Pflegekindern ein Zuhause geben
Pflegepersonen und -familien müssen sich beim Pflegekinderdienst des Jugendamts qualifi-zieren
„Pflegekinder sind immer Kinder mit einer Vorgeschichte“, weiß Rainer Schmitt vom Pflegekinderdienst des Jugendamts der Stadt Minden. Ein Pflegekind dauerhaft aufzunehmen, ist deshalb eine schöne, aber auch verantwortungsvolle Aufgabe. Sie erfordert Sensibilität, Einfüh-lungsvermögen und noch so viel mehr. Der Pflegekinderdienst vermittelt Pflegekinder in Familien. Gemeinsam mit drei Kolleginnen bereitet Schmitt Pflegepersonen in Spe auf die Anforderungen vor, die die Verantwortung für ein Pflegekind an sie stellt.
Nicht nur Familien und Ehepaare, auch Einzelpersonen oder Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft kommen als Pflegepersonen infrage – vorausgesetzt sie lassen sich entsprechend qualifizieren. „Wer sich vorstellen kann, ein Pflegekind aufzunehmen, kann sich bei uns erst einmal informieren“, erklärt Schmitt das Bewerbungs- und Qualifizierungsverfahren. „Bei einem ersten Beratungsgespräch machen wir uns einen Eindruck von der persönlichen Situation der Interessenten.“ Auch die Anforderungen an eine Pflegeperson sowie das weitere Verfahren wer-den erläutert: „Uns ist wichtig, dass die Familien und Paare sich der Aufgabe ganz bewusst stellen.“
Wer sich für die Bewerbung als Pflegeperson entscheidet, muss zunächst die erforderlichen Unterlagen – formloser Antrag, Bewerberfotos, Geburtsurkunden, polizeiliche Führungszeugnisse etc. – erbringen. Anhand dieser Belege sowie durch persönliche Gespräche und Hausbesuche stellen Schmitt und seine Kolleginnen die grundsätzliche Eignung der Bewerber fest. Ausschlusskriterien können u.a. die Einkommens- und Wohnverhältnisse oder der Gesundheitszustand der Bewerber sein.
„Geeignete Bewerber werden gezielt vorbereitet“, so Schmitt. „Zum einen durch Gespräche mit dem Pflegekinderdienst, zum anderen innerhalb von Seminaren.“ Was bedeutet die Aufnahme eines Pflegekinds für meine Familie? Wie kann ein Kind mit zwei Familien leben? Wie können Kinder ihre Trennungserfahrungen verarbeiten und sichere Bindungserfahrungen sammeln? – das sind Fragen, mit denen sich innerhalb der Fortbildungen beschäftigt wird. „Die Seminare bieten außerdem Gelegenheit, Kontakte zu anderen Pflegepersonen zu knüpfen und sich auszutauschen“, betont Schmitt. Die gemeinsame Aufgabe verbindet offenbar – oft ergäben sich zwischen den Familien jahrelange Freundschaften.
Der Qualifizierungsprozess nimmt rund neun bis zwölf Monate in Anspruch. „Annähernd wie eine Schwangerschaft“, vergleicht Schmitt. Die qualifizierten und für ihre Verantwortung sensibilisierten Bewerber werden nun bei der Vermittlung von Pflegekindern berücksichtigt. Die Interessen des jewei-ligen Kindes geben dabei den Ausschlag. Schmitt: „Wir suchen ein passendes Umfeld für das indivi-duelle Kind – nicht umgekehrt.“ In Absprache mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst werden für ein in Dauerpflege zu vermittelndes Kind Pflegepersonen ausgewählt. Anhand anonymisierter Angaben zum Kind sollen sie einschätzen, ob sie sich die Inpflegenahme vorstellen können. „Sollten die Pfle-gepersonen unsicher sein, wünschen wir ausdrücklich, dass sie uns dies zurückmelden“, erklärt Schmitt. „Viele Bewerber fürchten, in weiteren Verfahren nicht mehr berücksichtigt zu werden, sollten sie sich gegen eine Inpflegenahme entscheiden.“ Dem sei aber nicht so: „Es geht ja gerade darum, für die Kinder ein Umfeld zu finden, in dem sie tragfähige Bindungen aufbauen können. Da spielt nicht zuletzt das gute Bauchgefühl eine wichtige Rolle – und zwar auf beiden Seiten.“ Ob die Chemie wirk-lich stimmt, soll ein begleiteter Erstkontakt, gefolgt von mehreren Treffen von Pflegekind und -familie, zeigen. Können sich beide Parteien ein Zusammenleben vorstellen, geht das Kind in den neuen Haushalt über.
Auch der weitere Prozess – das allmähliche Einleben, das Aneinander-Gewöhnen und -Binden – be-gleiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamts beratend. „Aus meiner beruflichen und persönlichen Erfahrung kann ich aber sagen: Diejenigen, die den Mut und aufrichtiges Interesse auf-bringen, die Verantwortung für ein Pflegekind zu übernehmen, erleben dies als sehr positiv“, sagt Schmitt. Paare und Einzelpersonen, die mit dem Gedanken spielen, ein Kind dauerhaft in Pflege zu nehmen, ermuntert er daher, auf den Pflegekinderdienst zuzukommen. Ein Bedarf an qualifizierten Pflegepersonen bestehe ständig.
