Drei regionale Energiegenossenschaften gestalten Energiewende mit
Energiewende von Menschen für Menschen vor Ort – diesen Geist verbreiteten die Vertreter von drei regionalen Energiegenossenschaften am Abend des 19. November im Bürgerhaus Espelkamp. „Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass Energiewende nicht nur bedeutet, dass Windräder das Landschafts-bild negativ beeinträchtigen, sondern dass Menschen diese Wende selbst mitgestalten und davon auch gesellschaftlich wie finanziell profitieren können“, erklärt Espelkamps Klimaschutzmanagerin Julia Bachmann die Motivation hinter der Veranstaltung.
Sie hatte die WeserWatt Energiegenossenschaft für Minden und Umgebung, die Bürgerenergie Mühlenkreis und die Energie-für-uns eG eingeladen, aus dem Leben und Wirken ihrer Energiegemeinschaft zu erzählen.
Gleich zu Beginn hatte die WeserWatt Energiegenossenschaft gute Neuigkeiten zu überbringen, denn am 13. November hat sie die Gründungsprüfung erfolgreich abgeschlossen und darf nun offiziell das „eG“ im Namen tragen. Für die Gründung der Genossenschaften hatten sich mehr Menschen gemeldet als die 34 Personen, die am Ende bei der Gründungsveranstaltung unterschreiben und Anteile zeichnen konnten. Nun geht es für die WeserWatt erst richtig los – man möchte mit Photovoltaikanlagen im Pachtmodell und Batteriespeichern starten. Erste Interessenten, die ihre Dächer zur Verfügung stellen möchten – die Kirchengemeinden – gibt es schon. Sobald erste Projekte spruchreif sind, können Bürgerinnen und Bürger Anteile kaufen.
Die Bürgerenergie Mühlenkreis eG mit Sitz in Hille ist schon ein Stück weiter. Sie hat für ihr Repowering-Projekt von Windenergieanlagen bereits Anteile an 460 Mitglieder verkauft – der Genossenschaft steht somit ein gemeinschaftliches Kapital von 4,2 Mio. Euro zur Verfügung. Für das Vorhaben ist eine Genehmigung beim Kreis Minden-Lübbecke beantragt. Mit den zwei geplanten Windenergieanlagen würde der Anteil von Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Hille 112% betragen.
Mit der Energie-für-uns eG, die 2008 auf Initiative der Volksbank Plus gegründet wurde, gibt es in Minden-Lübbecke schon einen „Alten Hasen“ in diesem Geschäft. Das zeigt sich an den Projekten, die von derzeit 149 Mitgliedern im Kreis Minden-Lübbecke umgesetzt wurden. So befinden sich in Espelkamp Anlagen in den Händen von Bürgerinnen und Bürgern auf den Dächern der Grundschule Am Auewald, der Grundschule Isenstedt, des Jugendzentrums ISY7 und auf dem Dach der Firma Steinkamp. Da es in den letzten Jahren durch die Novellierungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinien und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) immer schwieriger wurde, vor allem durch die Verringerung der Einspeisevergütung, Dach-Photovoltaikanlagen wirtschaftlich zu betreiben, hält die Genossenschaft auch eine Beteiligung an der Bioenergie Lübbecke, die Betriebe im Industriegebiet Lübbecke mit Wärme versorgt.
Attraktiv macht eine Bürgerenergiegenossenschaft nicht nur, dass man vor Ort Energieprojekte mitbestimmt und mitgestaltet, sondern auch, dass Dividende an Mitglieder ausgezahlt werden. So ist Andreas Schwarze, Vorstandsmitglied der Energie-für-uns eG, ein nicht so schönes Erlebnis in Erin-nerung geblieben, dass 2024 den Mitgliedern seit Existenz der Genossenschaft erstmals keine Dividende ausgezahlt werden konnte, da es technische Defekte an den Anlagen gab. Die Ausschüttungen in den Jahren davor lagen aber immer zwischen 4% und 10 %.
Dennoch ist zu betonen, dass Energiegenossenschaften nicht für den Profit arbeiten, sondern sich für eine unabhängige, demokratische, fossilfreie, von Menschen vor Ort gemachte Energiewende zum Wohle aller engagieren. In Nordrhein-Westfalen gibt es weit mehr als 300 Bürgerenergieprojekte und Gesellschaften (Quelle: Netzwerk Energiewende Jetzt). Von den knapp 1.000 Energiegenossenschaften bundesweit mit 220.000 Mitgliedern wurden in diesem Jahr schon 8 Terrawattstunden Strom erzeugt (Quelle: DGRV). Durch die erst kürzlich verabschiedete Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) eröffnet Energiegenossenschaften das Energy Sharing nun die Möglichkeit, den gemeinschaftlich erzeugten Strom über das öffentliche Netz zu verkaufen.