Stemweder Festivalsaison: Rück- und Ausblick
Mit dem Abschluss des Open Air-Festivals in Haldem ist auch der diesjährige Festivalsommer in Stemwede beendet. Zeit für die Gemeindeverwaltung einmal zurück und auch nach vorne zu schauen. Schließlich steht die Behörde mit Blick auf die Festivals auch immer wieder in der Kritik – so auch in diesem Jahr. Weil Sicherheitsauflagen nicht erfüllt waren, gab es sowohl beim Wonderland-Festival in Wehdem, als auch beim Stemweder Open-Air in Haldem leichte Startschwierigkeiten. Doch die Gemeinde muss sich auch nicht jeden Schuh anziehen, betont Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat.
Dass es für Veranstalter durch die Loveparade-Katastrophe und die daraus resultierenden immensen Sicherheitsauflagen nicht leichter geworden ist, weiß auch der Stemweder Verwaltungschef. „Ich habe wirklich großen Respekt vor allen, die solche Großveranstaltungen organisieren und auf die Beine stellen. Sei es aus gewerblichem Interesse, wie in Wehdem, oder aber aus ehrenamtlichem Antrieb, wie es der JFK mit seinen hunderten, freiwilligen Helferinnen und Helfern seit Jahrzehnten beim Open Air vorbildlich stemmt“, so Kai Abruszat.
Auch für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung seien diese Veranstaltungen mit sehr viel Arbeit und Aufwand verbunden. Schade sei, dass immer wieder der Eindruck entstehe, die Gemeinde wolle diese Großveranstaltungen mit Auflagen verhindern oder die Durchführung bürokratisch behindern.
„Die Gemeindeverwaltung ist in der Regel nicht diejenige, die die Auflagen bestimmt, sondern die, die dafür Sorge tragen muss, dass Veranstalter Bestimmungen und Absprachen einhalten“, so der Bürgermeister. „Wenn sich die Kreispolizeibehörde beispielsweise dafür ausspricht, dass speziell ausgebildetes Sicherheitspersonal in einer gewissen Anzahl vorhanden sein muss, dann ist es doch alles andere als angebracht, sich als Behörde bzw. als Bürgermeister darüber hinwegzusetzen.“ Vielmehr ginge es dann darum, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und ggf. Kompromisse zu finden, so wie es beim Stemweder Open Air zuletzt der Fall war. Dort sah das vorher ausgearbeitete Sicherheitskonzept eine Mindestanzahl an ausgewiesenen Securitymitarbeitern vor, die der Dienstleister zunächst nicht bereitstellen konnte.
„Ziel ist es, den vielen tausenden Besucherinnen und Besuchern, die jedes Jahr für die Festivals nach Stemwede kommen, nicht nur einen guten Aufenthalt zu bescheren, sondern auch einen sicheren. Und das im Einklang mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Natur und Umwelt“, erklärt Abruszat, speziell auch mit Blick auf das Hai-Festival sowie das Wonderland-Open Air im Stemweder Berg in Wehdem. „Die Kulisse ist zweifelsohne einzigartig, doch es handelt sich nicht um ein ausgewiesenes Veranstaltungsgelände, sondern um ein Landschaftsschutzgebiet und ein sehr sensibles Ökosystem. Deshalb ist auch die Umweltbehörde des Kreises diejenige, die den Veranstaltungstakt vorgibt und nicht die Gemeinde Stemwede“, so der Verwaltungschef. „Wenn der Kreis Minden-Lübbecke sagt, dass häufiger im Wald Veranstaltungen stattfinden dürften, dann werde ich mich als Stemwedes Bürgermeister kaum dagegenstellen. Allerdings genehmigen Umweltbehörde oder auch das Bauamt des Kreises aus nachvollziehbaren Gründen bisher nur vier Außenveranstaltungen pro Jahr am Waldfrieden.“
Kein Verständnis hat Stemwedes Verwaltungschef, wenn die Gemeinde in der Öffentlichkeit als Spielverderber dargestellt wird, weil offenes Feuer auf dem Festivalgelände im Stemweder Berg verboten ist. „Dass es ein Gebot der Stunde ist und von gesundem Menschenverstand zeugt, auf solche Gefahrenstellen von vorneherein zu verzichten, haben im vergangenen Sommer die Feuer im Stemweder Berg gezeigt, die nur wegen des sofortigen und beherzten Eingreifens der Stemweder Feuerwehr keine größeren Auswirkungen hatten“, erinnert der Bürgermeister. „Ein Feuer im oder am Wald, zwischen hunderten Nylonzelten und Wohnmobilen, will sich wohl niemand ausmalen. Mein Dank gilt daher auch allen freiwilligen Kräften der Feuerwehr, die alljährlich, Tag und Nacht Brandschutzwache auf unseren Festivals halten und so dafür Sorge tragen, dass alle sicher feiern und auch campen können.“
Nicht zu unterschätzen sei auch, dass es zeitlich an unterschiedlichen Stellen zu besonderen Gefahren- und Schadenslagen kommen könne. Am vergangenen Wochenende habe, so Abruszat weiter, unsere Feuerwehr nicht nur das Festival absichern, sondern auch noch einen schweren Wohnungsbrand in Wehdem bekämpfen müssen. „Es gehört zu meiner Amtspflicht, bei jeder Genehmigung eines Festivals die Umstände des Einzelfalls und den Gesamtzusammenhang möglicher Schadenslagen im Blick zu haben.“
Mit Blick auf die nächste Festivalsaison wünscht sich Kai Abruszat eine rechtzeitige und gemeinsame Vorbereitung. „Es geht nur Hand in Hand und die Veranstaltungen in diesem Jahr haben allen gezeigt, wo beim nächsten Mal noch besser hingeschaut werden muss.“