Hintergrundinformationen
Pflegekindervermittlung des Jugendamts
Der Pflegekinderdienst vermittelt Kinder, die auf Dauer nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie leben können, in Pflegefamilien. Nach erfolgreicher Vermittlung begleitet der Pflegekinderdienst die Pflegefamilien weiterhin.
Um den betroffenen Kindern ein sicheres, neues Zuhause bieten zu können, geht der eigentlichen Vermittlungs-tätigkeit ein Bewerbungs- und Qualifizierungsverfahren voraus. In diesem Verfahren geht es darum, für das zu vermittelnde Kind stabile Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehören neben dem Erfordernis von Führungs- und Gesundheitszeugnissen auch Hausbesuche und Vorbereitungsseminare.
Ehepaare oder in eheähnlicher Gemeinschaft lebende Personen können ebenso Pflegeeltern werden, wie auch Alleinstehende. Die Betreuung eines Pflegeverhältnisses beinhaltet regelmäßige Hilfeplangespräche, in denen mit allen Beteiligten über die aktuelle und weitere Entwicklung des Kindes gesprochen wird.
Es gibt viele ehemalige Pflegekinder, die ihre Zeit in der Familie als für ihre Entwicklung wichtig und förderlich ansehen und für die die Erhaltung dieser gewachsenen Beziehungen wichtig sind und bleiben.
Zahlen aus dem Kreisgebiet:
Bad Oeynhausen: 34 Pflegefamilien, 51 Pflegekinder
Minden: 93 Pflegeeltern, 119 Pflegekinder
Porta Westfalica: 56 Pflegefamilien, 70 Pflegekinder
Jugendamt Kreis Minden-Lübbecke (Lübbecke, Stemwede, Rahden, Espelkamp, Petershagen, Hille, Pr. Oldendorf, Hüllhorst): 136 Pflegekinder unter 18 Jahren, 19 Pflegekinder über 18 Jahren, 115 Pflegefamilien
Bildzeile: Fester Halt für kleine Hände: Damit sie ihrer Aufgabe gewachsen sind, werden Pflegeel-tern von dem Pflegekinderdienst des Jugendamts beraten und innerhalb von Seminaren vorbereitet.
Foto: Jugendamt – Alle Rechte frei.
„Pflegekinder sind immer Kinder mit einer Vorgeschichte“, weiß Rainer Schmitt vom Pflegekinderdienst des Jugendamts der Stadt Minden. Ein Pflegekind dauerhaft aufzunehmen, ist deshalb eine schöne, aber auch verantwortungsvolle Aufgabe. Sie erfordert Sensibilität, Einfüh-lungsvermögen und noch so viel mehr. Der Pflegekinderdienst vermittelt Pflegekinder in Familien. Gemeinsam mit drei Kolleginnen bereitet Schmitt Pflegepersonen in Spe auf die Anforderungen vor, die die Verantwortung für ein Pflegekind an sie stellt.
Nicht nur Familien und Ehepaare, auch Einzelpersonen oder Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft kommen als Pflegepersonen infrage – vorausgesetzt sie lassen sich entsprechend qualifizieren. „Wer sich vorstellen kann, ein Pflegekind aufzunehmen, kann sich bei uns erst einmal informieren“, erklärt Schmitt das Bewerbungs- und Qualifizierungsverfahren. „Bei einem ersten Beratungsgespräch machen wir uns einen Eindruck von der persönlichen Situation der Interessenten.“ Auch die Anforderungen an eine Pflegeperson sowie das weitere Verfahren wer-den erläutert: „Uns ist wichtig, dass die Familien und Paare sich der Aufgabe ganz bewusst stellen.“
Wer sich für die Bewerbung als Pflegeperson entscheidet, muss zunächst die erforderlichen Unterlagen – formloser Antrag, Bewerberfotos, Geburtsurkunden, polizeiliche Führungszeugnisse etc. – erbringen. Anhand dieser Belege sowie durch persönliche Gespräche und Hausbesuche stellen Schmitt und seine Kolleginnen die grundsätzliche Eignung der Bewerber fest. Ausschlusskriterien können u.a. die Einkommens- und Wohnverhältnisse oder der Gesundheitszustand der Bewerber sein.
„Geeignete Bewerber werden gezielt vorbereitet“, so Schmitt. „Zum einen durch Gespräche mit dem Pflegekinderdienst, zum anderen innerhalb von Seminaren.“ Was bedeutet die Aufnahme eines Pflegekinds für meine Familie? Wie kann ein Kind mit zwei Familien leben? Wie können Kinder ihre Trennungserfahrungen verarbeiten und sichere Bindungserfahrungen sammeln? – das sind Fragen, mit denen sich innerhalb der Fortbildungen beschäftigt wird. „Die Seminare bieten außerdem Gelegenheit, Kontakte zu anderen Pflegepersonen zu knüpfen und sich auszutauschen“, betont Schmitt. Die gemeinsame Aufgabe verbindet offenbar – oft ergäben sich zwischen den Familien jahrelange Freundschaften.
