Gemeinsam gegen multiresistente Erreger
Kreis Minden-Lübbecke, 19. Juli 2011
Gemeinsam gegen multiresistente Erreger
Fortbildungsveranstaltung im Kreishaus
Das Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke und die Universität Bielefeld (Fakultät Gesundheitswissenschaften) haben im Zuge der owl-weiten Netzwerkarbeit gegen resistente Erreger zu einer Fortbildung für medizinische Fachkräfte ins Kreishaus in Minden eingeladen. "Nur gemeinsam können wir der Verbreitung von MRSA-Erregern entgegen wirken," sagte Landrat Dr. Ralf Niermann zu Beginn der Veranstaltung. "Schließlich machen die Erreger nicht vor Stadt- und Kreisgrenzen halt." Die Veranstaltung traf auf ein breites Publikum von Ärzten der großen Krankenhäuser im Kreis, Hygienefachkräften, Hausärzten, niedergelassenen medizinischen Fachkräften aber auch politischen Vertretern.
Alle Referentinnen und Referenten waren sich darin einig, dass jeder Antibiotikaeinsatz, ob beim Menschen oder in der Tierhaltung, unweigerlich Resistenzen hervorruft und dass nur der rationelle Einsatz der Antibiotika diese Entstehung verlangsamen kann.
Auf besonderes Interesse stießen die Ergebnisse einer Untersuchung zur Häufigkeit von MRSA in den Mühlenkreiskliniken, die Prof. Dr. Franz-Josef Schmitz vorgestellt hat. Das Johannes Wesling Klinikum liegt mit einer Rate von lediglich ca. 1,2 Prozent MRSA-besiedelter Patienten deutlich unter dem erwarteten Bundesdurchschnitt von 3 bis 5 Prozent. Auch beispielsweise Dialysepatienten, die bundesweit als besonders betroffen gelten, haben im Kreis Minden-Lübbecke kein erhöhtes Risiko, mit MRSA besiedelt zu sein. Eine mögliche Erklärung für die positiven Ergebnisse ist die gute hygienische Arbeit der hiesigen Dialyseeinrichtungen. Prof. Schmitz betonte, dass es nicht nur wichtig ist, resistente Erreger zu ermitteln, sondern immer auch die persönliche Hygiene und hier besonders die Händehygiene nicht zu vernachlässigen, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.
Tipps zum gezielten Antibiotikaeinsatz gab Dr. Robin Köck vom Institut für Hygiene der Universität Münster. 80 Prozent aller Atemwegserkrankungen im ambulanten Bereich werden durch Viren ausgelöst. In diesen Fällen kann auf Antibiotika verzichtet werden. Patientinnen und Patienten erwarten oft eher, dass der Arzt den Einsatz von Antibiotika vermeidet. Sollten Antibiotika angewendet werden, dann nach Möglichkeit individuell angepasst an den Krankheitserreger und ausreichend hoch dosiert. Bei zu geringer Dosis kann die Behandlung erfolglos verlaufen und es können sich Resistenzen entwickeln.
Über die Entwicklung der Netzwerkarbeit der Gesundheitsämter zusammen mit der Universität Bielefeld sprach Prof. Claudia Hornberg von der Universität Bielefeld. Auf der mittlerweile gut genutzten Internetseite des Netzwerks www.mrsa-owl.net finden Fachleute ebenso wie Angehörige und Patienten eine Vielzahl von Informationen und Antworten rund um die multiresistenten Erreger. Darüber hinaus finden sich Fachinformationen zum Umgang mit Patientinnen und Patienten in verschiedenen Einsatzbereichen wie Krankenhäusern, Arztpraxen, Rettungsdiensten, häuslicher Pflege und für Angehörige. Die zukünftige Netzwerkarbeit soll auf weitere resistente Krankheitserreger ausgeweitet werden.