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Getrennt erziehen – gemeinsam Feiern?

Kreis Minden-Lübbecke, 11.12.2007

 
Getrennt erziehen – gemeinsam Feiern?

Was können Scheidungseltern bei der Planung der Weihnachtszeit berücksichtigen, um Stress zu vermeiden? Sabine Häderle und Thomas Herold von der Beratungsstelle für Schul- und Familienfragen für den Kreis Minden-Lübbecke geben Tipps und Anregungen.

„Ich möchte aber, dass Papa wie immer mitfeiert“ Damit hatte Frau S. nicht gerechnet. Nach einer zermürbenden Trennungsphase hatten sich die Eltern des neunjährigen Daniel im Herbst getrennt. Alles schien sich endlich ein wenig zu entspannen. Mutter und Vater konnten sich darüber einigen, dass Daniel weiterhin bei der Mutter lebt. Darüber hinaus spielte sich die 14-tägige Besuchsregelung so langsam ein.

Aber mitten in der Adventszeit fiel Frau S. aus allen Wolken: Daniel wollte unbedingt zusammen mit dem Vater Weihnachten feiern, obwohl sie es schon ganz anders geplant hatte. „Gerade in der Nachtrennungsphase ist es wichtig, die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder im Blick zu haben!“ betont Sabine Häderle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle kennen sich mit der Thematik gut aus. Zum Angebot gehört auch der Kurs „Trennung und Scheidung: eine Herausforderung in der Erziehung“. Dort erarbeiten Eltern eigene Lösungsansätze und bekommen Tipps und Anregungen.

Wie bei jeder guten Familienfeier gibt es nicht die eine, richtige Lösung. Es kommt vielmehr darauf an, sich über die eigenen Vorstellung und Wünsche im Klaren zu sein. Das Machbare ist vom Utopischen zu unterscheiden und eine gute Mischung von Bewährtem und Neuem zu finden. Daniels Eltern sollten sich also zunächst die Frage stellen, ob sie überhaupt gemeinsam feiern wollen und können. Oder ist gar zu befürchten, dass unter dem Tannenbaum ein aktueller Streit eskaliert und die ganze gute Stimmung vermiesen könnte? Dann spräche vieles gegen ein gemeinsames Weihnachtsfest.

Darüber hinaus sollten die Eltern abklären, ob der Wunsch von Daniel lediglich ein Versuch ist, Mutter und Vater als Paar wieder zu vereinen. Thomas Herold rät dann von einer gemeinsamen Feier ab und empfiehlt eine andere Lösung: „Für Kinder sind unberechtigte Wiedervereinigungs-Phantasien nicht förderlich und behindern die Verarbeitung der Trennung!“ Dann kann es hilfreicher sein, wenn  Mutter und Sohn dieses Jahr und Vater und Sohn nächstes Jahr zusammen feiern. Je klarer und sicherer die Eltern diese Entscheidung vor Daniel vertreten können, desto eher kann er dann damit umgehen. Und sich vielleicht sogar über eine „doppelte“ Bescherung freuen.

Wie auch immer sich die Eltern mit Daniel entscheiden werden: Das Weihnachtsfest kann für alle schön werden, wenn es den Erwachsenen gelingt, ihre Konflikte angemessen zu klären und gleichzeitig die Kinder im Blick zu behalten. Und das gilt natürlich auch für Familien, in denen Mutter und Vater zusammen leben! Der nächste Elternkurs findet übrigens im Frühjahr 2008 statt. Informationen gibt es bei der Beratungsstelle für Schul- und Familienfragen unter 0571-828760.

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