Landrat Ali Dogan besucht den Wittekindshof in Bad Oeynhausen
Passgenau und vorausschauend: Integrierte Sozialplanung stand im Mittelpunkt
Ein Aschermittwochsempfang alleine reicht nicht, um das Thema Sozialplanung ausführlich zu besprechen – zu diesem Schluss kamen Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Theologischer Vorstand des Wittekindshofes, und Landrat Ali Doğan schon im Februar am Rande des Empfangs und verabredeten, das Gespräch an anderer Stelle fortzuführen. Jetzt besuchten Landrat Ali Doğan und der Leiter des Sozialamtes Andreas Hilgendorf den Wittekindshof, um sich mit Prof. Dr. Starnitzke, Marco Mohrmann (kaufmännischer Vorstand) sowie den Regional-Geschäftsführer*innen Angelika Heudtlaß, Jaana Schwennen und André Weber intensiv fachlich zu den aktuellen Entwicklungen im sozialen Bereich auszutauschen. Am Anfang stand ein Überblick über die derzeitigen sozialen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsbereiche des Wittekindshofes, der sich zunehmend umstrukturiert in Richtung dezentraler und ambulanter Angebote. „Unsere Betätigungsfelder verändern sich massiv“, so Prof. Dr. Starnitzke mit Blick unter anderem auf die steigende Zahl von Menschen mit psychischen Erkrankungen, die es in allen Altersgruppen gibt und den hohen Hilfebedarf vieler Klientinnen und Klienten des Wittekindshofes.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die integrierte Sozialplanung im Quartier. „Das ist ein Herzensanliegen von mir, das wir auch im Kreis Minden-Lübbecke aufbauen möchten“, so Ali Doğan. „Vorausschauende Planung ist kein Hexenwerk, wenn man eine gute Datengrundlage hat.“ Dabei geht es darum, unterschiedliche Bereiche sinnvoll zu verknüpfen und beispielsweise auch die demografische Entwicklung mit einzubeziehen. „Das Konzept ist fertig – sobald es die nächste Förderung gibt, können wir loslegen“, ergänzt Sozialamtsleiter Andreas Hilgendorf. Prof. Dr. Starnitzke bietet an, in diese Sozialplanung auch die Klientensicht und die Erfahrungen des Wittekindshofes in verschiedenen Sozialräumen des Kreises mit einzubringen.
Zu solch einer Sozialplanung gehört unter anderem, passgenau bezahlbaren – das ist dem Landrat an dieser Stelle wichtig – Wohnraum zu schaffen. Der Wittekindshof plant mit der Stadt Bad Oeynhausen auf dem Gründungsgelände in Volmerdingsen ein neues Wohngebiet für junge Familien, in dem es auch ein Gesundheitszentrum gibt, so dass es gleichzeitig für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen attraktiv ist. Ein wichtiges Thema auch kreisweit: „Wohnungsbauförderung haben wir beim Kreis im vergangenen Jahr stark ausgebaut“, berichtet Landrat Ali Doğan. Auch hier spielt der Gedanke der Sozialplanung eine wichtige Rolle: „Wir müssen uns die Frage stellen: Was brauchen wir wo? Mich ärgert es total, dass hier nicht mehr investiert wird. Wir dürfen nicht immer nur kurzfristig reagieren, wir müssen uns viel stärker fragen, welche Planungen langfristig sinnvoll sind – selbst wenn wir, oder in diesem Fall ich, dann vielleicht gar nicht mehr im Amt bin. Mir ist es wichtig, dass die Dinge, die ich auf den Weg bringe, auf lange Sicht funktionieren. Ich finde, daran sollten sich Entscheidungsträger viel mehr messen lassen.“
In dem Gespräch ergaben sich zahlreiche Gedankenanstöße zu den unterschiedlichsten Themenbereichen: Der Unterstützungsbedarf steigt bei den Wittekindshofer Klientinnen und Klienten besonders für Menschen mit sogenannten Doppeldiagnosen– also einer Erkrankung oder geistigen Beeinträchtigung, zu der noch zusätzlich eine psychische Beeinträchtigung kommt. Bei aller Ambulantisierung bleibt auch der Bedarf an besonderen Wohnformen für Menschen mit beispielsweise Autismus bestehen, hier sind die Plätze bei weitem nicht ausreichend. Wie in den bekannten Bereichen Kita und Altenpflege gibt es auch in den Arbeitsbereichen des Wittekindshofes Personalmangel, zumal hier wie dort oft die gleiche Qualifikation gefragt ist. Große Angebotslücken gibt es in der jungen Pflege – also wenn jüngere Menschen pflegebedürftig werden und mangels Alternativen in einer Alteneinrichtung untergebracht werden – ebenso wie in der Pflege von Menschen mit Behinderungen, die älter werden und deshalb eine andere Form der Betreuung benötigen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass es wichtig ist, weiter in einem guten fachlichen Austausch zu bleiben – Themen genug sind vorhanden.
Foto (v.l.): kaufmännischer Vorstand Marco Mohrmann, Geschäftsführer*innen Jaana Schwennen, André Weber und Angelika Heudtlaß, theologischer Vorstand Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Landrat Ali Doğan und Leiter des Sozialamtes Andreas Hilgendorf. Foto: Sabine Ohnesorge (Kreis Minden-Lübbecke)