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Einweihung des Tiszakécske-Platzes und Feier des 25-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläum mit der Stadt Bad Liebenwerda

Lübbecke. Am Freitag, 14. August, wurde von Lübbeckes Bürgermeister Eckhard Witte und dem Bürgermeister der ungarischen Partnerstadt, Herrn Janos Tóth, sowie Mitgliedern des Tiszakécskei Város Sportegysülete und dem FC Lübbecke der Tiszakécske-Platz an der Stadthalle Lübbecke feierlich eingeweiht. Darüber hinaus fand am Samstag, 15. August, die Feier zum 25-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläum mit der Stadt Bad Liebenwerda statt. 

Nachdem es bereits die Dorchesterstraße, die Bayeuxallee und die Liebenwerdaer Straße in Lübbecke gibt, wurde nun eine passende Örtlichkeit gefunden, um die Bedeutung der Städtepartnerschaft mit der Stadt Tiszakécske in Ungarn zum Ausdruck zu bringen. Im letzten Jahr wurde bereits mit gegenseitigen Besuchen das 25-jährige Städtepartnerschaftsjubiläum gefeiert. Der Austausch der Sportvereine aus den beiden Städten wurde nun zum Anlass genommen, den Platz offiziell einzuweihen. 

Der Beginn der Freundschaft zwischen den Sportlern aus Lübbecke und Tiszakécske war tatsächlich ein Zufall – besser gesagt: ein Glücksfall. Die Jugendgruppe einer sozialen Einrichtung aus dem Mindener Raum besuchte im Sommer 1986 ein Zeltlager am Ufer der Theiß. Der Busfahrer des Lübbecker Reiseunternehmens wurde von seinem ungarischen Vermieter, der zugleich Vorsitzender des Tiszakécsker Sportvereins war, angesprochen, ob dieser die Möglichkeit sehe, mit einem Sportclub aus dem Westen Deutschlands in Kontakt zu treten. Da der Busfahrer Lübbecker war, wandte er sich an den heimischen Sportverein FC Lübbecke und weckte dort das Interesse. Bereits im Juni 1987 kam es zu einem Besuch von 43 ungarischen Sportlern in Lübbecke. Vorausgegangen war ein umfangreiches Genehmigungsverfahren über die Botschaften beider Länder. Personen der ersten Stunden waren von ungarischer Seite Herr Imre Oroszi (1. Vorsitzender des Sportvereins), Herr Tamas Szabo (Geschäftsführer) und Herr Istvan Misko (Bürgermeister und Parlamentsabgeordneter in Budapest). Von Lübbecker Seite waren es Ernst Ober Entgelmeier, das Ratsmitglied Fritz Warmann, Bürgermeister Günter Steinmeyer, Stadtdirektor Heinz Tiemeyer und später Stadtdirektor Wilhelm Stodollick. 

Seit dem Jahre 1987 finden jährliche sportliche Austauschbegegnungen zwischen den beiden Vereinen im Wechsel in Lübbecke und Tiszakécske statt. Die Beziehungen zwischen den Sportlern der beiden Städte haben sich kontinuierlich weiterentwickelt. Am 11. Juni 1989 besiegelten die Vertreter der Städte Tiszakécske und Lübbecke in feierlicher Form ihren Willen zu Partnerschaft und Freundschaft. Voraussetzung hierfür ist von zahlreichen Mitgliedern und Freunden in beiden Sportvereinen ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft und Treue zur Partnerschaft. 

Besonders zu erwähnen ist Ernst Ober Entgelmeier, der aufgrund seines jahrelangen Engagements in Sachen Städtepartnerschaft im letzten Jahr sogar zum Ehrenbürger der Stadt Tiszakécske ernannt worden ist. Im nächsten Jahr findet das 30. Treffen zwischen den Sportlern aus Lübbecke und Tiszakécske statt. Diese gegenseitigen Besuche haben dazu geführt, dass sich auch über den sportlichen Bereich hinaus zahlreiche Kontakte anderer Vereine, Schulen, Musikgruppen, Kirchen, Polizei und Feuerwehr entwickelt haben. Vor allem auf privater Ebene wurden vielfältige Freundschaften - sogar Eheschließungen - geknüpft. 

