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Neue Anforderungen an bestehendes - Unterstützungssystem im Themenfeld der häuslichen Gewalt

Kreis Minden-Lübbecke, 09.06.2009


Jede vierte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt.  64% der Frauen erlitten dabei Verletzungen wie Prellungen und Hämatome, teilweise sogar Brüche und Würgemale, aber auch psychische Gewalt gehört häufig zum Alltag.

Bei den Männern ist ebenfalls jeder vierte Mann Opfer von aggressivem Verhalten durch seine Lebenspartnerin. Hier beläuft sich die Zahl der Verletzten auf ca. 5 % der Betroffenen. Während männliche Opfer häuslicher Gewalt diese eher als spontanes Konfliktverhalten erleben, leben Frauen häufig in einer Beziehung, die langfristig durch Kontrolle, Beherrschung und Gewalt gekennzeichnet ist. Diese unterschiedlichen Formen der Gewalt haben sehr unterschiedliche Auswirkungen und stellen in sofern unterschiedliche Anforderungen an das Unterstützungssystem.

Die Täter selbst sind hierbei den unterschiedlichen Gewalttypen zuzuordnen. Zum einen gibt es den „Familientäter“. Dieser ist kaum auffällig, nicht kriminell und übt Gewalt ausschließlich gegenüber Familienangehörigen aus. Der „Borderline-Täter“ ist eher delinquent auffällig, hat geringe kommunikative und soziale Fähigkeiten und eine positive Einstellung zu Gewalt. Als drittes gibt es den „antisoziale Täter“. Dieser ist häufig kriminell auffällig. Gewalt beschränkt sich bei ihm nicht allein auf Familienangehörige.

Diese und weitere Daten stellte Prof. Dr. Barbara Kavemann, Soziologin aus Berlin, während eines Vortrages - organisiert durch die PRIO-Vernetzung gegen häusliche Gewalt im Kreis Minden-Lübbecke (Prävention - Intervention - Opferschutz) in Zusammenarbeit mit den Frauenhäusern in Minden und Espelkamp sowie Wildwasser e.V. - vor. Zudem erhielten die 50 einheimischen Fachkräfte einen detaillierten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung mit vielen Anregungen für die Arbeit in der Praxis.

Gegenstand des Vortrages waren auch die verschiedenen Risikofaktoren, die zu schweren Gewaltformen innerhalb einer Beziehung führen können. Dieses ist beispielsweise häufig der Fall, wenn sich die Partner in einer schwierigen sozialen Lage befinden, wie z.B. Arbeitslosigkeit, aber auch geringe Bildung. Nicht zu unterschätzen sei der Faktor, wenn Frauen ein höheres Einkommen erzielen als ihr Partner.

Nicht alle Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, schätzen sich selber als beratungsbedürftig ein. Gerade jungen und selbstbewussten Frauen ist häufig eher mit Informationen gedient. Ältere Frauen, die in länger andauernden Ehen leben, sehen häufig Beratungsbedarf bei ihren Männern, der sich allerdings selten umsetzen lässt. Hinzukommen Betroffene, die große Orientierungsprobleme im Hilfesystem haben.

Foto: v. links: Gudrun Hüttemann (AWO-Frauenschutzzentrum), Andrea Strulik (Gleichstellungsbeauftragte Kreis Minden-Lübbecke), Prof. Dr. Barbara Kavemann (Referentin), Angela Gräper (Wildwasser e.v. Minden), Miriam Stock (Hexenhaus Espelkamp).

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