Jugendamt vermittelt Kinder in Pflegefamilien
Vom Heim in eine neue Familie
Jugendamt vermittelt Kinder in Pflegefamilien
„Daniel* wurde aus seiner richtigen Familie herausgenommen und kam dann in ein Heim“, erzählt Andrea Durkamp* (50). Heute nennt Daniel (9) sie Mama, er hat in ihrer Familie ein neues Zuhause gefunden. Aber bis dahin war es für alle ein weiter Weg.
„Mein Mann arbeitet in einer Einrichtung für Kinder, so entstand der Gedanke, dass wir selbst ein Pflegekind zu uns nehmen könnten“, erinnert sich Andrea Durkamp. Ihre eigenen beiden Kinder waren da schon 13 und 15 Jahre alt, sie tragen die Idee mit. Über das Jugendamt haben die Durkamps Daniel kennengelernt. Damals war er fünf Jahre alt.
Das Jugendamt bereitet zukünftige Pflegeeltern ausführlich auf ihre neue Aufgabe vor. In Pflegeeltern-Seminaren erfahren sie viel über die Entwicklung von Kindern, über den Umgang mit leiblichen Eltern und vieles mehr. Dort können sie sich mit anderen austauschen und alle Fragen stellen, die ihnen selbst wichtig sind. „Uns ist es wichtig, dass die Eltern vorher wissen, was auf sie zukommt“, sagt Hans-Ulrich Kehnen vom Jugendamt des Kreises Minden-Lübbecke. „Wir fragen die Eltern auch nach ihrer Motivation, ein Pflegekind aufzunehmen. Pflegekinder sollen möglichst lange in diesem stabilen Umfeld leben können. Deshalb wollen wir im Vorfeld so viele Unklarheiten wie möglich ausräumen.“
Die Durkamps sind dabei geblieben, und irgendwann stand das erste Kennenlernen in der Jugendhilfeeinrichtung an, in der Daniel damals gelebt hat. Hinterher sollten sie, aber auch Daniel sagen, ob sie sich vorstellen könnten, seine Pflegefamilie zu werden. Für die Durkamps war schnell klar: Ja, wir wollen. Und Daniel ging es genauso: „Ich hab’ mir gedacht, bei euch hab’ ich’s gut“, erzählt Daniel und kuschelt sich bei Andrea Durkamp an.
Dass es am Anfang nicht einfach war, daran kann sich kaum noch jemand erinnern. Über ein halbes Jahr haben sich Daniel und seine neue Familie angenähert, begleitet von Mitarbeitern des Pflegekinderdienstes vom Jugendamt. „Erst haben nur mein Mann und ich Daniel besucht, dann sind auch unsere Kinder mitgekommen“, sagt Andrea Durkamp. „Wir haben beim Sommerfest in der Jugendhilfeeinrichtung gemeinsam in der Hüpfburg gespielt“, weiß ihre Tochter Sandra* (19) noch. Sie findet es toll, einen kleinen Bruder zu haben. „Dadurch ist es in unserer Familie viel lebendiger, offener und herzlicher geworden.“
Daniel kann sich bis heute erinnern, dass er mit einem großen Willkommensschild empfangen wurde. Andrea weiß aber auch noch, dass die ersten zwei Wochen mit Daniel schwierig waren: „Er hat viel getreten und geschimpft.“ „In den ersten Tagen hatten wir schon ein mulmiges Gefühl“, ergänzt ihr Mann Uwe* (52). „Heute gehört er einfach zur Familie dazu. Wir können es uns gar nicht mehr ohne ihn vorstellen.“
Für Daniel und seine jetzigen Geschwister ist das alles schon sehr weit weg. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Familie, tobt durch Haus und Garten, hat viele Freunde, spielt Handball. Nur seine richtige Mutter fehlt ihm trotz allem. „Dass das bei Daniel immer mal wieder hochkommt, das gehört dazu“, sagt Andrea Durkamp. „Nachdem er zu uns gekommen war, hatten wir mit dem Jugendamt wieder einen Kontakt zu seiner leiblichen Mutter aufgebaut, den hat sie aber leider vor anderthalb Jahren abgebrochen.“ Vor Weihnachten hatte Daniel ihr einen langen Brief geschrieben. Leider hat sie sich bis jetzt noch nicht gemeldet, aber die Tür bleibt weiter offen.
Der Pflegekinderdienst des Jugendamtes begleitet und berät die Familie kontinuierlich weiter. Wenn nicht zwischendurch ein dringlicher oder aktueller Bedarf besteht, lädt er in etwa halbjährlichen Abständen alle am Hilfeprozess beteiligten Personen zum Hilfeplangespräch ein. Dabei geht es um alle Belange, die das Kind betreffen.
* = alle Namen geändert
Foto: Die Durkamps haben Daniel in ihre Mitte genommen - auch auf dem Trampolin.