Eine große Delegation aus Bad Liebenwerda war ebenfalls an diesem Wochenende zu Gast in Lübbecke, um das 25-jährige Städtepartnerschaftsjubiläum zu feiern. Die Reisegruppe bestand aus dem Bürgermeister der Stadt Bad Liebenwerda, Herrn Thomas Richter, Vertretern von Politik und Verwaltung, Mitgliedern des Schwimm-, Angel- und Rassegeflügelzuchtvereines, Mitgliedern der Kirchengemeinde und der Big Band Bad Liebenwerda. Dank des Auftrittes der Big Band erhielt die Feierlichkeit am Samstag in der Stadthalle Lübbecke einen besonderen Rahmen und eine tolle Stimmung. Um die Unterbringung der Musiker kümmerte sich Karl Kühn, der einige Gastfamilien mobilisierte. 

Die Bürgermeister erinnerten in Ihren Reden an die Anfänge der Städtepartnerschaft und an den Mauerfall vor 25 Jahren. Die Vereine und Institutionen, die sich in den vergangenen 25 Jahren für den Aufbau und den Ausbau der Städtepartnerschaft eingesetzt haben, wurden lobend erwähnt. Als besonderes Geschenk überreichte Bürgermeister Richter dem Lübbecker Bürgermeister Eckhard Witte einen Spruchstein für die Lange Straße. Auf ihm befindet sich ein Spruch von Christian Morgenstern: „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.“ Nach weiteren spontanen Gesangs- und Showeinlagen von einigen Mitgliedern der Big Band Bad Liebenwerda zog es viele der Gäste noch auf das Bierbrunnenfest. Dort hatte die Big Band am Sonntagnachmittag bei leider regnerischem Wetter einen weiteren Auftritt.

Im Oktober 1987 beantragte die Fraktion der Grünen im Rat der Stadt Lübbecke, „partnerschaftliche Beziehungen zu einer Stadt in der DDR aufzunehmen“. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte diesem Anliegen grundsätzlich zu. Konkret wurde die Stadt Bad Liebenwerda ins Auge gefasst, da es zu Bad Liebenwerda bereits freundschaftliche Kontakte gab. Im April 1989, als das Ehepaar Voigt aus Bad Liebenwerda in Lübbecke zu Besuch war, trug man den Wunsch auf eine Städtepartnerschaft vor. Mit dem Kantor der Kirchengemeinde Bad Liebenwerda und dem Lübbecker Pfarrer Feldmann wurden dahin gehende Gespräche geführt - die Chancen auf eine Verwirklichung einer offiziellen Städtepartnerschaft standen aber schlecht. 

Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 lebte der Wunsch nach einer Städtepartnerschaft wieder auf. Am 2. Dezember wirkte die „Partnerkantorei Lübbecke/Westfalen“ ganz offiziell bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums mit. Auf Bitten von Kantorin Hildtrud Wolff nahm auch Reinhard Bartmann von der Lübbecker Stadtverwaltung an der Fahrt teil. Dieser überbrachte einen Brief von Bürgermeister und Stadtdirektor aus Lübbecke mit dem Angebot einer Städtepartnerschaft und führte vielversprechende Gespräche mit dem Rat der Stadt Bad Liebenwerda und dem Kreis. Was nur wenige Monate vorher undenkbar schien, ging dann plötzlich ganz schnell: Schon am 14. Dezember 1989 beschlossen der Rat der Stadt Lübbecke und die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bad Liebenwerda jeweils einstimmig, eine Städtepartnerschaft einzugehen. Im Mai in Bad Liebenwerda und am 17. Juni 1990 in Lübbecke besiegelten die Repräsentanten der Städte Bad Liebenwerda und Lübbecke (Bürgermeister Ernst Riedel sowie Bürgermeister Günter Steinmeyer und Stadtdirektor Hans-Wilhelm Stodollick) schließlich schriftlich in feierlichen Form ihren Willen zu Partnerschaft und Freundschaft.

Text und Fotos: Sarah Bollmeier

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