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Häusliche Gewalt bei Menschen mit Behinderungen

PRIO-Vernetzung gegen häusliche Gewalt und Akteurinnen und Akteure der Behindertenhilfe arbeiten zusammen

Wenngleich noch stark tabuisiert, ist Gewalt ein sehr häufiges Thema für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen aber auch für Professionelle, die in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen arbeiten. Frauen und Männer mit Behinderungen sind deutlich häufiger Opfer von Gewalt als Menschen ohne Behinderungen. Vor diesem Hintergrund bearbeiten Gleichstellungsstelle und Sozialamt des Kreises Minden-Lübbecke in enger Zusammenarbeit mit der PRIO-Vernetzung (Prävention-Intervention-Opferschutz) gegen häusliche Gewalt und Akteurinnen und Akteuren der Behindertenhilfe das sensible Thema „Häusliche Gewalt gegen und von Menschen mit Behinderungen“.

Die Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) stellt eine hohe Gewaltbetroffenheit von Frauen und Mädchen mit Behinderungen fest; sie sind zwei bis drei Mal häufiger von Gewalt betroffen als Frauen ohne Behinderungen. „Von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen mit Behinderungen tauchen bereits heute vereinzelt in der Arbeit der frauenunterstützenden Einrichtungen im Kreis Minden-Lübbecke auf, nehmen sie aber generell noch zu selten in Anspruch und sind in den entsprechenden Einrichtungen deutlich unterrepräsentiert“, erläutert Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Minden-Lübbecke.
„Häufig sind bestehende Hilfeangebote noch zu wenig bekannt, nicht barrierefrei zugänglich und/oder nutzbar und es fehlen barrierefreie Informationsmaterialen“, ergänzt Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange des Kreises. Darüber hinaus erkennen manche Betroffenen nicht, dass sie Gewalt erfahren bzw. erfahren haben, die nicht hingenommen werden muss. Zudem fehlt es oftmals an einer Vernetzung zwischen den frauenunterstützenden Einrichtungen und den Akteurinnen und Akteuren der Behindertenhilfe, um im Einzelfall wirksam helfen zu können.
Angesichts dieser Erkenntnisse und Erfahrungen wird das Thema „Häusliche Gewalt gegen und von Menschen mit Behinderungen“ im Kreis Minden-Lübbecke verstärkt systematisch und trägerübergreifend aufgegriffen. Grundlage dieser Arbeit ist ein Facharbeitskreis, der aus Mitgliedern der PRIO-Vernetzung gegen häusliche Gewalt im Kreis Minden-Lübbecke und Akteurinnen und Akteuren der Behindertenhilfe besteht. Kurzfristiges Ziel ist die Organisation eines Fachaustausches auf Kreisebene. Hier sollen sich Menschen mit Behinderungen sowie Fachleute und Einrichtungen aus den Bereichen Gewaltarbeit und Behindertenhilfe zunächst mit ihren Anliegen und Angeboten besser kennen lernen, bevor im nächsten Schritt gemeinsam Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden.

Um Menschen mit Behinderungen verstärkt in die Arbeit einzubinden und mit ihnen in einen Dialog zu treten, referierten Andrea Strulik und Klaus Marschall in der letzten Sitzung des Beirates für Menschen mit Behinderungen der Stadt Minden zur Thematik. Die ausgiebige und lebhafte Diskussion machte deutlich, dass hier ein großes Interesse an der Zusammenarbeit besteht. Der Beiratsvorsitzende Eckhard Rüter hob als Besonderheit hervor, dass im Kreis Minden-Lübbecke neben Frauen und Mädchen als Betroffene explizit auch Jungen und Männer in den Blick genommen werden.

Weitere Gespräche in anderen kreisangehörigen Städten und Gemeinden und Einrichtungen der Eingliederungshilfe sollen folgen.


Kontakt:
Kreis Minden-Lübbecke

Andrea Strulik
Gleichstellungsbeauftragte
Tel.-Nr.: 0571/807-21620
E-Mail: a.strulik@minden-luebbecke.de

Klaus Marschall
Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange
Tel.-Nr.: 0571/807-22870
E-Mail: k.marschall@minden-luebbecke.de
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