Inhalt
Datum: 29.09.2023

Kurz nachgefragt - Bildung entdecken

Anke Steinhauer von der Volkshochschule Lübbecker Land im Interview mit dem Bildungsbüro


Im Volksmund gibt es die beiden Redewendungen „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ und „Man lernt nie aus“. Was ist Ihre Sicht auf das Lernen im Erwachsenenalter? Und was macht den Bereich der Erwachsenenbildung für Sie so spannend?

Ich bin in der Tat schon seit Jugendzeiten „Fan“ aller Volkshochschulen. Ich habe als Schülerin Kurse und Vorträge besucht, als Studentin und bin auch heute noch gerne bei Seminaren und Vorträgen. Die ungezwungene Atmosphäre und die Lust mich mit ganz neuen Themen auseinanderzusetzen, begeistert mich stetig auf Neue. Und für mich persönlich ist es auch eine absolute Freude selbst Kurse zu geben, Vorträge zu halten und Exkursionen zu leiten. Es gibt noch so unendlich viel, was wir (noch) nicht wissen, was wir noch lernen können. Und das Großartige bei der VHS ist für mich, dass wir immer auch voneinander lernen. Alle profitieren voneinander und das macht einfach unglaublich viel Freude und Spaß!

Wenn man von „Bildung“ spricht, wird oft an junge Menschen in der Schule gedacht. Was macht das Lernen und Lehren in der Erwachsenenbildung aus und welche Bedeutung hat diese für die Gesellschaft?

Die Zeiten, in denen man nach der Ausbildung ausgelernt hat, sind wohl vorbei; oder besser: so richtig hat es diese Zeiten wohl nie gegeben.
Stillstand ist Rückschritt, das gilt für die eigene Entwicklung genauso. Die Erwachsenenbildung ist längst als wichtige Säule im Bildungsprozess etabliert. Ich glaube, das wissen wir auch alle. Unsere Gesellschaft, unser Umfeld verändert sich so rasant, dass wir ja gar nicht auf der Stelle stehen bleiben können. Allerdings ist es in der Erwachsenenbildung in der Regel unsere freie Entscheidung, ob wir den Weg des Weiterbildens gehen möchten. Will man zum Beispiel mit den Enkel*innen über das neue Smartphone kommunizieren, hat aber keine Ahnung, wie es geht? Will man im nächsten Urlaub ein paar Sätze in der jeweiligen Landessprache sprechen? Will man mehr für die eigene Gesundheit tun? Frage ich mich schon immer, wie ich Energie sinnvoll einsparen kann und möchte es gerne „mundgerecht“ serviert bekommen, ohne selbst im Internet zu forschen? Und so weiter, ich könnte da noch viele Beispiele nennen…

Welche Hemmnisse bestehen Ihrer Erfahrung nach, um sich im Erwachsenalter weiterzubilden?

Ich glaube, in erster Linie ist es die Zeit, die uns allen eher fehlt. Im Beruf und Alltag ist meistens so viel los, dass man denn doch wenig Lust verspürt am Abend oder am Wochenende noch einmal zur Volkshochschule zu gehen. Ich kann das gut verstehen, das geht mir ja manchmal selbst so. Aber: wenn ich mich dann doch aufgerafft habe, bin ich in der Regel doch sehr begeistert und auch froh, dass ich diesen oder jenen Kurs oder Vortrag besucht habe, weil es mich ja selbst unglaublich bereichert.

Das Angebot der VHS ist unglaublich vielfältig, von Sprachlehrgängen über Sportveranstaltungen bis hin zu berufsbegleitenden Seminaren. Wo sehen Sie die aktuellen Trends?

Natürlich sind unsere Deutschkurse ein sehr wichtiger Teil des Programms. Das waren sie im Übrigen schon immer. Ohne ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache ist eine gelungene Integration kaum möglich, das wissen wir alle und das wird auch von niemandem in Frage gestellt. Aber es gab in den letzten Jahrzehnten immer Aufgaben, die zu bewältigen waren und bei denen die Volkshochschulen im Land sehr gute Dienste geleistet haben. Die Digitalisierung stellt fast jede/n vor neue Herausforderungen. Klimawandel, Nachhaltigkeit, aber auch kostengünstige Angebote in der Gesundheitsbildung sind von großer Wichtigkeit. Mir ist es stets sehr wichtig gewesen, dass wir in unserem Programm nicht unterscheiden zwischen Deutschkursen und „normalen“ Kursen. Das wäre einfach falsch und so legen wir sehr großen Wert darauf, dass alle Fachbereiche - also von Kultureller Bildung über Sprachkurse, Gesundheitsbildung bis hin zur politischer und Umweltbildung - gleichberechtigt in unserem Programm vertreten sind. Und die Annahmequoten zeigen, dass wir da auf dem richtigen Weg sind.

Wo liegen die Herausforderungen der Erwachsenbildung und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Die Zeiten, was die finanzielle Ausstattung der Volkshochschulen angeht, werden wohl wie in allen Bereichen, nicht wirklich besser. Ohne eine ausreichende Finanzierung wird es aber in der Zukunft schlechter möglich sein, kostengünstige Angebote für alle aufrechtzuerhalten. Ich mag ja den Namen VOLKShochschule: er zeigt auf, dass wir für alle da sein möchten, für jede Bevölkerungsschicht, nicht nur für das so genannte Bildungsbürgertum, die vielleicht erhöhte Preise eher zahlen können.

Ich hoffe einfach, dass von politischer Seite, egal ob kommunal, landespolitisch oder von Seiten des Bundes nicht der Fehler gemacht wird, bei Kultur und Bildung zu sparen. Der Weg ist meiner Meinung eine böse Sackgasse, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht am einfachsten wirken mag, hier zu sparen.
 

Zur Person:

Anke Steinhauer ist Kunsthistorikern und Germanistin und schon seit ihrer Jugend begeisterte Anhängerin der Volkshochschulen. Seit 2010 ist sie Leiterin der Volkshochschule Lübbecker Land. In Bad Oeynhausen geboren und aufgewachsen, studierte sie in Trier und in Stirling (Schottland) und lebt heute mit ihrer Familie in Schnathorst (Hüllhorst).


Das Interview führten Alessandra Kröger und Verena Lodwig aus der Arbeitsgruppe "Kommunale Koordinierung und Bildung".


  

Quelle Bild 1: Pixabay
Quelle Bild 2: Anke Steinhauer

nach oben zurück