Stolpern wie James? - Jugendliche der »Juxbude« nahmen »Dinner for one«-Sketsch kritisch unter die Lupe Thema »Alkohol« im Rahmen der Suchtaktionswochen szenisch aufgearbeitet
Heiter ging es auch beim gleichnamigen Workshop zu, den der Mindener Jugendtreff „Juxbude“ am Wochenende an drei Tagen veranstaltete. Im Mittelpunkt auch hier: Miss Sophie und ihr Butler James, der immer wieder in die Rolle von Miss Sophies vier verstorbenen Freunden schlüpfen und statt ihrer auf das Wohl der alten schrulligen Lady anstoßen musste.
Nicht zur reinen Belustigung, sondern um auf die Gefahren, die der Konsum von Alkohol in sich birgt, aufzuzeigen, nutzte das Team um Kristin Steinmeyer und Cristin Kehl den beliebten Sketch aus den 60er Jahren. Im Laufe des dreitägigen Workshops im Rahmen der Suchtaktionswochen des Kreises Minden-Lübbecke unter Schirmherrschaft von Landrat Dr. Ralf Niermann setzten sich am Wochenende sechs Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren über die Rolle des James mit der Wirkweise von Alkohol auseinander.
„Warum schwankt James lallend mit glasigem Blick durch den Raum und stolpert permanent über den Tigerkopf?“ Dieser Frage gingen Annalena, Hakan, Julia, Nadine, Maria und Izabella detailliert nach, als es darum ging, darstellerisch in die Rolle des James zu schlüpfen. Wie beeinflusst Alkohol als Nervengift den eigenen Körper? Schwanken, Taumeln und Bewusstseinsvernebelung bis hin zur Bewusstlosigkeit sind die Folge. Der Konsum und das wiederkehrende Verlangen nach promillehaltigen Getränken als Stimmungsmacher, Tröster und Retter wurden besprochen.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Sucht“ und der legalen und gesellschaftlich anerkannten Volksdroge „Alkohol“ war ebenso vielschichtig wie mögliche Wege in eine „Suchtkarriere“.
Doch anstelle einer trockenen Aufarbeitung des Themas näherten sich die Heranwachsenden diesem kreativ - mit einer eigenen Verfilmung des Sketches. Dazu hatten die Organisatoren mit Joshua Behrens und Eike Albers zwei Profis ins Boot geholt, die am zweiten Tag mit den Jugendlichen sämtliche Szenen nachspielten und Einstellungen filmten. Auch Juxbude-Praktikant Steffen Gronow ging unterstützend zur Hand. Das Drehbuch wurde „um moderne Komponenten“ bereichert. So füllten die Teens die verstorbenen Freunde von „Miss Sophie“ kurzerhand mit ihren Idolen der Popwelt auf und hatten so die Möglichkeit, diese in ihrem Wesen zu imitieren. Fast profihaft zeigten sich die jungen Darsteller bei den Dreharbeiten und setzten sich nicht nur kreativ mit der Thematik, sondern auch mit den digitalen Medien auseinander. Dass ihnen das Projekt Spaß machte, war an der Spielfreude unschwer erkennbar. „Es macht Laune und ist nicht einfach, in nüchternem Zustand wie James durch die Gegend zu stolpern“, weiß Izabella, die diese Paraderolle begeistert übernahm. Wabbelige Gummihühner auf dem Servierteller sorgten ebenso für Heiterkeit wie unvorhersehbare Wasserpfützen – denn wer „betrunken“ wie Butler James durch die Gegend taumelt, ist beim Einschenken in Gläser alles andere als zielsicher. Zum Abschluss des Drehtages durften sich alle Teilnehmenden in der Rolle des stolpernden betrunkenen Butlers versuchen.
„Die Jugendlichen haben sich super und konzentriert engagiert“, sprach Cristin Kehl ein dickes Lob aus. Nachdem am letzten Projekttag gemeinsam die Szenen zu einem Film zusammen geschnitten wurden, wird dieser am kommenden Freitagabend (29. April) präsentiert. Auch Einladungskarten haben die jungen Leute für die Filmpremiere gebastelt. Sie sind stolz auf ihre Arbeit, daher ist ein bisschen Publikum als Belohnung für die beeindruckende Leistung gerne erwünscht.
Text und Bild: Anja Schubert
Bild: Setzten sich im Workshop „Dinner for One“ kritisch und kreativ mit dem Thema Alkohol auseinander: vl. Nadine, Maria, Julia, Izabella, Hakan und Annalena beim Filmdreh. Unterstützt wurden sie von Eike Albers, Joshua Behrens, Steffen Gronow und Erzieherin Cristin Kehl.