Kopfüber im Straßengraben – und dann?
Kreis Minden-Lübbecke, 18.11.2008
Kopfüber im Straßengraben – und dann?
Den Führerschein machen und dann mal testen, was die „Kiste“ so her gibt. Schnelles Fahren hat für viele junge Fahrer einen enormen Reiz, doch die sind sich der Risiken oft nicht bewusst. Um möglichst viele junge Menschen für die Gefahren beim Autofahren zu sensibilisieren, führten die Kreispolizeibehörde Minden und die Kreisverkehrswacht Verkehrssicherheitstage am Leo-Sympher- und Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg durch. Deren Verkehrssicherheitsbeauftragte Reinhard Weißer, Michael Berghorn und Willy Weiß organisierten die Teilnahme von 24 Klassen mit der 17- bis 19-jährigen Zielgruppe. Im 20-Minuten-Rhythmus ging es dabei an verschiedene Stationen:
„Das Frustrierende an unserem Beruf ist, dass wir bei Unfällen immer zu spät kommen“, so Polizeihauptkommissar Peter Mille. Beim Blick auf das Crashauto, das aus einem realen Unfall stammt, wurde den Schülern schnell klar, dass dies nicht nur dahin gesagt war. Eine Videosequenz, die einen tödlich endenden Diskobesuch zeigte – der Fahrer stand auf dem Nachhauseweg unter Alkohol- und Drogeneinfluss – untermauerte seine Aussage. Peter Mille wies deshalb auch auf die soziale Verantwortung der Mitfahrerinnen und Mitfahrer hin: Sie sollten den Fahrer vom zu schnellen und/oder alkoholisierten Fahren abhalten.
Den Unterschied zwischen Fahren im nüchternen Zustand und unter 0,8 Promille Alkohol konnten die Jugendlichen dann am Fahrsimulator erfahren. Man fährt durch Ortschaften, über Landstraßen und durch Tempo-30-Zonen, in denen unerwartet andere Verkehrsteilnehmer die Verkehrsregeln missachten. Die Testpersonen hatten die Aufgabe, schnellstmöglich zu bremsen. Viele von ihnen wären in der realen Umgebung nicht mehr heil davon gekommen. So auch ein kaufmännischer Auszubildender: „Ich war bereits einmal in einen Unfall verwickelt, aus dem ich wirklich gelernt habe.“ Um diesen Effekt zu sichern, werden die Erlebnisse des Tages mit einem Theorieteil im Klassenraum abgeschlossen. „Zwar lässt sich die Zahl der hierdurch vermiedenen Unfälle nicht messen, aber genau hierin liegt die Motivation für die Arbeit aller Beteiligten“, weiß Sicherheitsbeauftragter Michael Berghorn.
Eines der eindrucksvollsten Erlebnisse war mit Sicherheit der Überschlagssimulator: Wie kann ich mich aus dem Auto befreien, wenn es auf dem Kopf liegt und sich der Sicherheitsgurt verkeilt hat? Für die meisten Testpersonen keine leichte Aufgabe: „Ohne diese Erfahrung wäre ich im Ernstfall niemals aus dieser Situation herausgekommen“, war Semra Yamans Kommentar. Am Verkehrssicherheitstag war glücklicherweise Manfred Lichtenberg von der Verkehrswacht zur Stelle, der einen aus der misslichen Lage befreien und wertvolle Tipps geben konnte. Im Alltag ist jeder für sich selbst verantwortlich.
Im Anhang finden Sie ein Foto: Manfred Lichtenberg von der Verkehrswacht hilft den Schülern Fabian Nordhorn und Martin Frömrich aus dem Überschlagssimulator.