Foto: Sabine Ohnesorge / Kreis Minden-Lübbecke.
Jugendamt vermittelt Kinder in Pflegefamilien
„Daniel* wurde aus seiner richtigen Familie herausgenommen und kam dann in ein Heim“, erzählt Andrea Durkamp* (50). Heute nennt Daniel (9) sie Mama, er hat in ihrer Familie ein neues Zuhause gefunden. Aber bis dahin war es für alle ein weiter Weg.
„Mein Mann arbeitet in einer Einrichtung für Kinder, so entstand der Gedanke, dass wir selbst ein Pflegekind zu uns nehmen könnten“, erinnert sich Andrea Durkamp. Ihre eigenen beiden Kinder waren da schon 13 und 15 Jahre alt, sie tragen die Idee mit. Über das Jugendamt haben die Durkamps Daniel kennengelernt. Damals war er fünf Jahre alt.
Das Jugendamt bereitet zukünftige Pflegeeltern ausführlich auf ihre neue Aufgabe vor. In Pflegeeltern-Seminaren erfahren sie viel über die Entwicklung von Kindern, über den Umgang mit leiblichen Eltern und vieles mehr. Dort können sie sich mit anderen austauschen und alle Fragen stellen, die ihnen selbst wichtig sind. „Uns ist es wichtig, dass die Eltern vorher wissen, was auf sie zukommt“, sagt Hans-Ulrich Kehnen vom Jugendamt des Kreises Minden-Lübbecke. „Wir fragen die Eltern auch nach ihrer Motivation, ein Pflegekind aufzunehmen. Pflegekinder sollen möglichst lange in diesem stabilen Umfeld leben können. Deshalb wollen wir im Vorfeld so viele Unklarheiten wie möglich ausräumen.“
Die Durkamps sind dabei geblieben, und irgendwann stand das erste Kennenlernen in der Jugendhilfeeinrichtung an, in der Daniel damals gelebt hat. Hinterher sollten sie, aber auch Daniel sagen, ob sie sich vorstellen könnten, seine Pflegefamilie zu werden. Für die Durkamps war schnell klar: Ja, wir wollen. Und Daniel ging es genauso: „Ich hab’ mir gedacht, bei euch hab’ ich’s gut“, erzählt Daniel und kuschelt sich bei Andrea Durkamp an.
Dass es am Anfang nicht einfach war, daran kann sich kaum noch jemand erinnern. Über ein halbes Jahr haben sich Daniel und seine neue Familie angenähert, begleitet von Mitarbeitern des Pflegekinderdienstes vom Jugendamt. „Erst haben nur mein Mann und ich Daniel besucht, dann sind auch unsere Kinder mitgekommen“, sagt Andrea Durkamp. „Wir haben beim Sommerfest in der Jugendhilfeeinrichtung gemeinsam in der Hüpfburg gespielt“, weiß ihre Tochter Sandra* (19) noch. Sie findet es toll, einen kleinen Bruder zu haben. „Dadurch ist es in unserer Familie viel lebendiger, offener und herzlicher geworden.“
Daniel kann sich bis heute erinnern, dass er mit einem großen Willkommensschild empfangen wurde. Andrea weiß aber auch noch, dass die ersten zwei Wochen mit Daniel schwierig waren: „Er hat viel getreten und geschimpft.“ „In den ersten Tagen hatten wir schon ein mulmiges Gefühl“, ergänzt ihr Mann Uwe* (52). „Heute gehört er einfach zur Familie dazu. Wir können es uns gar nicht mehr ohne ihn vorstellen.“
Für Daniel und seine jetzigen Geschwister ist das alles schon sehr weit weg. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Familie, tobt durch Haus und Garten, hat viele Freunde, spielt Handball. Nur seine richtige Mutter fehlt ihm trotz allem. „Dass das bei Daniel immer mal wieder hochkommt, das gehört dazu“, sagt Andrea Durkamp. „Nachdem er zu uns gekommen war, hatten wir mit dem Jugendamt wieder einen Kontakt zu seiner leiblichen Mutter aufgebaut, den hat sie aber leider vor anderthalb Jahren abgebrochen.“ Vor Weihnachten hatte Daniel ihr einen langen Brief geschrieben. Leider hat sie sich bis jetzt noch nicht gemeldet, aber die Tür bleibt weiter offen.
Der Pflegekinderdienst des Jugendamtes begleitet und berät die Familie kontinuierlich weiter. Wenn nicht zwischendurch ein dringlicher oder aktueller Bedarf besteht, lädt er in etwa halbjährlichen Abständen alle am Hilfeprozess beteiligten Personen zum Hilfeplangespräch ein. Dabei geht es um alle Belange, die das Kind betreffen.
* = alle Namen geändert
Foto: Die Durkamps haben Daniel in ihre Mitte genommen - auch auf dem Trampolin.
Foto: Sabine Ohnesorge / Kreis Minden-Lübbecke.