Der Kreis Minden-Lübbecke fördert im Rahmen der Landesinitiative »Durchstarten in Ausbildung und Arbeit« Sprachkurse und Coaching für junge Neuzugewanderte
Wer schon einmal eine neue Sprache gelernt hat, weiß, wie wichtig es ist, die Sprache aktiv anzuwenden. Verständigung ist für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und damit fundamental für eine gelingende Integration, (Aus)Bildung und Arbeit die wichtigste Kompetenz. Zudem ist sie ein bedeutender Teil der Persönlichkeit, ohne Kommunikation können sich die Menschen nicht am aktiven Austausch beteiligen oder weiter entwickeln, deshalb ist die Förderung gerade für junge Neuzugewanderte sehr wichtig.
Im Kreis Minden-Lübbecke leben circa 400 junge Geflüchtete im Alter von 18 bis 27 Jahren, die im Kreis nur geduldet oder gestattet sind und nicht oder nur eingeschränkt von den Unterstützungsangeboten der Arbeitsförderung profitieren können. Der Kreis beteiligt sich deshalb an der Umsetzung der Initiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ des Landes Nordrhein-Westfalen, die mit Hilfe von speziellen Förderangeboten Menschen mit individuellem Unterstützungsbedarf, insbesondere junge Geflüchtete im Alter von 18 bis 27 Jahren, bei ihrem Weg in Ausbildung und Arbeit unterstützen soll.
„Die Aufnahme von Arbeit oder Ausbildung ist ein wichtiger Schlüssel zur Integration. Der Kreis Minden-Lübbecke möchte vor allem jungen Geflüchteten, die geduldet oder gestattet sind, bessere Integrationschancen und Perspektiven eröffnen“, sagt die Kreisschulamtsleiterin Frau Antje Gieselmann.
Unter der Koordination des Kreises sind bereits die ersten Sprachkurse gestartet. Durchgeführt vom Profiling Büro Glaser werden an den Standorten Lübbecke und Minden 23 bereits berufstätige junge Neuzugewanderte begleitend sprachlich mit vier Stunden in der Woche über ein halbes Jahr gefördert.
Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Sprachkurs zunächst digital gestartet. „Mit den berufsbegleitenden Sprachkursen wird den jungen Menschen eine zusätzliche Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse geboten und gleichzeitig soll das Arbeitsverhältnis stabilisiert werden“, sagt Dennis Vogt von der geschäftsführenden Stelle zur Umsetzung des Landesinitiative im Kreis Minden-Lübbecke.
Ab Juni starten voraussichtlich drei weitere Sprachkurse an den Standorten Minden, Bad Oeynhausen und Lübbecke. Durchgeführt werden die Sprachkurse in Kooperation zwischen dem Fach-Werk Minden e.V. und der Ev. Stiftung Ludwig-Steil-Hof. Diese drei intensiven Sprachkurse mit 15 Stunden pro Woche sollen insbesondere jungen Neuzugewanderten ein Sprachförderangebot machen, die bislang durch die klassischen Integrationskurse noch keine Möglichkeit dazu hatten. Im September wird dann noch das einjährige Programm „EQ plus Sprache“ von der VHS Minden/ Bad Oeynhausen neu aufgelegt. Das Ziel des einjährigen Programms ist es, dass die Teilnehmer*innen die Ausbildungsreife erlangen und im Anschluss gut vorbereitet in ein Ausbildungsverhältnis zu starten. Das Programm hat der Kreis bereits 2018 erfolgreich umgesetzt.
Um die Bedarfe der Geflüchteten zu ermitteln, ihnen Wege der Qualifizierung, Ausbildung und Beschäftigung aufzuzeigen und dabei ihre lebensweltliche Situation zu berücksichtigen sowie ihre Motivation zu steigern, haben Anfang 2020 mit Marei Nagel und Tabea Lütkemeier zwei Teilhabemanagerinnen bei der Stadt Espelkamp und der Diakonie im Kirchenkreis Lübbecke e.V. ihre Arbeit im Kreis aufgenommen. Neben den neun Sprachkursen fördert der Kreis Minden-Lübbecke noch bis Ende 2022 zwei Coachingstellen bei der Ev. Stiftung Ludwig-Steil-Hof, damit die jungen Geflüchteten perspektivisch ihren Lebensunterhalt selbständig bestreiten können.
Foto v.l.n.r.: Antje Gieselmann, Dennis Vogt und Cornelia Schöder/Kreis Minden-Lübbecke
Foto: Mirjana Lenz/Kreis Minden-Lübbecke