Auch zu diesem Anlass sind alle Mühlen im Mühlenkreis geöffnet.
Seit 2005 ist die Mühle als „Regionales Symbol“ in allen Kommunen des Kreises vertreten. Das von der Interessengemeinschaft Standortförderung IGS ausgelobte und vom Lübbecker Rainer Ern geschaffene Kunstwerk wird laufend auf öffentlichen Plätzen, vor Behördenhäusern und Unternehmen im Kreisgebiet aufgestellt.
Der Kreis Minden-Lübbecke zusammen mit dem Mühlenverein und seinen vielen Mitgliedern und Unterstützern hat in fast 40 Jahren damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Denkmalschutz geliefert, sondern sich selbst ein verbindendes Element, eine eigene, unverwechselbare Identität geschaffen.
von Benjamin Husemann und Birgit Ahrens
Der „Mühlenkreis“ ist heute ein feststehender Begriff. Er ist zum Synonym für den 1973 gegründeten Kreis Minden-Lübbecke geworden. Die Mühle ist das allseits bekannte Symbol dieser Landschaft. Sie weckt Emotionen und Erinnerungen und verbindet die Menschen unter einem gemeinsamen Zeichen. Die Idee des „Mühlenkreises“ ist damit eine Erfolgstory und hat die Erwartungen und Hoffnungen aus den Anfangsjahren vollkommen erfüllt.
Die Wurzeln des „Mühlenkreises“ liegen in den 1970er Jahren, zunächst als Anliegen des Denkmalschutzes. Vor allem der langjährige Kreisheimatpfleger Wilhelm Brepohl war es, der in den Mühlen ein besonderes landschaftliches und baugeschichtliches Charakteristikum des neuen Kreises Minden-Lübbecke erblickte. Bereits 1976 begann der Kreis zusammen mit den betroffenen Gemeinden, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und engagierten Heimatpflegern das Mühlenerhaltungsprogramm. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem "Weserprogramm" und erheblichen Spendenmitteln wurden die denkmalwertesten Mühlen nach und nach fachgerecht instand gesetzt. 1978 wurden bereits 32 Baudenkmäler durch eine rund 250 Kilometer lange „Mühlenstraße“ touristisch miteinander verknüpft. Kern der damaligen Fremdenverkehrswerbung war bereits eine Karte der "Westfälischen Mühlenstraße", die mit regelmäßigen Überarbeitungen bis heute zum Einsatz kommt.
Noch am Ende des Jahres, zum 11. Dezember 1978, wurde auf Initiative von Wilhelm Brepohl und dem damaligem Oberkreisdirektor Dr. Rolf Momburg der Mühlenverein im Kreis Minden-Lübbecke e.V. gegründet, der das Projekt „Mühlenkreis“ weiter voranbrachte und die Arbeit der einzelnen Mühlengruppen vor Ort koordinierte. Die Geschäftsführung liegt seit je bei Mitarbeitern der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke. Vorsitzender des Vereins ist seit dem Ende der Amtszeit des Gründungsvaters Wilhelm Brepohls (1978-1987) der jeweilige Verwaltungschef des Kreises, zunächst die Oberkreisdirektoren Dr. Rolf Momburg (1987-1995) und Dr. Alfred Giere (1995-1999) und schließlich die Landräte Heinrich Borcherding (1999-2000), Wilhelm Krömer (2000-2013) und seit 2013 Dr. Ralf Niermann. Heute hat der Verein fast 1.000 Mitglieder, die zum großen Teil ehrenamtlich an den Mühlen tätig sind.
Ende 1979 wurde erstmals ein Autoaufkleber mit „der Mühle“ als neuem Markenzeichen des Kreises Minden-Lübbecke herausgebracht. In immer neuer Formanpassung ist das Logo bis heute Teil der Fremdenverkehrswerbung und des öffentlichen Auftretens des Kreises Minden-Lübbecke geworden.
Um 1980 war der „Mühlenkreis“ bereits ein fester Begriff in der deutschen Touristiklandschaft und auch die auswärtige Presse registrierte das heraus stechende Merkmal des Kreises Minden-Lübbecke und das besondere Engagement seiner Bürger. Schlagzeilen dieser Jahre lauteten zum Beispiel „Moderne Welt entdeckt Mühlen neu“ oder „Mühlenromantik zu neuem Leben erweckt“. 1980 trat der Kreis Minden-Lübbecke mit Fremdenverkehrsreferent Werner Hundt erstmals auf der Grünen Woche in Berlin mit dem neuen Etikett des Mühlenkreises auf. Der bisher gebräuchliche, aber weniger aussagekräftige Slogan von der „grünen Krone Westfalens“ war damit endgültig abgelöst.
Das Angebot der Mühlenstraße wurde in den 1980er Jahren immer weiter ausgebaut. Am 13. Juli 1986 gab es erstmals einen Kreismühlentag - einen zentralen Tag der offenen Tür, an dem sämtliche Mühlen geöffnet wurden und besichtigt werden konnten. Heute findet der Kreismühlentag jährlich am letzten Augustsonntag statt. Aktuell öffnen 26 Mühlen außerdem regelmäßig für die sehr beliebten Mahl- und Backtage, so dass es in jeder Saison wohl an die 200 Gelegenheiten gibt, die Mühlen "in Aktion" zu erleben.
Für die Erhaltungsmaßnahmen konnte der Mühlenverein 1987 den Mühlenbauhof in Petershagen-Frille eröffnen. Von einem umgebauten Bauernhaus aus wird die Wartung und Betreuung der einzelnen Mühlen im Kreisgebiet gesteuert. Materialien für die Restaurierungen werden hier eingelagert und die freiwilligen Helfer aus dem ganzen Kreisgebiet geschult. Der Mühlenbauhof ist zudem Veranstaltungstreffpunkt und Standort des Mühlen-Infozentrums, das seit seiner Eröffnung in 2007 Mühlentechnik und die Entwicklung des Mühlenwesens mit einer interaktiven Ausstellung und Funktionsmodellen jugendlichen und erwachsenen Mühlenfans nahe bringt.
Ein Zeichen für die besondere Stellung des „Mühlenkreises“ war die Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde“, die am 24. Oktober 1987 in Minden stattfand. Die Geschäftsstelle wurde ebenfalls im Mühlenbauhof in Frille untergebracht; der Mühlenverein im Kreis Minden-Lübbecke e.V. hat in der DGM die Stellung eines Landesverbandes inne. Seit 1994 gibt es auf Initiative der DGM alljährlich den "Deutschen Mühlentag" am Pfingstmontag. Auch zu diesem Anlass sind alle Mühlen im Mühlenkreis geöffnet.
Seit 2005 ist die Mühle als „Regionales Symbol“ in allen Kommunen des Kreises vertreten. Das von der Interessengemeinschaft Standortförderung IGS ausgelobte und vom Lübbecker Rainer Ern geschaffene Kunstwerk wird laufend auf öffentlichen Plätzen, vor Behördenhäusern und Unternehmen im Kreisgebiet aufgestellt.
Der Kreis Minden-Lübbecke zusammen mit dem Mühlenverein und seinen vielen Mitgliedern und Unterstützern hat in fast 40 Jahren damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Denkmalschutz geliefert, sondern sich selbst ein verbindendes Element, eine eigene, unverwechselbare Identität geschaffen.