Lübbecke auf dem Weg zur »Stadtschule« - Pädagogische Arbeitsgruppe stellt Zwischenbericht vor
Lübbecke. Die neuesten Zahlen über die Schulwahl für die Sekundarschulen belegen: Nur knapp über die Hälfte der Grundschulabgänger der Stadt Lübbecke wählt eine weiterführende Schule im Lübbecker Stadtgebiet, 45 Prozent der Grundschulabgänger der Stadt Lübbecke besuchen Schulen in den Nachbargemeinden. Damit ist das Lübbecker Schulsystem im Bereich der Sekundarstufe I nicht mehr konkurrenzfähig. Eine vom Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Lübbecke beauftragte pädagogische Arbeitsgruppe hat jetzt nach ausführlicher Beratung in mehreren Sitzungen vorgeschlagen, ab dem Schuljahr 2012/13 unter dem Titel „Stadtschule Lübbecke“ eine Gemeinschaftsschule einzurichten, um die Schülerinnen und Schüler wieder stärker an den Standort Lübbecke zu binden.
Der Entwurf sieht vor, die Realschule und die Hauptschule auslaufend zu betreiben. Alle Schülerinnen und Schüler, die den Unterricht bis einschließlich des nächsten Schuljahres an der Realschule oder der Hauptschule aufnehmen, können dort wie geplant ihren Abschluss machen. Das neue Modell der „Stadtschule Lübbecke“ soll im Vergleich zu den bisherigen Schulen auch gymnasiale Standards bieten, indem eine enge Kooperation mit dem Wittekind-Gymnasium erfolgt. Die „Stadtschule Lübbecke“ soll eine Sekundarschule ohne Oberstufe werden. Zur Entwicklung des neuen Schulmodells soll das Angebot der Landesregierung genutzt werden, Anträge auf die Genehmigung von Gemeinschaftsschulen zu stellen. Damit ergibt sich die Chance zur Entwicklung eines ortsspezifisch angepassten Schulmodells, in das alle positiven und erprobten Erfahrungen der Grundschulen, der Hauptschule und Realschule am Ort und der Gesamtschulen in der Region eingebracht werden können. Es wird eine Kooperation zwischen der „Stadtschule Lübbecke“ und dem Wittekind-Gymnasium institutionalisiert, die den Schülerinnen und Schülern der Stadtschule mit entsprechenden Leistungen einen Übergang in die gymnasiale Oberstufe garantiert. Gleichzeitig wird dem Gymnasium ermöglicht, ein differenziertes Kursangebot in der Oberstufe anzubieten, das den Oberstufenangeboten der Gesamtschule überlegen ist. Lübbecke bietet damit das Abitur nach acht oder neun Jahren.
Die Eckpunkte eines organisatorischen und pädagogischen Konzepts für die Stadtschule Lübbecke sollen in den nächsten Wochen mit den Kollegien der Lübbecker Schulen erarbeitet und mit den Eltern der Grundschulkinder diskutiert werden. Zur pädagogischen Arbeitsgruppe, die sich in einem breiten Konsens für diesen Weg ausgesprochen hat, gehören alle Schulleiterinnen und Schulleiter der Grundschulen, Förderschulen und Sekundarschulen, die in Trägerschaft der Stadt Lübbecke stehen, der Bürgermeister und die zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Vertreter aller Ratsfraktionen sowie als fachwissenschaftlicher Begleiter Professor Bernd Zymek von der Universität Münster an.
Ausgangspunkt und Bezugspunkt der Beratungen waren die Entwicklung der Geburten, der Schülerzahlen und des Bildungsverhaltens der jungen Familien in Lübbecke während der letzten Jahre. Diese Entwicklungen sind durch die neuesten Zahlen bei den Schulanmeldungen bestätigt worden. Von den 282 Grundschulabgängern der Stadt melden sich aktuell nur 156 an Lübbecker Schulen an. Nur durch Einpendler kommen die Lübbecker Sekundarschulen auf 222 Anmeldungen in den fünften Klassen. Für die Hauptschule gab es dieses Jahr nur noch 18 Anmeldungen aus Lübbecke. Die Realschule kann zwar eine Zunahme der Anmeldungen verzeichnen, liegt damit allerdings noch unter der Prognose aus dem Schulentwicklungsplan sowie den landesweiten Übergangszahlen. Die Anmeldungen für das Gymnasium sind stabil. 45 Prozent der Grundschulabgänger der Stadt Lübbecke besuchen Schulen in den Nachbargemeinden, 30 Prozent die Gesamtschule in Hüllhorst.
„Auf Grund des Wahlverhaltens ist in der Stadt Lübbecke faktisch längst ein zweigliedriges Schulsystem entstanden. Es kann also nur noch um die Frage gehen, wie dieses 'Zwei-Säulen-System' in der Stadt organisatorisch und pädagogisch weiterentwickelt und möglichst so ausgestaltet wird, dass die Lübbecker Sekundarschulen eine größere „Bindekraft“ bzw. Attraktivität für die jüngeren Familien der Stadt haben“, betonen Professor Bernd Zymek und Bürgermeister Eckhard Witte stellvertretend für die Arbeitsgruppe. „Den Abwanderungen Lübbecker Schülerinnen und Schüler in Nachbarkommunen muss aus existentiellen Gründen für die Stadt Lübbecke unverzüglich entgegengewirkt werden. Abwandernde Schülerinnen und Schüler bedeuten nicht nur Probleme für unsere heimische Wirtschaft und die benötigten Fachkräfte. Ein weiter schrumpfendes Schulsystem bedeutet insgesamt einen Attraktivitätsverlust für die Stadt Lübbecke. Ein ansprechendes Schulangebot ist sowohl für Familien als auch für Wirtschaftsunternehmen ein wesentliches Kriterium bei der Wohn- und Standortwahl“, so Witte weiter.