70 Jahre Reichspogromnacht: Ausstellung im Kommunalarchiv
Kreis Minden-Lübbecke, 07.04.2008
70 Jahre Reichspogromnacht: Ausstellung im Kommunalarchiv
Buchenwald, Auschwitz, Majdanek: Namen wie diese stehen für die systematische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Verfolgt und terrorisiert wurden die Juden aber nicht nur weit weg, sondern auch in der Region - zum Beispiel vor 70 Jahren, als die Mindener Synagoge zerstört wurde. An den „9. 11. 1938 - Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe“ erinnert eine Ausstellung, die am 25. April im Kommunalarchiv Minden eröffnet wird.
In der Reichspogromnacht wurden überall in Deutschland jüdische Synagogen und Häuser geplündert und zerstört. Die Schreckensnacht des 9. November 1938 war ein weiterer Schritt hin zur Entrechtung, Vertreibung und schließlich Ermordung der Juden. Sie markiert den Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Verfolgung der Juden.
Auch im heutigen Kreis Minden-Lübbecke gab es zahlreiche Gewalttaten gegen jüdische Bürger und ihren Besitz. So wurde die Mindener Synagoge durch ein Feuer zerstört, in Petershagen steckten nationalsozialistische Eiferer mehrere Wohnhäuser in Brand, in denen Juden lebten. Später wurden zahlreiche Juden aus Minden-Lübbecke deportiert und zum großen Teil in Konzentrationslagern ermordet.
Kommunale und kirchliche Archive in Ostwestfalen-Lippe haben auf Initiative des Staatsarchivs Detmold eine Wanderausstellung konzipiert, die pünktlich zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht an die Gräueltaten in der Region erinnert. Die Ausstellung wird bis zum 16. Mai zu den normalen Öffnungszeiten im Kommunalarchiv Minden zu sehen sein. Ein Katalog zur Ausstellung ist für 4 Euro im Kommunalarchiv zu haben.
Schautafeln dokumentieren unter anderem die antijüdischen Aktionen in Petershagen und die Ausschaltung des jüdischen Vereinslebens in Minden. Tafeln listen die Namen deportierter Juden aus Ostwestfalen-Lippe auf, eine durch Feuer und Löschwasser beschädigte Thorarolle aus Herford erinnert ebenfalls an die Gewalttaten. Ein Kurzfilm zeigt den Brand der Bielefelder Synagoge und dokumentiert die Begeisterung vieler Menschen darüber. Eine Audiostation zeigt auf, dass viele Täter nach Kriegsende gar nicht oder nur milde bestraft wurden.
Eröffnet wird die Ausstellung im Kommunalarchiv Minden am Freitag, 25. April, um 11 Uhr von Landrat Dr. Ralf Niermann und Bürgermeister Michael Buhre. Dr. Johannes Kistenich vom Staatsarchiv Detmold wird danach Konzeption und Gestaltung der Ausstellung erläutern. Alle Interessierten sind zur Ausstellungseröffnung willkommen.
Das Kommunalarchiv des Kreises Minden-Lübbecke und der Stadt Minden im ehemaligen Kreishaus an der Tonhallenstraße 7 in Minden ist montags bis donnerstags von 8 bis 13 und 14 bis 17 Uhr sowie freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Infos unter Telefon 0571/97220-0 oder im Internet unter www.archive.nrw.de.