Optionskommunen/Bericht des Landkreistages und der Bertelsmann-Stiftung
Minden-Lübbecke, 20.04.2007
Lernen von den besten Optionskommunen – Landkreistag und Bertelsmann Stiftung legen Benchmarking-Jahresbericht vor
Düsseldorf/Berlin, 18. April 2007 (zaf) – Der Dachverband des Landkreistags Nordrhein-Westfalen (LKT NRW), also der Deutsche Landkreistag (DLT), hat zusammen mit der Bertelsmann Stiftung den ersten Jahresbericht über das Benchmarking der bundesweit 69 Optionskommunen vorgelegt. DLT-Präsident Landrat Hans Jörg Duppré und LKT-Präsident Landrat Thomas Kubendorff (Kreis Steinfurt) lobten das maßgeblich vom LKT NRW initiierte Projekt als wichtige Plattform zum Austausch der besten Ideen und Konzepte zur Verbesserung der Betreuung und Integration von Langzeitarbeitslosen:
"Das Benchmarking dient dazu, Vorbilder ausfindig zu machen und einen Lern- und Optimierungsprozess zu befördern. Beispiele zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit aus den Optionskommunen verdeutlichen etwa, dass Kreativität und Ideenreichtum der Akteure vor Ort bereits eine Reihe guter Ansätze hervorgebracht haben. Gerade wenn es darum geht, jungen Menschen den Weg ins Erwerbsleben zu ebnen, sind neue Wege und frische Ideen wichtiger denn je."
Zur Erinnerung: Bundesweit betreuen 63 Kreise und sechs kreisfreie Städte (davon in Nordrhein-Westfalen acht Kreise und zwei Städte) Langzeitarbeitslose in Eigenregie, also ohne Zutun der Bundesagentur für Arbeit. Diese so genannten Optionskommunen sind im Rahmen einer gesetzlichen Experimentierklausel tätig und stehen mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einem Systemwettbewerb: In den übrigen 353 Kreisen und kreisfreien Städten arbeiten die örtlichen Arbeitsagenturen mit den Kommunen in Arbeitsgemeinschaften zusammen, um Hartz-IV-Empfänger wieder in Lohn und Brot zu bringen. Anders als bei den Arbeitsgemeinschaften ist bei den Optionskommunen der jeweilige Landrat oder Oberbürgermeister für die Umsetzung von Hartz IV vor Ort verantwortlich. In NRW handelt es sich um die Kreise Borken, Coesfeld, Düren, Kleve, Minden-Lübbecke und Steinfurt, den Ennepe-Ruhr- und den Hochsauerlandkreis sowie die kreisfreien Städte Hamm und Mülheim an der Ruhr.
Seit Anfang 2006 führt der DLT gemeinsam mit den 69 Optionskommunen und unterstützt durch die Bertelsmann Stiftung einen so genannten Kennzahlenvergleich zur Umsetzung der Arbeitsmarktreform Hartz IV durch. Das Projekt mit dem Titel "Benchmarking der Optionskommunen" ist darauf angelegt, erfolgreiche Beispiele ausfindig und im Sinne eines "Lernens vom Besten" anderen Kommunen zugänglich zu machen. "So entsteht ein kontinuierlicher Optimierungsprozess für die Aufgabenwahrnehmung vor Ort", so Duppré und Kubendorff, die mit der Arbeit der 69 Optionskommunen bislang überaus zufrieden sind.
Sie wiesen in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass das Projekt ausschließlich die 69 Optionskommunen betrachte. "Ein Vergleich mit den Arbeitsgemeinschaften ist aufgrund des gewählten Ansatzes nicht möglich und auch nicht beabsichtigt." Einer Gegenüberstellung von Optionskommunen und Arbeitsgemeinschaften diene allein der vom Bundesarbeitsministerium verantwortete Evaluationsprozess, der Ende 2008 erste Ergebnisse zu Vor- und Nachteilen der unterschiedlichen Trägermodelle liefern soll.
Das Benchmarking kann nach Überzeugung der Verbandspräsidenten zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit wertvolle Anregungen und Beispiele liefern. "Das als lernendes System ausgestaltete Projekt bietet eine exzellente Möglichkeit zur Selbstkontrolle, Aufdeckung erfolgreicher Modelle und Optimierung der eigenen Prozesse. Jede Optionskommune sieht, wo sie steht und noch Verbesserungsbedarf hat. Somit ist das Projekt eine Art trägerübergreifendes Qualitätsmanagement", so Duppré und Kubendorff.
Obwohl das Benchmarking noch nicht abgeschlossen sei, liefere es bereits jetzt gute Ansätze etwa zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. "So wurde beispielsweise im Kreis Steinfurt ein Konzept entwickelt, das es jungen Müttern ermöglicht, eine familienfreundliche Ausbildung in Teilzeit zu machen mit dem Ziel, sie dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren", erklärt Thomas Kubendorff. "Oder nehmen wir den Kreis Minden-Lübbecke: Dort entstanden besondere Qualifizierungsprojekte für handwerkliche Berufe. Die Erfolgsquote ist überwältigend. Und dies sind nur zwei von vielen guten Beispielen, die einen Eindruck davon vermitteln, wie vielfältig die Modelle und Konzepte vor Ort sind."
Erfolgsfaktoren sind in allen Fällen ein funktionierendes Netzwerk in der Region, in das insbesondere die kommunale Jugendhilfe einbezogen ist, eine intensive persönliche Betreuung und Begleitung der Jugendlichen zum Beispiel in Form von aufsuchender Sozialarbeit und ein längerfristiges, gestuftes und vielfältiges Maßnahmeangebot. In vielen Fällen setzen die Aktivitäten schon präventiv am Übergang von Schule zu Beruf ein und verhindern so Arbeitslosigkeit.
Bereits im ersten Projektjahr sei die Fülle der kommunalen Ansätze deutlich geworden, sagen Duppré und Kubendorff. "Das dezentrale Konzept der Option bietet den nötigen Raum für Ideen und für lokale und regionale Unterschiedlichkeit im Umgang mit der Langzeitarbeitslosigkeit. Gute Bedingungen also, um voneinander zu lernen."
Der Landkreistag Nordrhein-Westfalen (LKT NRW) ist der kommunale Spitzenverband der 31 Kreise des Landes NRW mit rund 10,7 von landesweit insgesamt 18 Millionen Einwohnern.
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