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Aufwind trotz Aschewolke

Minden-Lübbecke, 22.04.2010


Aufwind trotz Aschewolke

Kreis Minden-Lübbecke auf der Hannover Messe

Etwas weniger Gedränge als sonst hatten die Vertreter des Kreises Minden-Lübbecke in diesem Jahr auf der Hannover Messe. Wegen der durch die Aschewolke aus Island ausgelösten Flugverbote konnten viele Aussteller und Besucher nicht anreisen. Ohne Hindernisse verlief dagegen der Besuch von Landrat Dr. Ralf Niermann, dem Dezernent für Wirtschaft und Finanzen sowie Kreiskämmerer Hartmut Heinen, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Strukturförderung und Kultur Swen Binner und der stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses und stellvertretenden Landrätin Birgit Härtel bei acht der insgesamt elf Unternehmen aus dem Kreis Minden-Lübbecke begleitet von Vertretern der Medien des Kreises.

In allen Gesprächen war gerade im Gegensatz zum Vorjahr deutlicher Optimismus spürbar. So hat die Firma Harting (Espelkamp, Minden und demnächst Rahden) ihren Umsatz in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres um 11,2 Prozent gesteigert. Margrit, Dietmar und Philip Harting zeigten sich im Gespräch mit der Delegation aus dem Kreis zufrieden. "Wir hatten einen sehr guten Auftragseingang in den vergangenen Monaten," sagte Philip Harting, Vorstand Connectivity & Networks. Auf der Messe präsentiert das Unternehmen unter anderem seine neuste Innovation: den Steckverbinder Han Yellock. Der Name des beidseitig montierbaren Steckers setzt sich zusammen aus den englischen Worten für Gelb (Yellow) und Schloß (Lock) und benennt damit die größte Neuerung. Die gelben Druckknöpfe rasten hörbar ein, wenn die Verbindung steht. Ist der Stecker offen, ist am Rand des Knopfes ein roter Ring zu sehen. "Das über die Jahre angesammelte Wissen unserer Mitarbeiter ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können," so Harting. "Unser Wettbewerbsvorteil ist die Innovation."

Auch die Firma WAGO (Minden) zeigt auf der Hannover Messe ihre Neuheiten. Sie geht mit vier neuen Linien auf den Markt. "Dreieinhalb Jahre haben wir an jeder Linie gearbeitet," sagte Geschäftsführer Sven Hohorst, "für Produkte, die sicherer, platzsparender, einfacher bedienbar und preiswerter sind." Nach deutlichen Rückgängen im vergangenen Jahr ist Hohorst mit der Auftragslage 2010 sehr zufrieden. "Wir sind schon immer gewachsen durch Innovationen." Landrat Dr. Ralf Niermann teilt den Optimismus: "Das tut dem Unternehmen gut, und das tut der Region gut."

Neben Unternehmen wie Harting und WAGO, die schon seit vielen Jahren auf der Hannover Messe vertreten sind, besuchten Dr. Niermann, Hartmut Heinen, Swen Binner und Birgit Härtel auch einige Messe-Neulinge. Die Wortmann AG (Hüllhorst) ist schon seit fast 25 Jahren erfolgreich und etabliert. In diesem Jahr war sie zum ersten Mal in Hannover. Als eine der wenigen Unternehmen ist Wortmann 2009 von Rückgängen verschont geblieben. "Wir hatten einen Zuwachs von 12 Prozent," sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und Abteilungsleiter Einkauf, Thomas Knicker. "85 Prozent unserer Umsätze machen wir in Deutschland. Wir sind kundenorientiert und standorttreu." Dr. Niermann hob die hohe Ausbildungsquote des Unternehmens von 20 Prozent hervor. Alle Auszubildenden werden übernommen.

Als neu gegründete Unternehmen besuchten die Kreisvertreter die Firma Madlehn (Porta Westfalica), die ihre Neuentwicklung eines Kabellösers präsentiert, und TrueEnergy (Bad Oeynhausen), die vor allem Landwirte, kleine und mittelständische Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Projekten in den Bereichen Biogas, Geothermie, Solar und Windenergie unterstützt. Dr. Niermann hob hervor, dass auch der Kreis sich das Thema Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat. "Wir unterstützen das Klimabündnis im Mühlenkreis und haben im Kreistag ein eigenes Klimaschutzkonzept verabschiedet," so Dr. Niermann. Der Kreis selbst hat in letzter Zeit viel investiert unter anderem durch das Konjunkturpaket II - zum Beispiel in der Kreissporthalle in Lübbecke, mit einer Photovoltaikanlage am Berufskolleg in Lübbecke und einer  Biogasanlage für die kreiseigenen Liegenschaften sowie Blockheizkraftwerke. Auf alternative Energie setzt auch die Firma Aumann (Espelkamp), die neben Drahtlackier- und Wickeltechnik neue Wege geht und Komponenten für elektrisch betriebene Fahrzeuge produziert.

"2009 zurückgehaltene Investitionen werden jetzt schrittweise wieder getätigt," sagte Gerald Pörschmann, Geschäftsführer der OWL-Maschinenbau. "Der Weltmarkt ist wieder in Bewegung. Entscheidend ist, ob auch der Finanzmarkt stabil bleibt." Am stärksten ziehe derzeit der Bereich Automationstechnik an. "Intelligente Systeme sind zunehmend gefragt, der Software-Anteil steigt überproportional," so Pörschmann. 

Dass der Kreis Minden-Lübbecke auch auf starken Nachwuchs für die Zukunft bauen kann, zeigten Schüler vom Berufskolleg Lübbecke des Kreises. Sie haben mit ihrem "Vending Controller (Warenverkaufsautomat) für die Bar eines Partykellers" den Nanoline-Contest gewonnen. Bei diesem Wettbewerb der Firma Phoenix Contact (Blomberg) entwickeln Schüler mit Automatisierungs-Produkten clevere und ungewöhnliche Lösungen. Diesjähriger Sieger wurde die Mechatroniker-Oberstufe (3. Ausbildungsjahr) des Berufskollegs Lübbecke mit ihrem Lehrer Steffen Walter.

Die Schüler Frank Beer (Westfleisch West, Lübbecke) und Alexander Paul (Fa. Aumann, Espelkamp) zeigten den Besuchern auf der Hannover Messe ihre Erfindung. Ebenfalls beteiligt waren Denis Dick (Fa. sema Systemtechnik, Hüllhorst), Timo Kronsbein (Fa. IMA, Lübbecke), Stefan Witte (Fa. IMA, Lübbecke) und Steffen Nolte (Fa. Lemförder Electronic, Espelkamp). Sie haben im Unterricht einen Süßigkeitenautomaten entwickelt, dessen Steuerung und Wartung sie vereinfacht haben, um so Kosten zu sparen. Highlight des selbstgebauten Automaten ist die Bestellung von kleinen Snacks über eine SMS vom Handy aus.

Im vergangenen Jahr haben die Unternehmen durch die Teilnahme an der weltweit anerkannten Messe gerade angesichts der Wirtschaftskrise ein deutliches Signal gesetzt. Hochspezialisierte Betriebe mit großer Flexibilität sind die Stärke der heimischen Region. Nach den ersten Monaten dieses Jahres können sie wieder einen klaren Aufschwung feststellen. "Dass es den Unternehmen im Kreis Minden-Lübbecke wieder besser geht, war für mich das erfreulichste Ergebnis des Besuchs," sagte Dr. Niermann. "Für unseren Kreis ist das ein gutes Signal."

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