Großer Reformer: Berufskolleg informiert über Namenspatron
Kreis Minden-Lübbecke, 09.11.2007
Großer Reformer: Berufskolleg informiert über Namenspatron
Er sei widerspenstig, trotzig, hartnäckig und ungehorsam, ärgerte sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. über seinen Untergebenen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen wurde der Mann berühmt: Karl Freiherr vom und zum Stein genießt bis heute den Ruf eines Reformers, dessen Tatkraft und Weitsicht Preußen vor 200 Jahren auf den Weg in die Moderne führten. Im Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg des Kreises Minden-Lübbecke erinnern jetzt eine Büste, ein Gemälde und eine Gedenktafel an den Namenspatron der Schule.
„Stein hat in einer spannenden Zeit des Umbruchs gelebt. Auch das macht die Beschäftigung mit ihm heute noch sehr lehrreich“, erklärte Landrat Dr. Ralf Niermann bei der Einweihung der Gedenkwand in Minden. Schüler aus der 12. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums im Berufskolleg hatten eine tönerne Büste mit dem Konterfei des Freiherrn modelliert. Dabei stand Ihnen Isolde Merker mit Rat und Tat zur Seite. Als Ergänzung wurden Fakten für eine Informationstafel zusammengetragen. „So macht Geschichte richtig Spaß“, lobte der Landrat die Schüler und Lehrer, die an dem Projekt mitgearbeitet haben.
Komplettiert wird das Gedenkensemble, das einige Tage nach dem 250. Geburtstag des Freiherrn enthüllt wurde, durch ein Gemälde von Dr. Jürgen Soenke (1911-1983). Der langjährige Lehrer des Berufskollegs hatte den Freiherrn 1950 in Öl gemalt. Als Basis dienten dem Pädagogen seinerzeit Zeichnungen mit dem Porträt des Freiherrn, die Julius Schnorr von Carolsfeld und Friedrich Olivier um 1820 angefertigt hatten.
Bevor der Landrat, Kreisdirektorin Cornelia Schöder und Schulleiter Michael Paul gemeinsam mit Schülerin Eva-Katharina Steinmann Bild, Büste und Gedenktafel offiziell enthüllten, erlebten die beiden Gäste aus dem Kreishaus noch eine interessante und informative Präsentation über den Freiherrn, die Schüler im Unterricht vorbereitet hatten. Dazu gehörte auch eine Inszenierung der Theatergruppe aus dem Literaturkurs der 12. Jahrgangsstufe.
Für Landrat Dr. Niermann galt es bei der Präsentation gut aufzupassen, denn Moderator Phillip Brockmeier lud ihn danach zum Freiherr-vom-Stein-Quiz. Gemeinsam mit „Publikumsjoker“ Sina Langewisch zeigte sich der Landrat auf der Höhe und meisterte auch die Eine-Million-Steine-Frage zum Schluss. „Industriespionage“ war der Zweck der Reise, die den Namenspatron des Berufskollegs 1786/87 nach England geführt hatte. Von „Urlaub“, „Flucht vor Napoleon“ oder „Verwandtenbesuch“ konnte keine Rede sein.
1757 wurde Karl Freiherr vom und zum Stein in Nassau geboren, 1831 starb er in Cappenberg. Seine Karriere führte den Juristen im preußischen Verwaltungsdienst auch nach Minden, wo er Oberkammerpräsident der westfälischen Kriegs- und Domänenkammern und damit Leiter der preußischen Verwaltung war. Zwischen 1804 und 1808 war er zweimal preußischer Minister und arbeitete nach der verheerenden Niederlage Preußens gegen Napoleon 1806 an den Stein-Hardenbergschen Reformen mit.
Zwei Jahrhunderte ist das alles her, doch unser heutiges Leben prägen die Reformideen des Feiherrn immer noch mit. Er schuf die Grundlagen für moderne Fachministerien und effizientere Staatsorganisation, setzte die kommunale Selbstverwaltung durch, engagierte sich für Berufsfreiheit, Bauernbefreiung und freies Grundeigentum. Und er war ein Patriot, der einen freiheitlichen deutschen Nationalstaat anvisierte. Ein Mann also, von dem man auch heute noch viele Dinge lernen kann.