Landrat Dr. Niermann besucht Schüler in Bad Oeynhausen
Minden-Lübbecke, 18.05.2010
"Wichtig ist, dass man das Unterschiedliche akzeptiert"
Landrat Dr. Niermann besucht Schüler in Bad Oeynhausen
Mobbing war das Thema, das sich Schülerinnen und Schüler der Realschule Nord in Bad Oeynhausen für ein Gespräch mit Landrat Dr. Ralf Niermann ausgesucht hatten. Die Distanz war schnell verflogen, denn die 24 Neunt- und Zehntklässler durften gleich nach der Begrüßung im wahrsten Sinn Stellung beziehen: Zu Statements wie "Die Mitschüler tuscheln und kichern jedes Mal, wenn ein bestimmter Schüler sich zu Wort meldet" haben sie sich entsprechend ihrer Einschätzung - Mobbing oder nicht? - auf Feldern im Raum positioniert zwischen "Das geht gar nicht" und "Das ist in Ordnung". Noch interessanter wurde die Diskussion bei den weiteren Fragen "Sollte etwas unternommen werden?" und anschließend "Würdest Du selbst handeln?", denn hier haben viele Schüler nochmal ihre Position gewechselt und das neu begründet. So hatte zum Beispiel ein Schüler, der ein Statement eigentlich "in Ordnung" fand, sich nochmal neu positioniert und entschieden, dass er selbst dennoch eingreifen würde.
Die Schüler erklärten Dr. Niermann ihre Einschätzungen zu den unterschiedlichen Statements: "Manchmal merkt man gar nicht, dass es dem anderen schlecht geht." - "Vielleicht treibt es die anderen noch an, wenn man selbst eingreift." - "Der Angegriffene muss selbst versuchen, sich zu wehren, dann würde ich ihm helfen." - Wenn man das nicht verkraften kann, ist man zu sensibel." - "Wer angegriffen wird, muss das selber klären." In der anschließenden Diskussion ergaben sich bald Parallelen zu Demokratie und Politik. Wie gehen Menschen miteinander um, welches Verhalten schadet, welches nützt, wo hört Meinungsfreiheit auf und wo fängt Beleidigung an? "Wichtig ist, dass man das Unterschiedliche akzeptiert," sagte Dr. Niermann. "Wir dürfen Macht nicht missbrauchen, sondern müssen mit gegenseitigem Respekt miteinander umgehen."
Der Kreis veranstaltet regelmäßig Projekte unter dem Motto "Lebendige Demokratie im Mühlenkreis" und hatte im vergangenen Jahr unter anderem an der Realschule Nord in Bad Oeynhausen eine Aufführung des Theaterstücks "Die Welle" organisiert. Das Stück setzt sich mit den Wirkungsmechanismen des Nationalsozialismus auseinander. Damals hatte Dr. Niermann bereits an der anschließenden Diskussion mit den Schülern teilgenommen. Bei seinem jetzigen Besuch erinnerte er daran, dass ein Meinungsaustausch über Politik im Dritten Reich gar nicht möglich gewesen wäre, denn im Nationalsozialismus wurde man verfolgt, wenn man eine andere Meinung hatte. "Demokratie hat etwas Verbindendes unabhängig von der Parteizugehörigkeit," so Dr. Niermann.
Die Frage des Landrats, ob sie denn wählen gehen würden, beantworteten die meisten Schüler mit einem klaren Ja: "Das ist immerhin eine Chance, etwas bewegen zu können." - "Mir ist wichtig, wer unsere kleine Stadt regiert." - "Ich würde erstmal nach den Zielen der Politiker schauen." - "Manchmal möchte man auch einfach nur verhindern, dass ein anderer gewählt wird."
Am Ende des zweistündigen Gesprächs stellten alle fest, dass sie viel übereinander gelernt haben. "Menschen in höheren Positionen sollten wissen, was Jugendliche von Politik halten," sagte einer der Schüler. "Deswegen war das heute eine prima Aktion." "Ich finde es gut, dass Sie von sich aus zu uns gekommen sind, das wirkt nicht so von oben herab," ergänzt ein anderer. Die Zeit war zwar um, aber der Gesprächsstoff war noch lange nicht ausgeschöpft, und so lud Dr. Niermann die Schüler zu einem Gegenbesuch ins Kreishaus und in den Sitzungssaal des Kreistags ein, damit sie sich anschauen können, wo hier im Kreis Minden-Lübbecke Kommunalpolitik passiert. Im Herbst wird außerdem die Ausstellung "RechtsRock - Hass und Rassismus auf's Ohr" ihre dritte Station in der Realschule Nord haben.