Der Qualifizierungsprozess nimmt rund neun bis zwölf Monate in Anspruch. „Annähernd wie eine Schwangerschaft“, vergleicht Schmitt. Die qualifizierten und für ihre Verantwortung sensibilisierten Bewerber werden nun bei der Vermittlung von Pflegekindern berücksichtigt. Die Interessen des jewei-ligen Kindes geben dabei den Ausschlag. Schmitt: „Wir suchen ein passendes Umfeld für das indivi-duelle Kind – nicht umgekehrt.“ In Absprache mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst werden für ein in Dauerpflege zu vermittelndes Kind Pflegepersonen ausgewählt. Anhand anonymisierter Angaben zum Kind sollen sie einschätzen, ob sie sich die Inpflegenahme vorstellen können. „Sollten die Pfle-gepersonen unsicher sein, wünschen wir ausdrücklich, dass sie uns dies zurückmelden“, erklärt Schmitt. „Viele Bewerber fürchten, in weiteren Verfahren nicht mehr berücksichtigt zu werden, sollten sie sich gegen eine Inpflegenahme entscheiden.“ Dem sei aber nicht so: „Es geht ja gerade darum, für die Kinder ein Umfeld zu finden, in dem sie tragfähige Bindungen aufbauen können. Da spielt nicht zuletzt das gute Bauchgefühl eine wichtige Rolle – und zwar auf beiden Seiten.“ Ob die Chemie wirk-lich stimmt, soll ein begleiteter Erstkontakt, gefolgt von mehreren Treffen von Pflegekind und -familie, zeigen. Können sich beide Parteien ein Zusammenleben vorstellen, geht das Kind in den neuen Haushalt über.
Auch der weitere Prozess – das allmähliche Einleben, das Aneinander-Gewöhnen und -Binden – be-gleiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamts beratend. „Aus meiner beruflichen und persönlichen Erfahrung kann ich aber sagen: Diejenigen, die den Mut und aufrichtiges Interesse auf-bringen, die Verantwortung für ein Pflegekind zu übernehmen, erleben dies als sehr positiv“, sagt Schmitt. Paare und Einzelpersonen, die mit dem Gedanken spielen, ein Kind dauerhaft in Pflege zu nehmen, ermuntert er daher, auf den Pflegekinderdienst zuzukommen. Ein Bedarf an qualifizierten Pflegepersonen bestehe ständig.
Hintergrundinformationen
Pflegekindervermittlung des Jugendamts
Der Pflegekinderdienst vermittelt Kinder, die auf Dauer nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie leben können, in Pflegefamilien. Nach erfolgreicher Vermittlung begleitet der Pflegekinderdienst die Pflegefamilien weiterhin.
Um den betroffenen Kindern ein sicheres, neues Zuhause bieten zu können, geht der eigentlichen Vermittlungs-tätigkeit ein Bewerbungs- und Qualifizierungsverfahren voraus. In diesem Verfahren geht es darum, für das zu vermittelnde Kind stabile Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehören neben dem Erfordernis von Führungs- und Gesundheitszeugnissen auch Hausbesuche und Vorbereitungsseminare.
Ehepaare oder in eheähnlicher Gemeinschaft lebende Personen können ebenso Pflegeeltern werden, wie auch Alleinstehende. Die Betreuung eines Pflegeverhältnisses beinhaltet regelmäßige Hilfeplangespräche, in denen mit allen Beteiligten über die aktuelle und weitere Entwicklung des Kindes gesprochen wird.
Es gibt viele ehemalige Pflegekinder, die ihre Zeit in der Familie als für ihre Entwicklung wichtig und förderlich ansehen und für die die Erhaltung dieser gewachsenen Beziehungen wichtig sind und bleiben.
Zahlen aus dem Kreisgebiet:
Bad Oeynhausen: 34 Pflegefamilien, 51 Pflegekinder
Minden: 93 Pflegeeltern, 119 Pflegekinder
Porta Westfalica: 56 Pflegefamilien, 70 Pflegekinder
Jugendamt Kreis Minden-Lübbecke (Lübbecke, Stemwede, Rahden, Espelkamp, Petershagen, Hille, Pr. Oldendorf, Hüllhorst): 136 Pflegekinder unter 18 Jahren, 19 Pflegekinder über 18 Jahren, 115 Pflegefamilien
Bildzeile: Fester Halt für kleine Hände: Damit sie ihrer Aufgabe gewachsen sind, werden Pflegeel-tern von dem Pflegekinderdienst des Jugendamts beraten und innerhalb von Seminaren vorbereitet.
Foto: Jugendamt – Alle Rechte frei.