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Kurz nachgefragt - Bildung entdecken

Martina Lüking, Referentin im Referat „Berufliche Orientierung, Übergang Schule-Beruf“ (II A 2) im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, im Interview mit dem Bildungsbüro.

1)     Wussten Sie schon als Kind/Jugendliche, dass Sie gerne einmal für ein Ministerium arbeiten möchten und ging es in Ihren Berufswahlentscheidungen immer geradeaus?

Dass ich einmal in einem Ministerium arbeiten werde, das konnte ich mir damals nicht vorstellen. Meinen beruflichen Werdegang habe ich immer Schritt für Schritt entwickelt, auch aus den Perspektiven heraus, die sich immer ergeben haben. Manche würden sagen, er ist nicht klassisch geradeaus verlaufen. Nach einer Berufsausbildung habe ich auf dem zweiten Bildungsweg Abitur gemacht und dann ein Studium aufgenommen, und wenn ich zurückblicke, dann passt mein Weg sehr gut zu mir. Aus jeder beruflichen Station konnte ich positive Erfahrungen mit in meine nächste Aufgabe nehmen. Das bereichert mich sehr.

2)     Sie haben Ihre Berufswahl vor der Einführung von KAoA* getroffen. Was würden Sie mit KAoA anders machen bzw. wie hätte KAoA Ihnen damals geholfen?

Bei uns gab es genau ein Praktikum in der Schule und auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Interessen spielte keine große Rolle. Ob sich mein beruflicher Werdegang dadurch verändert hätte, das kann ich nicht sagen, aber die Möglichkeiten heute, sich vielfältig mit seinen Interessen und Talenten in praktischen Erfahrungen zu erproben, wären hilfreich gewesen und hätten mir Spaß gemacht. Wichtig erscheint mir, den jungen Menschen die Sicherheit mit auf den Weg zu geben, dass eine Entscheidung für eine Berufsausbildung oder ein Studium keine Entscheidung für ein ganzes Leben ist. Eine Berufsausbildung ist ein wichtiger Grundstein, auf den man jederzeit andere berufliche Interessen aufbauen kann. Unsere Bildungssysteme sind in viele Richtungen offen.

3)     Für viele junge Menschen ist der Übergang von der Schule in den Beruf bzw. in die Ausbildung oder ein Studium mit vielen Fragen und auch mit Unsicherheiten, eventuell eine falsche Entscheidung zu treffen, verbunden. Wie können Eltern und Erziehungsberechtigte junge Menschen sinnvoll unterstützen?

Für mich ist es wichtig, dass Eltern die Wege ihrer Kinder unterstützen: ihnen als Ratgeber zur Seite stehen, mit ihnen über ihre Fragen und Unsicherheiten, über ihre beruflichen Vorstellungen sprechen, und ihnen auch die Sicherheit mitgeben, dass ihre Entscheidung für ihren beruflichen Werdegang richtig ist. Und wie gesagt, eine Entscheidung für einen Beruf bedeutet nicht, in diesem ein ganzes Leben lang arbeiten zu müssen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich weiterzubilden, vielleicht ein Studium aufzunehmen oder in seinem Beruf andere Einsatzmöglichkeiten zu erfahren.

4)     Von etwas zu hören oder über etwas zu lesen ist doch etwas ganz anderes als Dinge selber zu erleben. Deswegen sind Praktika so wichtig. Haben Sie selber auch Praktika absolviert und was haben Sie dabei gelernt?

Ich hatte genau ein Praktikum während meiner Schulzeit. Ich habe sehr schnell gewusst, dass der gewählte Beruf nicht mein Beruf fürs Leben sein wird. Auch diese Erfahrung war für meinen weiteren beruflichen Weg wichtig, nämlich zu wissen, was ich nicht möchte. Ich hätte es gut gefunden, dann noch mehr Praxiseinblicke zu erhalten. Dass das heute für alle Schülerinnen und Schüler möglich ist, das ist sehr wertvoll.

5) Was würden Sie Menschen bei der Berufsorientierung raten und würden Sie bei Ihren Entscheidungen zur Berufswahl alles wieder genauso machen?

Seid offen und probiert Neues aus. Setzt euch mit euren Interessen und Talenten auseinander, überlegt, in welchen Berufen diese zu finden sind. Schaut auch nach rechts und links, welche weiteren Berufe es gibt. Talente sind in verschiedenen auch unterschiedlichen Berufen einsetzbar, und nutzt Chancen, sich in verschiedenen Bereichen praktisch auszuprobieren.
 

Zur Person

Martina Lüking ist seit 2013 Referentin im Referat II A 2 „Berufliche Orientierung, Übergang Schule-Beruf“ im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.


 

*KAoA steht für "Kein Abschluss ohne Anschluss". Es ist eine Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen zur Berufsorientierung für alle Schüler*innen an öffentlichen Schulen und dem Übergang Schule - Beruf. 
 


Das Interview führte Alessandra Kröger aus der Arbeitsgruppe "Kommunale Koordinierung und Bildung".


Quelle Bild 1: Pixabay
Quelle Bild 2: Martina Lüking

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