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Datum: 17.03.2010

Lesung mit Andreas Kläne: Eindringliches Portrait einer Mörderin

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so gespannt lauschten die Hörerinnen und Hörer der Lesung mit Andreas Kläne, der zur Veranstaltungsreihe "Frau und Gesundheit" von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Lübbecke eingeladen worden war.

Als der Cloppenburger Journalist Andreas Kläne zum ersten Mal Karin Krogmann (Name geändert) traf, dachte er, sie sei Gefängnispsychologin. Er war für eine Reportage in einem Frauengefängnis, das von einem Freund geleitet wurde. Karin Krogmann kam auf die beiden zu und bat den Gefängnisdirektor um einen Gesprächstermin. Nach Klänes Worten sah sie aus "wie eine anständige Akademikerin". "Arbeitet sie hier als Psychologin?", fragte der Journalist seinen Freund nach der Begegnung. Und erfuhr, dass die feine Dame wegen Mordes an ihrem Ehemann saß.

Kläne wurde neugierig und initiierte eine anderthalb Jahre dauernde Recherche, in der er Karin Krogmann sehr gut kennenlernen und zahlreiche Interviews mit ihr führen konnte. Das Besondere daran: Anderen Gesprächspartnern verweigerte sich die Frau, nur Kläne schenkte sie ihr volles Vertrauen. Neben den Gesprächen mit Krogmann recherchierte der Journalist im Umfeld und in der Vergangenheit der Mörderin und verfolgte den gesamten Gerichtsprozess.

Klischees und die Frage nach dem Warum

Andreas Kläne zeichnet in seinem 352 Seiten starken Buch ein tiefgängiges Portrait einer Mörderin, wie sie eben nicht im Buche steht. Sein Motiv dabei: "Ich wollte den Menschen offenbar werden lassen, wie sehr jeder von Klischeevorstellungen geprägt ist. Jeder von uns kann in eine Situation geraten, in der er zum Verbrecher wird." Die Spannung des Tatsachenberichtes wird so auch nicht durch den Mord an sich erzeugt, sondern durch die Frage: "Wie kann eine solche Frau jemanden umbringen?"

Das Nachwort zu "Totgeliebt" hat einer der bekanntesten deutschen Strafverteidiger, Rolf Bossi, geschrieben. Darin behandelt der Jurist die Frage, warum Frauen in Deutschland für Tötungsdelikte in aller Regel härter bestraft werden als Männer. Diese Frage beschäftigte dann auch noch die Hörerinnen und Hörer in der anschließenden Diskussionsrunde mit dem Autor.

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