Kreis protestiert gegen Versalzung der Weser
Kreis Minden-Lübbecke, 24.09.2007
Kreis protestiert gegen Versalzung der Weser
Auch der Kreis Minden-Lübbecke protestiert gegen die Versalzung der Weser. Symbolisch hat Landrat Dr. Ralf Niermann aus den Händen von Petershagens Bürgermeisterin Marianne Schmitz-Neuland den „Stein des Anstoßes“ und ein Glas Salz entgegen genommen. „Wir wollen auf politischem und juristischem Weg gegen die weitere Verschmutzung des Flusses angehen“, verdeutlicht der Landrat. Nachdem der Kreistag im März eine Resolution verabschiedet hatte, wird sich der Kreis Minden-Lübbecke zusätzlich an einer Klage von über 30 niedersächsischen und nordrhein-westfälischen Anrainer-Kommunen und -Kreisen beteiligen.
Mit der Aktion „Stein des Anstoßes“, der wie ein Staffelholz an der Weser entlang weitergerecht wird, unterstreichen Bürgermeister und Landräte ihren Protest gegen die Einleitung salzhaltiger Abwässer in die Weser-Zuflüsse Fulda und Werra. „Gemeinsam können wir noch besser politischen Druck ausüben und uns für die Wasserqualität der Weser einsetzen“, sagt Landrat Dr. Niermann. Das Ziel der Proteste: Die Bezirksregierung Kassel soll den aktuellen, auf das Jahr 1942 zurückgehenden Grenzwert für die Salzbelastung der Weser deutlich senken.
Die Wasserqualität der Weser ist in den letzten Jahren zwar etwas besser geworden. Seit dem Jahr 2000 wird der vor 65 Jahren festgelegte Chlorid-Grenzwert von 2.500 Milligramm pro Liter Wasser weitgehend eingehalten. „Die Entwicklung einer natürlichen, gewässertypischen Flora und Fauna lässt dieser Grenzwert aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges aber nicht zu“, betont Dr. Beatrix Wallberg, Leiterin des Umweltamtes des Kreises Minden-Lübbecke. Schon ab 800 Milligramm pro Liter sprechen die Fachleute von einem schlechten ökologischen Zustand.
Rund 7 Millionen Kubikmeter salzhaltige Abwässer fließen derzeit pro Jahr in die Weser beziehungsweise ihre Zuflüsse. Die Firma K+S Kali GmbH will weitere 400.000 Kubikmeter pro Jahr in die Werra einleiten. Dazu plant K+S den Bau einer Pipeline von seiner Kali-Halde im hessischen Neuhof-Ellers bis zur Wera bei Philippsthal.
„Es ist nicht nachvollziehbar, dass einerseits Millionen Euro für den Gewässerschutz an Weser, Werra und Fulda ausgegeben wurden und die hessische Genehmigungsbehörde andererseits die Chlorid-Einleitungen ermöglicht“, findet Landrat Dr. Niermann. Statt die Menge der Einleitungen zu erhöhen solle im Gegenteil der Grenzwert deutlich gesenkt werden. Nach dem Vorbild des Rheins, so fordert auch der Kreistag in seiner Resolution, müsse man so die Wasserqualität der Weser endlich weiter verbessern.
Der Kreis Minden-Lübbecke beteiligt sich auch an einer Klage, die über 30 Kreise und Städte entlang der Weser gegen die Bezirksregierung Kassel als Genehmigungsbehörde angestrengt haben. Der Planungs- und Umweltausschuss des Kreises hat das am 17. September einstimmig beschlossen. Unter den Klagewilligen sind auch die Städte Minden, Petershagen und Porta Westfalica.