Häusliche Pflege: Hausärzte haben Schlüsselrolle
Minden-Lübbecke, 10.06.2010
Häusliche Pflege: Hausärzte haben Schlüsselrolle
Arbeitskreis „Stationäre Pflege - Hausärzte“ spricht über Gewalt in häuslichen Pflegebeziehungen
Hausärzte haben eine Schlüsselrolle im Zusammenhang mit häuslicher Pflege. Oft sind sie die einzigen, die bei ihren Hausbesuchen Zugang zum Haushalt der pflegebedürftigen Person haben und die häusliche Situation vor Ort einschätzen können. Beim Treffen des Arbeitskreises "Stationäre Pflege - Hausärzte" in der Seniorenresidenz Simeonsglacis in Minden referierten Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Minden-Lübbecke und Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange des Kreises Minden-Lübbecke, zum Thema „Häusliche Gewalt in der Pflege“. Mit dem Vortrag wollen sie für die Thematik der häuslichen Gewalt in der Pflege sensibilisieren.
Der Arbeitskreis „Stationäre Pflege - Hausärzte“ wird von Schwester Lieseltraud Lange-Riechmann, Leiterin des Altenpflegeheims Haus Emmaus, und Petra Thielking, Leiterin des Albert-Nisius-Hauses, gesteuert. Seit zehn Jahren setzt sich der Arbeitskreis dafür ein, einen optimalen Austausch zwischen Hausärzten und Altenpflegeeinrichtungen zu schaffen. Einmal pro Quartal treffen sich alle Leitungen der Mindener Altenpflegeheime mit zwei Vertretern des Hausärzteverbundes – zurzeit Dr. Frederike Reuter-Kosmowicz und Dr. Jürgen Woite. Schwerpunkte des Arbeitskreises sind die Vermittlung von Hilfeangeboten, die individuelle Hilfe bei der verwaltungsmäßigen Abwicklung von Hilfeleistungen und der Austausch von Fachinformationen aus Pflege und Medizin.
Der Vortrag über Gewalt in der häuslichen Pflege soll weder dramatisieren noch Pflegende unter einen Generalverdacht stellen - dies stellten Andrea Strulik und Klaus Marschall zu Beginn ihres Vortrags klar. In den meisten Fällen verläuft die häusliche Pflege harmonische und verantwortungsvoll. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass mangelnde Anerkennung, Erschöpfung, fehlende professionelle Unterstützung, Mehrfachbelastungen in Familie und Beruf und Rollenkonflikte auf Dauer zu Spannungen und Aggressionen führen. Darunter leiden sowohl pflegende Angehörige als auch die Pflegebedürftigen. Hieraus kann Gewalt in ihren unterschiedlichen Formen entstehen, zum Beispiel durch Vernachlässigung, Beschimpfungen, Medikamentenmissbrauch, Freiheitsentzug oder Handgreiflichkeiten.
Andrea Strulik und Klaus Marschall informierten über die themenbezogene Arbeit beim Kreis Minden-Lübbecke, deren Schwerpunkte unter anderem die Transparenz über bestehende Entlastungsangebote und die Sensibilisierung der (Fach-)Öffentlichkeit.
In der anschließenden Diskussion ging es vor allem darum, dass Gewalthandlungen in der häuslichen Pflege in der Regel nicht auf eine kriminelle Gesinnung, sondern auf die starke Belastung der Pflegenden zurückzuführen sind. Deshalb sind in häuslichen Pflegesituationen Hilfe und Entlastung gefragt. Seitens der Heimleitungen wurde auf die entlastende Funktion der Kurzzeitpflege hingewiesen. Nahezu alle Alten- und Pflegeheime bieten Plätze für die Kurzzeitpflege an, die beispielsweise in Krisensituationen, in denen vorübergehend die häusliche Pflege nicht möglich ist, in Anspruch genommen werden kann. Angesichts der Schlüsselrolle, die den Hausärztinnen und Hausärzten bei häuslicher Gewalt in der Pflege zukommt, wollen Andrea Strulik und Klaus Marschall die Zusammenarbeit mit ihnen intensivieren und sie aktiver in die themenbezogene Arbeit einbinden.
Weitere Informationen:
Andrea Strulik
Gleichstellungsbeauftragte
Tel.: (0571) 807-2109, E-Mail: a.strulik@minden-luebbecke.de
Klaus Marschall
Koordinator für Behinderten- u. Seniorenbelange
Tel.: (0571) 807-2287, E-Mail: k.marschall@minden-luebbecke.de