Inhalt

Landrat besucht Ev. Allianz in Espelkamp

Kreis Minden-Lübbecke, 13. Oktober 2011


"Wasser statt Wodka" im Jugendcafé Real Life

Landrat besucht Ev. Allianz in Espelkamp

 
"Wir sind ein offenes Netzwerk für alle, die an Christus glauben," so beschreibt Wilfried Jotter, Pastor der Mennonitengemeinde Espelkamp, die Evangelische Allianz. In Espelkamp beteiligen sich zurzeit Vertreter von acht evangelischen Gemeinden aus dem freikirchlichen und dem landeskirchlichen Spektrum an diesem Netzwerk. Jetzt haben Vertreter der Allianz Landrat Dr. Ralf Niermann ihr Jugendcafé Real Life im Bahnhof in Espelkamp vorgestellt.

"Früher standen die Jugendlichen vor dem Bahnhof und haben Wodka getrunken," erzählt Jugendreferent Serdar Balkan. "Jetzt machen wir hier Kinoabende, kochen gemeinsam, spielen, diskutieren oder machen Sport." Balkan ist mit einer Teilzeitstelle der einzige hauptamtliche Mitarbeiter. Mit zahlreicher ehrenamtlicher Unterstützung hat er aus dem Real Life Café einen festen Anlaufpunkt für Jugendliche gemacht. "Sie kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen," so Balkan, "aber sie haben oft die gleichen Probleme und Fragen." Ins Real Life kommen deutsche Jugendliche ebenso wie Jugendliche mit türkischen, polnischen, russischen, spanischen, albanischen oder marokkanischen Wurzeln. Zuhause erleben sie oft eine Kultur, die noch stark durch ihr Herkunftsland geprägt ist. Hier leben sie zwischen zwei Welten.

"Wir suchen mit den Jugendlichen nach neuen Lösungswegen," so Balkan. "Dazu gibt es Wasser statt Wodka - und es funktioniert." Mittlerweile bringen einige der 16- bis 20-Jährigen schon ihre jüngeren Geschwister mit. Und manchmal freut sich auch einfach nur ein Vater, der dazu kommt, dass ihm endlich mal jemand zuhört. "Natürlich sprechen wir auch über Religion," erklärt Balkan. "Ich habe hier die Bibel liegen, aber auch den Koran. In Gesprächskreisen lesen wir gemeinsam und diskutieren."

Im Gespräch mit dem Landrat kommt die Frage auf, ob es bei so unterschiedlichen kulturellen Hintergründen schwierig sei, eine christlich geprägte Jugendarbeit zu machen. "Unsererseits gibt es da keine Berührungsängste," sagt Ewald Rottmann, Pastor der Adventgemeinde. "Wenn ich mir meiner Position gewiss bin, bin ich für jedes Gespräch offen." Landrat Dr. Niermann bestärkt die Allianz in ihrer Offenheit: "Religionsfreiheit ist bei uns im Grundgesetz festgeschrieben," so Dr. Niermann. "Aber unser Grundgesetz gibt auch die Freiheit, sich gegen eine religiöse oder weltanschauliche Überzeugung zu entscheiden. Unsere Gesellschaft basiert zu allererst auf demokratischen Grundwerten. Eine Gesellschaft ganz ohne Glauben ist sicher nicht das, was wir uns wünschen, aber wichtig ist vor allem, dass wir eine offene Gesellschaft bleiben." Wilfried Jotter ergänzt: "Das ist in unserem Sinne. Der Zwang zum Glauben passt nicht zur Bibel."

Dr. Niermann und die Integrationsbeauftragte des Kreises Minden-Lübbecke Sabine Schulz besuchen regelmäßig Gemeinden unterschiedlicher Glaubensrichtungen im Kreisgebiet. "Jeder braucht seine Wurzeln und seine Identität," sagt Sabine Schulz. Sie erklärt die wichtigsten Punkte ihrer Arbeit: "Niemand soll seine Kultur aufgeben. Aber wir müssen uns alle an die Regeln halten, die hier gelten. Wir wollen den Menschen, die zu uns kommen,  dabei helfen, sich ohne Angst in unserer Gesellschaft zurecht zu finden." Dabei sind Themen wie gleiche Bildungschancen, Ausbildung und Arbeit von zentraler Bedeutung. "Wir sind die Partner der Bürger." Dr. Niermann wird auch in Zukunft seine Gespräche fortsetzen: "Wenn man sich persönlich kennt, kann man auch in Zukunft besser aufeinander zu gehen."

nach oben zurück