Gewaltprävention: Jungenarbeit als wichtige Aufgabe
Kreis Minden-Lübbecke, 14.03.2008
Gewaltprävention: Jungenarbeit als wichtige Aufgabe
„Jungenarbeit als Gewaltprävention“ war das Thema einer Fach- und Informationsveranstaltung, die jetzt auf Initiative des Arbeitskreises Jungenarbeit im Kreishaus stattfand. Etwa 120 Interessierte aus Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und Kindertagesstätten nahmen teil, was die Erwartungen bei weitem übertraf.
Bei der Begrüßung ermutigte der Leiter des Kreisjugendamtes, Helmut Poggemöller, die Teilnehmer dazu, trotz aktueller Überpräsentation jugendlicher Gewalttaten in den Medien den Blick auf den einzelnen Jungen in seiner besonderen Lebenssituation nicht zu verlieren.
Thomas Herold vom Arbeitskreis Jungenarbeit im Kreis Minden-Lübbecke, der die Veranstaltung moderierte, begrüßte als Referenten Olaf Jantz von Mannigfaltig e.V. aus Hannover, der einen medial unterstützten Vortrag zum Thema hielt.
Einleitend ging Olaf Jantz darauf ein, dass Jungenarbeit in der Fachdiskussion die „bewusste Begegnung von Mann zu Junge“ sei, da der Junge den Mann als Modell eigener Männlichkeit verstehe und diesen daher eher annehme. Dennoch sei die Realität von Jungen in der Erziehung überwiegend durch Frauen geprägt. Dieser Mangel an realen männlichen Vorbildern sei durch die stark veränderten Familienstrukturen noch verstärkt worden. Somit bliebe es häufig den Müttern und Frauen überlassen, sich der Probleme der Jungen anzunehmen.
Olaf Jantz verdeutlichte, dass Jungen im Vergleich zu Mädchen zwar viel häufiger als Täter aufträten, sie aber genauso häufig Opfer von Gewalt seien, was in der Öffentlichkeit aber weniger wahrgenommen würde. Dennoch gäbe es verschiedene Ansätze, Jungen zu einem behutsameren Umgang miteinander und auch dem anderen Geschlecht gegenüber zu ermutigen. So führe Mannigfaltig e.V. regelmäßig Selbstbehauptungskurse durch, die die Jungen befähigen sollen, eigene Grenzen wahrzunehmen, Stärken zu erkennen und alternative Handlungsmuster kennenzulernen.
Auch sei es wichtig, die besonderen jungentypischen Bedürfnisse zum Beispiel nach Raum und Bewegung zu berücksichtigen. Vor allem sei aber wichtig, in Kontakt mit den Jungen zu kommen und deren Verhalten als Ausdruck ihrer individuellen Lebenssituation zu verstehen.
Anschließend bestand Gelegenheit, sich in altersspezifisch geprägten Arbeitsgruppen über den aktuellen Stand der Jungenarbeit im Kreis Minden-Lübbecke auszutauschen und Ideen für den eigenen Arbeitsbereich zu entwickeln. Dabei wurde deutlich, dass es für in den Bereichen Konflikttraining und Deeskalation schon verschiedee Ansätze gibt, diese aber bisher kaum unter einem geschlechtsspezifischen Aspekt betrachtet wurden. So sei aus der Sicht von Jungen Gewalt durchaus eine Lösung, weil sie sich durch Medien und im Hinblick auf ihre ihnen vermittelten Rollenbilder darin bestätigt sehen. Wichtig sei, Alternativen zu Verfügung zu stellen, um vorhandene Aggressionen auch abbauen zu können.
Im abschließenden Plenum wurden die Arbeitsergebnisse präsentiert. Olaf Jantz stellte ein Beispielprojekt für Gewaltprävention vor. Thomas Herold verwies darauf, dass es im zweiten Jahresabschnitt eine weitere Veranstaltung zum Thema Jungenarbeit geben wird. Außerdem verwies er auf den Arbeitskreis Jungenarbeit. Interessierte können sich bei Burkhard Schäkel vom Jugendamt des Kreises Minden-Lübbecke melden, Telefon 0571/807-2469.