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Hilfe am Telefon bei Konflikten und Gewalt in der häuslichen Pflege

Minden-Lübbecke, 22.01.2010


Hilfe am Telefon bei Konflikten und Gewalt in der häuslichen Pflege

TelefonSeelsorge Ostwestfalen und Kreis Minden-Lübbecke ziehen erste Bilanz

Angehörige zu Hause zu pflegen ist nicht immer leicht. Die TelefonSeelsorge Ostwestfalen (TSOW) bietet zusammen mit dem Kreis Minden-Lübbecke seit einem halben Jahr eine telefonische Begleitung bei kritischen häuslichen Pflegesituationen an. Jetzt ziehen die Beteiligten Sabine Scholz-Hörstmann (stellvertretende Leiterin TSOW), Andrea Strulik (Gleichstellungsbeauftragte Kreis Minden-Lübbecke) und Klaus Marschall (Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange Kreis Minden-Lübbecke) gemeinsam eine erste Bilanz.

“Es tut gut, mit Problemen nicht allein dazustehen, sondern sie zu teilen,“ schildert Sabine Scholz-Hörstmann die Situation vieler Anruferinnen und Anrufer. „Und wenn man sich scheut, immer wieder davon im Familien- oder Freundeskreis zu erzählen, kann es gerade richtig sein, ein Angebot von außen anzunehmen. Viele der Anrufenden sprechen mit uns zum ersten Mal über ihre Sorgen und Nöte in der häuslichen Pflege.“

Andrea Strulik und Klaus Marschall fügen hinzu: „Es ist uns gelungen, auch mit Hilfe unseres gemeinsamen Arbeitskreises, das Thema ‚häusliche Pflege‘ stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken und die damit verbundenen problematischen Seiten nicht zu vergessen. Dazu gehört auch das oft verdrängte und sensible Thema „Häusliche Gewalt in der Pflege“. Die telefonische Begleitung der TSOW leistet hier als Ergänzung zu den bestehenden Beratungsangeboten eine wichtige und engagierte Arbeit.“

Insgesamt führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TSOW, die speziell zum Thema „Häusliche Pflege“ geschult wurden, bislang 41 Gespräche zu dieser Thematik. Der größte Teil der Anrufe betraf die häusliche Pflege eines Elternteils, 75% der Anrufenden waren Frauen. Die meisten der Anrufenden waren zwischen 50 und 59 Jahre alt. Schwerpunkte der Gespräche waren u.a. Schamgefühle, Erschöpfung, mangelnde Anerkennung, Mehrfachbelastungen in Familie und Beruf sowie der Umgang mit Veränderungen von Einstellungen und Gewohnheiten.

Seit Sommer 2009 können pflegende Angehörige, aber auch Pflegebedürftige unter den bekannten kostenlosen Telefonnummern 0800 - 111 0 111 oder 111 0 222 der TelefonSeelsorge Ostwestfalen Konflikte und Probleme in der Pflege zu Hause ansprechen, zum Beispiel wenn Überforderungen in der Pflege zu Aggressionen und Gewalt führen oder wenn sich Pflegende mit Schuldgefühlen aufgrund von eigener Überforderung quälen. Schwierige häusliche Pflegesituationen sollen hierdurch entspannt und Pflegende emotional unterstützt werden.

Entstanden ist das spezielle Angebot der TSOW in Zusammenarbeit mit dem Kreis Minden-Lübbecke im Rahmen des Arbeitskreises „Häusliche Gewalt in der Pflege“, einem gemeinsamen Arbeitskreis von Gleichstellungsstelle und Sozialamt des Kreises. In diesem Arbeitskreis wirken seit Anfang 2008 Fachleute aus Verwaltung, frauenunterstützenden Einrichtungen, Pflegeberatungsstellen, ambulanten Pflegediensten, Wohlfahrtsverbänden, Pflegekassen, der Polizei, Telefonseelsorge und aus dem Bereich Betreuung zusammen.

Um möglichst viele zu erreichen, die Rat und Hilfe bei Konflikten in der häuslichen Pflege suchen, arbeiten Sabine Scholz-Hörstmann, Andrea Strulik und Klaus Marschall daran, dass das Angebot der telefonischen Begleitung noch mehr in der Öffentlichkeit bekannt wird. Je mehr Betroffene das Angebot nutzen, desto mehr verbessert sich die Situation in der häuslichen Pflege.

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