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Handeln statt Misshandeln in der Pflege alter Menschen

Kreis Minden-Lübbecke, 02.05.2008

  
Handeln statt Misshandeln in der Pflege alter Menschen

Bei der Pflege alter Menschen kann es sowohl in Pflegeheimen als auch im häuslichen Bereich durch Überlastung der Pflegenden und Stresssituationen zur Anwendung von Gewalt in den verschiedensten Formen kommen. Zum Thema “Häusliche Gewalt in der Pflege” gibt es einen Arbeitskreis von Gleichstellungsstelle und Sozialamt des Kreises Minden-Lübbecke. Hier stellte jetzt Marita Halfen den Verein “Handeln statt Misshandeln - Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter (HsM)” vor.

Ausgangspunkt zur Gründung des Arbeitskreises war das Projekt “Eröffnung von Hilfestrukturen für ältere Menschen als Opfer häuslicher Gewalt” der Gleichstellungsstelle im Jahr 2007. Mitglieder des Arbeitskreises sind ambulante Pflegedienste, Pflegeberatungsstellen, Frauen unterstützende Einrichtungen, Pflegekassen, Betreuer und Polizei.

“Gewalt gegen ältere Menschen umfasst nicht nur körperliche Misshandlung, sondern alles, was gravierende negative Auswirkungen auf die Lebenssituation und Befindlichkeit des älteren Menschen hat, zum Beispiel auch Vernachlässigung”, erläutert Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange des Kreises. Gleichstellungsbeauftragte Andrea Strulik ergänzt: “Von Betroffenen, ihrer Umgebung und den Gewalt Ausübenden selbst wird diese Gewalt häufig nicht als solche wahrgenommen. Man betrachtet sie vielmehr als Privatangelegenheit.”

Im Zentrum des Bonner Vereins HsM steht ein Beratungs- und Unterstützungsangebot, das sich speziell an die älteren Menschen und ihre Angehörigen in belastenden Lebenssituationen richtet. “Der gemeinnützige und unabhängige Verein, der seit 1997 tätig ist, ist der erste dieser Art in Deutschland und hat dadurch eine Vorreiterrolle und Modellfunktion”, so Marita Halfen. Bundesweit gilt HsM als einer der ersten Ansprechpartner bei Fragen zur Gewalt gegen alte Menschen.

Neben Senioren und pflegenden Angehörigen gehören ebenso in der Pflege und Altenarbeit Tätige zu den Zielgruppen der Bonner Initiative. Das Angebot umfasst unter anderem ein Notruf-Telefon, Beratung und Begleitung in kritischen Lebens- und Pflegesituationen, die Weitervermittlung an Hilfsangebote vor Ort, die Unterstützung bei belastenden Arbeitssituationen und Fortbildungsangebote.

Gewaltsame Übergriffe gegen alte und pflegebedürftige Menschen werden häufig nicht aktenkundig, so dass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Licht in dieses Dunkel zu bringen und insbesondere im regionalen Bereich Hilfestrukturen zu entwickeln und erkennbar zu machen, ist das zentrale Anliegen des gemeinsamen Arbeitskreises von Gleichstellungsstelle und Sozialamt des Kreises. “Hierzu bedarf es vielfältiger Kontakte und vertrauensbildender Netzwerke”, empfahl Marita Halfen für die zukünftige Arbeit an diesem Thema im Mühlenkreis.

Bei Gewalt in Pflegesituationen sind Aufklärung, Hilfe und Entlastung gefragt, nicht allein Strafe. Von zentraler Bedeutung ist es, im Einzelfall herauszufinden, in welchen Situationen es zu Gewalthandlungen kommt. Wenn verurteilt wird, ohne zu verstehen, werden die Beteiligten nicht ermutigt, sich mit dem Gewaltgeschehen konstruktiv auseinander zu setzen.
Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang Fortbildungen, besonders auch für pflegende Angehörige. Vor diesem Hintergrund erarbeitet der Arbeitskreis gegenwärtig ein Konzept für eine entsprechende Fortbildungsreihe für pflegende Angehörige.

Weitere Informationen zu HsM unter www.hsm-bonn.de

Ansprechbar beim Kreis Minden-Lübbecke sind Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte, Telefon 0571/807-2109, E-Mail a.strulik@minden-luebbecke.de, und Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange, Telefon 0571/807-2287, E-Mail k.marschall@minden-luebbecke.de.

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