Betriebsausschuss informiert sich auf der Mülldeponie Kolenfeld über die O-Tonne
Kreis Minden-Lübbecke, 14.09.2011
Einfach und schlicht muss die neue Wertstofftonne sein.
Betriebsausschuss informiert sich auf der Mülldeponie Kolenfeld über die O-Tonne
Eine Abfalltonne, in die man Yoghurtbecher, Handys, eine Jeans und einen abgebrochenen Fahrradständer werfen kann? Ein Abfallsystem das hygienisch und einfach ist? Eine zusätzliche Tonne ohne Erhöhung der Gebühren? Der Betriebsausschuss des Abfallentsorgungsbetriebes des Kreises Minden-Lübbecke (AML) hat sich über das System Wertstofftonne auf der Mülldeponie Kolenfeld bei Hannover informiert.
Die Region Hannover und das eigene Abfallunternehmen Zweckverband Abfallwirtschaft Hannover (aha) testen in einem Pilotprojekt die Praxis der Wertstofftonne. Die Geschäftsführerin Kornelia Hülter führte die Besucher aus dem Mühlenkreis über die Sortieranlage in Kolenfeld und stellte den Mitgliedern des Betriebsausschusses das System der Hannoverschen O-Tonne vor.
Die Wertstofftonne heißt in Hannover O-Tonne und setzt sich farblich mit einem orangen Deckel von den anderen Abfalltonnen ab. Elf verschiedene Städte und Gemeinden (von 21 in der Region Hannover) sind im Augenblick an dem Pilotprojekt beteiligt. Bei den niedersächsischen Testhaushalten handelt es sich ausschließlich um Ein- bzw. Zweifamilienhäuser. „Das Strategische Ziel ist eine Steigerung der Verwertbarkeit von Metallen, Kunststoffen und stoffgleichen Nichtverpackungen“, erklärte Hülter. Sie sieht in der Wertstofftonne auch eine Verbesserung für den Klimaschutz weil das Sammeln, Sortieren und Verwerten optimiert werde.
Die aha befragt regelmäßig die teilnehmenden Haushalte. Die O-Tonne erfreut sich großer Beliebtheit und wird von 89 Prozent der teilnehmenden Haushalte (über 300.000 Einwohner) als kundenfreundlich, hygienisch und einfach eingestuft. „Die Zeiten, in denen Gelben Säcke durch den Wind langsam die Straße entlang geweht wurden und womöglich aufrissen, gehören der Vergangenheit an.“ resümierte Hülter. Durch die gezielte Verwertung der Inhalte aus der O-Tonne kann die aha diesen Service gebührenfrei anbieten.
Die Diskussion geht auf eine Novellierung des Kreiswirtschaftsgesetzes zurück, die durch die Abfallrahmenrichtlinie der EU angestoßen wurde. Ziel ist es, neben der getrennten Sammlung von Abfällen mit dem „Grünen Punkt“ auch die Wertstoffe die nicht zum Dualen System gehören zu sammeln und zu verwerten.
Der Kreis Minden-Lübbecke, zuständig für die Abfallentsorgung, plant in Zusammenarbeit mit der Firma Tönsmeier, den Gemeinden und der Verbraucherzentrale zurzeit ebenfalls einen Modellversuch der Wertstofftonne für Teile der Städte Minden und Espelkamp. Für die Einwohner im Kreis Minden-Lübbecke soll ein bürgerfreundliches System geschaffen werden. Die Firma Tönsmeier in Zusammenarbeit mit dem Dualen-System-Deutschland (DSD) hatte für die Stadt Espelkamp ebenfalls eine Antrag beim Kreis für einen Modellversuch gestellt, der nun in den Kreismodellversuch integriert wird. In den beiden Testgebieten sollen ca. 1000 Einwohner die sonst im Restmüll entsorgten Wertstoffe mit der neuen Tonne sammeln. Die Wertstoffe werden dann in geeigneten Anlagen zum Beispiel auf der Pohlschen Heide sortiert und von den Zuständigen verwertet.
Der vom Kreistag geplante Starttermin zum 1. November 2011 kann nicht realisiert werden, da die DSD-Systembetreiber nach Aussage der Firma Tönsmeier bisher nicht zustimmen. Ein weiterer Grund dafür ist, dass in Nordrhein-Westfalen als einziges Bundesland die Zuständigkeit für Einsammlung und Transport der Abfälle bei den Städten und Gemeinden liegt, die Entsorgung aber bei den Kreisen bzw. kreisfreien Städten und hierdurch die kommunalen Aktivitäten erschwert werden. Dezernent Jürgen Striet und die Mitglieder des Betriebsausschusses sind über die derzeitige Entwicklung sehr erstaunt und befremdet. “Es sei nicht nachvollziehbar, dass in umliegenden Kreisen für mehrere 100.000 Einwohner (z.B. auch im Landkreis Diepholz) die Verwertung kommunal möglich und im Kreis Minden-Lübbecke ein Modellversuch mit 1000 Einwohnern nicht durchsetzbar ist. Sollten die DSD-Systembetreiber weiterhin "mauern", so müsste auch nach Alternativen gesucht werden.“ sagte Striet.