Henning Vieker: »Infektionsherd ist der private Bereich«
Espelkamp. Die Entwicklung der Corona-Pandemie sorgt für eine mittlerweile spürbar aggressive Stimmung bei vielen Menschen im Stadtgebiet. „Das kommt durchaus bei mir an und bereitet mir Sorge“, sagt Bürgermeister Henning Vieker. „Wir können die Krise nur meistern, wenn wir uns nicht auseinanderdividieren lassen“.
Nach wie vor liegen dem Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke keine Hinweise darauf vor, dass das Corona-Infektionsgeschehen in der Stadt Espelkamp auf Gottesdienste zurückzuführen wäre. „Wir kontrollieren hier natürlich weiter regelmäßig, allein bereits 21 Mal seit Verschärfung der Schutzverordnung im November. Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass die Hygienevorgaben von den Gemeinden eingehalten werden“, berichtet Marco Hennig, Leiter der Espelkamp Ordnungsbehörde.
Die Stadt stehe in intensivem Austausch mit den Gemeindeleitungen. „Einfach untersagen können wir Gottesdienste wegen des Grundrechtes auf freie Religionsausübung in der aktuellen Sachlage nicht. Es wäre auch nicht hilfreich. Öffentliche Gottesdienste lassen sich zumindest auf Einhaltung der Regeln kontrollieren. Wenn sich religiöse Zusammenkünfte in den privaten Raum verlagern, wäre das viel schwieriger, ergänzt Matthias Tegeler, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters.
Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass bei Gottesdiensten Mindestabstände eingehalten werden müssen, dass durchgängig eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen ist, ein Gesangsverbot für die Gemeinde besteht und die Kontaktnachverfolgung durch das Führen von Teilnehmerlisten sicherzustellen ist.
Insgesamt unternehme die Espelkamper Stadtverwaltung größte Anstrengungen, um den Herausforderungen der Pandemie Herr zu werden. Henning Vieker: „Wir haben einen Corona-Stab eingerichtet, der regelmäßig tagt. Die Lage wird jeden Tag neu bewertet, um effektiv reagieren zu können“. Das Ordnungsamt habe dabei nicht nur ein Auge auf die Gottesdienste. „Wir kontrollieren natürlich auch die Einhaltung der Quarantänen sowie die Regelungen für den Einzelhandel“.
Wichtig sei auch ein intensiver Informationsaustausch. „Wir suchen das persönliche Gespräch mit allen Beteiligten, verteilen Flugblätter und nutzen verstärkt auch soziale Medien für die Aufklärungsarbeit“, erläutert der Bürgermeister.
Die meisten Infektionen ereigneten sich nachweislich im privaten Bereich oder am Arbeitsplatz. „Das ist der eigentliche Infektionsherd. Betroffen davon sind alle Bevölkerungsgruppen. Und in größeren Familienverbänden verbreitet sich das Virus naturgemäß besonders schnell“. Daher sei es wichtig, dass gerade auch im Privaten die vom Kreis Minden-Lübbecke in Abstimmung mit der Stadt Espelkamp verschärften Kontaktbeschränkungen und die Maskenpflicht am Arbeitsplatz streng eingehalten würden. „Mehr als fünf Personen aus maximal zwei Haushalten dürfen nicht zusammenkommen, Kinder bis 14 Jahre werden dabei nicht mitgezählt“, betont das Stadtoberhaupt.
Die Eindämmung der Pandemie sei möglich, wenn sie von allen Bürgerinnen und Bürgern als gemeinschaftliche Herausforderung begriffen werde. „Die Situation ist ernst. Wir können diese Krise aber meistern – gemeinsam und als Gesellschaft, die zusammenhält“.