Damit zukünftige Fachkräfte ihren Ausbildungsplatz finden
Case Management im Kommunalen Integrationsmanagement KIM des Kreises Minden-Lübbecke
Mit dreizehn Jahren kam er allein nach Deutschland: Hassan Naser hat einen sehr weiten Weg hinter sich. Der mittlerweile 21-Jährige ist zunächst mit seiner Familie vor dem Krieg aus Syrien in den Irak geflohen. Von dort ist er dann alleine weiter über die Türkei und die gefährliche Mittelmeer-Route im Schlauchboot nach Griechenland. „Auf dem Weg sind viele gestorben“, erinnert sich Hassan. „Und in Griechenland habe ich erstmal auf der Straße geschlafen.“ Über Kroatien und Österreich ist er bis nach München gekommen, von dort wurde er in einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe in Velbert untergebracht. Hier lebte er zwei Jahre und kam dann in Minden bei der Diakonie Stiftung Salem wieder in eine neue Wohngruppe. An der internationalen Klasse der Bischof-Herrmann-Kunst-Schule in Espelkamp hat er die deutsche Sprache gelernt und dann seinen Hauptschulabschluss gemacht. Das reichte ihm aber nicht: „Die Berufe, die ich machen möchte, kann ich damit nicht lernen“, sagt Hassan. Also ging er auf das Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Minden für seinen Realschulabschluss. Mittlerweile wohnt er nicht mehr in der Wohngruppe, sondern mitten in Minden. Sein Traum wäre es, bei der Polizei oder beim Zoll zu arbeiten. „Ich hatte dort sogar schon einen Termin, aber mir fehlt die deutsche Staatsbürgerschaft.“
Mit der Hilfe von Steffen Siekmeier aus dem Kommunalen Integrationsmanagement (KIM) des Kreises Minden-Lübbecke hat Hassan mittlerweile einen Ausbildungsplatz zum Pflegefachmann an der Akademie für Gesundheitsberufe in Minden. Das Case-Management des KIM unterstützt unter anderem Jugendliche und junge Erwachsene wie Hassan mit Flucht- oder Migrationsgeschichte an den Berufskollegs in Minden und Lübbecke. Gemeinsam mit den Lehrkräften und der Schulsozialarbeit unterstützt das KIM Case-Management sie auf dem Weg ins Berufsleben. Sie legen gemeinsam Ziele fest, schauen, welche Vorgaben erfüllt werden müssen, welche Qualifikationen und Unterlagen notwendig sind. „Mit Hassan habe ich mich intensiv um alles rund um Berufsfindung und Bewerbungen gekümmert“, sagt Siekmeier. „Er hatte zum Beispiel keine Geburtsurkunde im Gepäck, die brauchte er hier aber.“ Siekmeier kennt die richtigen Anlaufstellen und weitere Unterstützungsmöglichkeiten. Eine Zeitlang haben er und Hassan sich mehrmals in der Woche getroffen, um alles gut vorzubereiten. Mit Erfolg: Seit gut einem halben Jahr macht Hassan jetzt seine Ausbildung zum Pflegefachmann und hat auch schon den ersten Praxisteil am Johannes Wesling Klinikum absolviert. „Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt Hassan. Nur die vielen Fachbegriffe in der Theorie fallen ihm manchmal etwas schwer. Dabei spricht er vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Kurdisch und Arabisch. Dass er in mehreren Sprachen auf die Menschen zugehen kann, kann auch in seinem späteren Beruf hilfreich sein. Und auch wenn ihm die Ausbildung zum Pflegefachmann Spaß macht: Den Traum vom Polizeidienst hat er noch nicht aufgegeben. Egal wie es weitergeht, Aufgeben kommt für ihn ohnehin nicht infrage: „Ich mache immer weiter.“
Für alle, die sich interessieren: Das KIM ist bei der Ausbildungsmesse Azubi Vibes vom 23. bis 25. Mai am Stand mit der Nummer 1.40 zu finden.
Foto: Hassan Naser (li.) mit Steffen Siekmeier. Fotos: Sabine Ohnesorge (Kreis Minden-Lübbecke)