Kiebitze, Krötentaxis und Kuchen - Landrat besucht Biostation
Krötentaxis sind mittlerweile den meisten Menschen bekannt – die Biologische Station Minden-Lübbecke macht aber sehr viel mehr als das: Etwa 100 bis 200 Ehrenamtliche unterstützen regelmäßig die Arbeit, zum Beispiel auch indem sie Kiebitzpatenschaften übernehmen, Nester sichten, Landwirte informieren, damit diese um die Nester einen Bogen machen können. Über Aufgaben, Mitarbeitende und besondere Projekte informierte sich jetzt Landrat Ali Doğan vor Ort auf Gut Nordholz in Minden. Hierfür hatte Dirk Esplör als Geschäftsführer der Biostation schon viele Infos vorbereitet: „Immerhin finanziert uns der Kreis mit 20 Prozent Förderung, da können wir gerne berichten, was wir mit diesem Geld – und natürlich den 80 Prozent Förderung vom Land NRW – als Biostation alles machen.“ „Wir hatten uns schon vor einer Weile bei anderer Gelegenheit getroffen und vereinbart, dass ich nochmal wiederkomme für ein ausführlicheres Gespräch“, sagt Landrat Ali Doğan und stellt erfreut fest, dass die Gastgeber erneut leckeren Kuchen auf den Tisch gestellt haben. „Diesmal habe ich so viel Zeit und Ruhe, dass ich sogar ein Stück essen kann.“
Schwerpunkte der Arbeit der Station liegen in der Betreuung großer Schutzgebiete im gesamten Kreisgebiet – ganz im Westen angefangen mit der Gewässerlandschaft an der Großen Aue über das GroßeTorfmoor, die Bastauwiesen, das Naturschutzgebiet Nordholz bis zum Vogelschutzgebiet Weseraue im Osten. Insgesamt umfasst diese Kulisse etwa 5500 Hektar. Neben der Erfassung von Flora und Fauna geht es vor allem um die Planung und Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen und eine naturschutzorientierte Landbewirtschaftung. Hierbei wird eng mit der Landwirtschaft zusammengearbeitet und die Station betreibt sogar einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb zur Landschaftspflege. Von zunehmender Bedeutung ist auch das Thema Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung.
Zeit für Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltbildung, das ist dem Landrat ein wichtiges Anliegen ebenso wie Integration und Teilhabe, betont er. „Viele unserer Projekte decken im Grunde genommen all das ab“, sagt Sascha Traue, der bei der Biostation für den Bereich Umweltbildung zuständig ist. „Gerade wenn wir mit Kitas und Schulen zusammenarbeiten, ermöglichen wir Kindern eine wichtige, weil besonders anschauliche Form von Bildung, die gleichzeitig alle Kinder integriert und mitnimmt.“ Hier lesen sie keine Bücher über Natur, hier fassen sie an, sie fühlen, riechen, schmecken – das prägt sich ein und bleibt viel länger hängen als ein Absatz im Biologiebuch.
Menschen für ihre Arbeit gewinnen, das ist dem Vereinsvorsitzenden Dieter Rosenbohm, Sabine Raskopf, Daniel Grüning und Christian Vogel ebenfalls ein Anliegen. Sie pflegen und entwickeln wertvolle Natur- und Kulturlandschaften und Artenreichtum im Kreis Minden-Lübbecke. Dabei ist die ehrenamtliche Arbeit eine große Hilfe – bei den erwähnten Krötentaxis ebenso wie in vielen anderen Bereichen. Jedes Jahr arbeiten auch vier oder fünf junge Menschen aus dem Bundesfreiwilligendienst und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr mit, zum Beispiel bei der Gehölzpflege oder bei der Betreuung der 80 Schottischen Hochlandrinder. „Die machen eine enorme Entwicklung durch in diesem einen Jahr“, erzählt Dieter Rosenbohm. „Sie arbeiten hier oft bei Wind und Wetter draußen und lernen dabei vieles, das sie in ihrem ganzen späteren Leben brauchen können, zum Beispiel dass man sich auch mal richtig durch irgendwas durchbeißen muss. Die wachsen hier oft über sich selbst hinaus.“ Und natürlich freuen sich alle gemeinsam über Erfolge, wenn sich beispielsweise selten gewordene Tierarten, wie Flussseeschwalbe, Bekassine, Kranich, Fischotter oder Biber wieder ausbreiten.
- Gruppenfoto: (v.l.) Dirk Esplör, Sabine Raskopf, Dieter Rosenbohm, Sascha Traue, Landrat Ali Doğan, Daniel Grüning, Christian Vogel
Foto: Sabine Ohnesorge/Kreis Minden-Lübbecke