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Auftaktveranstaltung »Auf dem Weg zur inklusiven Erziehung und Bildung im Kreis Minden-Lübbecke«

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, doch der Weg zur inklusiven Erziehung und Bildung ist nicht einfach. Der Kreis Minden-Lübbecke hat sich jetzt auf diesen Weg gemacht. Doch das kann er nicht allein. Viele Menschen aus vielen Bereichen des Lebens müssen sich zusammen tun, gemeinsam Ziele erarbeiten und deren Umsetzung voranbringen, denn „Zusammen leben und zusammen lernen“ - das bedeutet Inklusion.
Was dies für den schulischen Bereich heißen kann, das ist das Thema einer Veranstaltungsreihe des Schulamtes für den Kreis Minden-Lübbecke, die jetzt ihren Auftakt fand. Viele interessierte Eltern, Lehrer, Schulleiter, Vertreter der Schulverwaltungen, der Kommunen, Ärzte und Psychologen waren der Einladung in den VIP-Raum der Mindener Kampa-Halle gefolgt. Vor über 100 Gästen hielt der renommierte Wissenschaftler, Prof. Dr. phil. Rolf Werning von der Leibnitz Universität Hannover, einen Vortrag über die Grundlagen, Widersprüche und Perspektiven der Inklusion.
Landrat Dr. Ralf Niermann sieht die Inklusion als gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten an. „Ich begrüße es, dass wir nun konkrete Schritte in Richtung Inklusion unternehmen“, sagte er zu Beginn der Veranstaltung, „jedoch sollte klar sein, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.“ Nach dem Landesaktionsplan vom Juli 2012 sollen inklusive Prozesse bereits im Vorfeld der angekündigten Schulgesetznovelle vorbereitet und geebnet werden.
Gleich zu Beginn seines Vortrages stellte Prof. Dr. Werning heraus, dass sich das System der allgemeinen Schule ändern muss. „Lehrerinnen und Lehrer müssen sich mehr als bisher an den Interessen und Stärken jedes Einzelnen orientieren und sich darum kümmern, wie Diskriminierungen und Lernbarrieren begegnet werden kann“, so der Pädagoge. Dies werde nur gelingen, wenn alle Mitglieder der schulischen Gruppe gleichberechtigt seien. Die Heterogenität der Mitglieder müsse wahrgenommen und akzeptiert werden. Wichtig sei dabei eine gute Durchmischung der Gruppe, damit leistungsschwache Schülerinnen und Schüler sich an den leistungsstarken orientieren können. „Inklusion ist ein Prozess, der nie ganz verwirklicht werden kann“, betont Werning. „Wichtig ist aber, dass wir anfangen, alle Schülerinnen und Schüler in die Mitte unserer Klasse zu holen und sie nicht nach ihren Defiziten sondern nach ihren individuellen Stärken und Möglichkeiten zu beurteilen.“
Werning betonte, dass theoretisch jede Schule sehr kurzfristig mit den inklusiven Schulentwicklungsprozessen beginnen könne. „Wo herrschen hier in unserem System Diskriminierungen und wo tauchen Barrieren auf?“, „Was können wir tun, um diesen zu begegnen?“ und „Welche ersten Handlungsschritte zur Abschaffung unternehmen wir gemeinsam?“ sind Fragen, die dabei an den Anfang gestellt werden können.
Kreisdirektorin Cornelia Schöder erinnerte in diesem Zusammenhang an die bereits durchgeführte sonderpädagogische Förderung im Kompetenzzentrum Espelkamp-Rahden-Stemwede, woraus Erfahrungen für weitere inklusive Schulentwicklungsprozesse abgeleitet werden können.
Doris Dockhorn, Schulrätin für den Kreis Minden-Lübbecke, verwies auf die Anstrengungen, die das Land NRW bereits unternommen hat, um die Schulen im Land bei der Umsetzung des Inklusionszieles zu unterstützen. So gibt es bereits zwei Inklusionskoordinatorinnen beim Schulamt zur Unterstützung der Schulaufsicht. Außerdem gibt es mehrere Standorte, in denen Gemeinsames Lernen in integrativen Grundschulklassen oder in integrativen Lerngruppen in einer weiterführenden Schule möglich ist. „Wichtig ist es“, so Dockhorn, „dass Schule und Schulträger zusammen arbeiten. In der Michael-Ende-Grundschule in Minden hat das bereits dazu geführt, dass hörbehinderte Kinder gezielt gefördert werden können.“
Die Veranstaltungsreihe des Schulamtes für den Kreis Minden-Lübbecke zum Thema Inklusion geht weiter. Nähere Informationen können direkt beim Schulamt oder auf der Homepage des Kreises eingesehen werden. Die nächste öffentliche Veranstaltung findet am 07.11.2012 statt.
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