Hilfe in Notfällen: Kreis sucht Familien für Bereitschaftspflege
Kreis Minden-Lübbecke, 21.05.2008
Hilfe in Notfällen: Kreis sucht Familien für Bereitschaftspflege
Überforderte Eltern, familiäre Nöte, akute Erkrankungen, Suchtprobleme, plötzliche Todesfälle: Gründe wie diese zwingen das Jugendamt des Kreises Minden-Lübbecke immer wieder dazu, Kinder in seine Obhut zu nehmen. „Das Wohl der Kinder steht bei einer solchen Entscheidung an erster Stelle“, betont Günter Bierbaum vom Pflegekinderdienst des Jugendamtes. Damit kleinere Kinder im Notfall nicht in Heimen untergebracht werden müssen, sucht der Kreis Bereitschaftspflege-Familien.
Durchschnittlich 10 bis 15 Kinder pro Jahr muss das Kreisjugendamt in der Bereitschaftspflege unterbringen. Darum ist es wichtig, dass genügend Pflegefamilien bereitstehen. Schließlich kann es jederzeit passieren, dass ein Kind in seinem eigenen Umfeld aus verschiedenen Gründen nicht mehr versorgt werden kann oder sogar gefährdet ist. In solchen Fällen ist schnelles Handeln gefragt, um eine akute Notlage zu entschärfen.
Auch wenn Kinder ihre gewohnte Umgebung nur vorübergehend verlassen, bedeutet das für sie einen tiefen Einschnitt. Oft ist dem akuten Auslöser eine längere Stressphase vorangegangen. „Darum ist es besonders bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter wichtig, dass sie für die Übergangszeit individuell betreut werden“, betont Günter Bierbaum. Deswegen bringt das Kreisjugendamt seit 1994 jüngere Kinder möglichst nicht mehr in Heimen unter, sondern in Familien, wo sie individueller betreut werden können.
„Die Kinder sollen maximal drei Monate in den Bereitschaftspflege-Familien bleiben“, erklärt Andreas Schädler vom Pflegekinderdienst des Kreisjugendamtes. Bis dahin muss das Amt gemeinsam mit den Eltern klären, wie es weitergeht: Können Vater und Mutter ihre Aufgabe wieder übernehmen oder sollte das Kind besser dauerhaft in einer Pflegefamilie leben? Manchmal ist diese Frage schwer zu entscheiden, zuweilen müssen sogar Familiengerichte den Weg festlegen. Die Übergangszeit soll den leiblichen Eltern auch die Chance geben, ihr Leben neu zu ordnen und, so Günter Bierbaum, „das Ruder herumzureißen und die Kinder zurückzubekommen.“
Für die Übergangs-Eltern der Kinder ist diese Phase ebenso spannend wie schwierig. Ein Pflegekind verändert das gewohnte Leben und bringt nicht selten persönliche Probleme mit, weil es eine harte Zeit hinter sich hat. „Wir suchen darum für die Bereitschaftspflege Menschen, die flexibel und belastbar sind und entweder eine pädagogische Vorbildung oder Erfahrung mit eigenen Kindern haben“, verdeutlicht Günter Bierbaum.
Bereitschaftspflege-Familien sollten sich immer klar machen, dass sie ein Pflegekind grundsätzlich nur für eine Übergangszeit aufnehmen. Etwa acht bis neun Monate im Jahr leben verschiedene Pflegekinder bei ihnen, die restliche Zeit dient Urlaub und Erholung - und dazu, das eigene Familiengefüge wieder zu ordnen, falls das notwendig sein sollte. „Bereitschaftspflege ist eine große Herausforderung und manchmal sicherlich eine Belastung“, erklärt Andreas Schädler, „aber die Arbeit lohnt sich: Schließlich geht es um das Wohl und die Zukunft von Kindern.“
Weitere Informationen über die Aufgaben der Bereitschaftspflegefamilien sowie über Rahmenbedingungen und Vergütung bekommen Interessenten beim Jugendamt des Kreises Minden-Lübbecke, Telefon 0571/807-2481, E-Mail g.bierbaum@minden-luebecke.de oder a.schaedler@minden-luebbecke.de. Das Kreisjugendamt ist für alle Kommunen im Mühlenkreis außer Minden, Bad Oeynhausen und Porta Westfalica zuständig. Diese drei Städte haben eigene Jugendämter.