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Demografischer Wandel: Frauen sind besonders betroffen

Kreis Minden-Lübbecke, 08.02.2008

 
Demografischer Wandel: Frauen sind besonders betroffen

Der demografische Wandel ist in vollem Gange und er betrifft in besonderer Weise Frauen. „Zwei Drittel aller pflegebedürftigen Menschen im Mühlenkreis und neun von zehn Pflegefachkräften sind Frauen“, nennt Landrat Dr. Ralf Niermann nur zwei von vielen Aspekten. Grund genug für den Kreis, das Thema „Frauen im demografischen Wandel“ näher zu beleuchten. Einen Vortrag dazu hielt jetzt die ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin Prof. Dr. Rita Süssmuth vor rund 180 Gästen im Mindener Kreishaus.

Die Politik habe den demografischen Wandel lange tabuisiert, weil man geahnt habe, was für ein gewaltiges Thema er sei, betonte Rita Süssmuth. „Es ist so etwas wie eine Entdeckungsreise“, betonte die Professorin und appellierte an die Frauen, gestaltend an den Veränderungsprozessen teilzunehmen. „Je früher man sich darauf einstellt, desto größer sind die Chancen, produktiv damit umzugehen“, betonte Rita Süssmuth. Es sei entscheidend, die Bürgerinnen und Bürger, die Zivilgesellschaft zu aktivieren.

Der Mensch muss wieder mehr in den Mittelpunkt gestellt werden, erklärt die ehemalige Bundestagspräsidentin. Der Staat müsse mehr in Bildung investieren, lebenslanges Lernen sei nötig. „Fragt jeden Menschen, wo seine Fähigkeiten liegen“, forderte Rita Süssmuth. Auch ältere Menschen seien innovativ und flexibel. „Fördern und kümmern“ heißt die Faustformel der Christdemokratin, „lasst die Menschen erleben, was sie können.“

In ihrem eindrucksvollen Vortrag berührte Rita Süssmuth verschiedene Problemfelder rund um die Demografie und ihre Folgen. Gerade angesichts des in der Folge des Bevölkerungsrückgangs nahenden Fachkräftemangels in der Wirtschaft müssten Familie und Beruf besser vereinbar werden als heute. In Ausbildung und Studium fehle es an der Vermittlung von Sozialkompetenz. Gerade hier haben Frauen nach Süssmuths Überzeugung ihre Stärken: „Das können Frauen besser.“

Generell fordert die Politikerin, dass die Menschen an den Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen rund um den demografischen Wandel beteiligt werden müssen. Das eröffne Möglichkeiten und nehme Ängste. Viel Engagement sei gefragt, zum Beispiel bei der Suche nach neuen Wohnformen für die Zukunft, nach besseren Betreuungsangeboten für Kinder, nach einer besseren Balance zwischen Individuum und Gesellschaft. Rita Süssmuths Fazit nach einem mit viel Applaus bedachten Vortrag: „Gestaltung ist möglich. Ergreifen wir die Möglichkeiten miteinander.“

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