Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen: Neutrale Beratung unentbehrlich
Kreis Minden-Lübbecke, 14.05.2008
Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen: Neutrale Beratung unentbehrlich
Immer mehr Anbieter konkurrieren um pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen. „Vor diesem Hintergrund ist eine umfassende und neutrale Beratung unentbehrlich“, betonte Kreis-Sozialdezernent Hans-Joerg Deichholz jetzt bei einer Tagung im Kreishaus. Vertreter von Pflegeberatungsstellen aus ganz Westfalen-Lippe waren dazu nach Minden gekommen. In der Veranstaltung wurde deutlich, dass eine qualitativ hochwertige Beratung angesichts des demografischen Wandels und des Wachsens der Pflegeangebote weiterhin erforderlich ist.
Das nordrhein-westfälische Landespflegegesetz verpflichtet in § 4 alle Kreise und Großstädte dazu, Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen eine neutrale Beratung anzubieten. Auf diesem Weg sollen alle Interessierten unabhängige und ausführliche Informationen über ambulante, teilstationäre, vollstationäre und komplementäre Hilfen bekommen können.
Solche Beratungsstellen gibt es inzwischen NRW-weit, wobei die Strukturen regional unterschiedlich sind. „Im Kreis Minden-Lübbecke wird diese Beratung in den drei Info-Zentren Pflege in Bad Oeynhausen, Espelkamp und Minden angeboten“, erläutert der für die Pflegeberatung zuständige Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange des Kreises, Klaus Marschall.
Kreis-Sozialdezernent Hans-Joerg Deichholz unterstrich vor den Tagungsteilnehmern die hohe Bedeutung, die die Beratung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen für alle anwesenden kommunalen Träger hat. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die steigende Zahl älterer Menschen und den anhaltenden Ausbau der Pflegeinfrastruktur. „Die Einführung des Wettbewerbsprinzips auf der Anbieterseite ist verknüpft mit einer Stärkung der Nachfrageseite. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sind heute Kunden, um die immer mehr Anbieter mit der Qualität und dem Preis ihres Angebotes konkurrieren“, so Deichholz.
Mit der zum 1. Juli in Kraft tretenden Reform der Pflegeversicherung befasste sich Jörg Müller, Referatsleiter Pflege der Vereinigten IKK in Münster. Neben Verbesserungen im Leistungsbereich sieht die Pflegereform ebenso infrastrukturelle Maßnahmen vor, wobei hier an erster Stelle Pflegeberatung und Pflegestützpunkte zu nennen sind. Die Pflegekassen sind gesetzlich verpflichtet, ab dem 1. Januar 2009 für ihre pflegebedürftigen Versicherten individuelle und unabhängige Pflegeberatung in Form eines Fallmanagements anzubieten. Unter Beteiligung der Kreise und kreisfreien Städte richten die Pflegekassen Pflegestützpunkte ein, wenn das jeweilige Bundesland dies bestimmt. Das NRW-Sozialministerium hat noch keine entsprechende Entscheidung getroffen.
Doris Pick vom Infozentrum Pflege Altkreis Lübbecke in Espelkamp stellte die Projekte „Älter werden in Deutschland“ und „Wenn die Eltern älter werden“ vor. Mit der Informationsreihe „Älter werden in Deutschland“ will das Info-Zentrum Pflege Altkreis Lübbecke ältere Menschen, die aus der Türkei stammen, über Angebote zu Altenhilfe und Pflege informieren.
„Im Rahmen der sehr gut angenommenen Informationsreihe wurde schnell deutlich, dass bislang nur sehr wenige Informationen zu den Themen „Hilfsangebote im Alter“ und „Pflege im Alter“ in dieser Bevölkerungsgruppe bekannt sind. Dementsprechend ist der Wunsch nach Aufklärung und Information zu vielen Bereichen der Altenhilfe sehr groß“, berichtete Doris Pick. Die Seminarreihe „Wenn die Eltern älter werden…“ soll insbesondere erwachsenen Kindern die Möglichkeit geben, sich mit dem Älterwerden der Eltern auseinander zu setzen.
Über die Aktivitäten im Kreis Minden-Lübbecke zum Thema „Häusliche Gewalt in der Pflege“ referierte Andrea Strulik, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises. Gleichstellungsstelle und Kreissozialamt haben dazu einen Arbeitskreis gebildet. Ausgangspunkt war das Projekt „Eröffnung von Hilfestrukturen für ältere Menschen als Opfer häuslicher Gewalt“ der Gleichstellungsstelle 2007.
„Hilfestrukturen im regionalen Bereich zu entwickeln und erkennbar zu machen, ist das zentrale Anliegen des gemeinsamen Arbeitskreises von Gleichstellungsstelle und Sozialamt, in dem Pflegeberatungsstellen neben ambulanten Pflegediensten, frauenunterstützenden Einrichtungen, den Pflegekassen, Betreuerinnen und Betreuern sowie der Polizei wichtige Kooperationspartner sind“, erläuterte Andrea Strulik.
Die nächste Sitzung der Pflegeberatungsstellen in Westfalen-Lippe findet im Frühjahr 2009 im Ennepe-Ruhr-Kreis statt.
Weitere Informationen bekommen Interessierte bei Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange des Kreises, Telefon 0571/807-2287, E-Mail k.marschall@minden-luebbecke.de.