»Das Wetter wartet nicht auf uns« -Jahrestreffen Runder Tisch Klimafolgen
Runder Tisch Klimafolgen im Kreis Minden-Lübbecke gibt auf seinem Jahrestreffen wieder neue Impulse
Kreislandwirt Volker Schmale bringt es auf den Punkt: „Das Wetter wartet nicht auf uns“. Er muss es wissen, denn die Landwirtschaft spürt die Folgen der Klimaveränderungen schon länger. Sie muss sich darauf einstellen, damit sie auch in Zukunft zuverlässig produzieren kann. Vom Jahrestreffen des Runden Tischs Klimafolgen im Kreishaus in Minden nimmt er eine Projektidee mit, die Gäste aus dem Kreis Viersen dort präsentierten: Dezentraler Wasserrückhalt in der Fläche durch kleine Stauanlagen in periodisch trockenfallenden Gräben. Wasserüberschuss aus regenreicheren Phasen wird teils zurückgehalten und steht so in Trockenzeiten zur Verfügung, um Dürreschäden gering zu halten. Eine Idee, die auch der Leiter des Regionalforstamtes Holger-Karsten Raguse für die Forstwirtschaft bedenkenswert findet, um den Wald in Trockenphasen stabil zu halten. Zusätzlich könnte so die Waldbrandgefahr reduziert werden. Eine solche Anpassungsmaßnahme könnte langfristig im Rahmen der Anpassungsfähigkeit und Eignung der aktuell aufstockenden Baumarten mitgedacht werden.
Wie werden wir klimaresilient? – Das ist die Kernfrage, die hinter der Arbeit des Runden Tisches steht. Diese Frage hat auch eine psychologische Dimension. Mit „Klimaresilienz und wie wir sie erreichen können“ hat sich der Vortrag der bundesweit bekannten Psychologin und Klima-Expertin Lea Dohm befasst, die unter anderem im vergangenen Jahr gemeinsam mit Eckhard von Hirschhausen mit dem Gutenberg-Zukunfts-Award ausgezeichnet wurde. Ihr Fazit: Individuelle Resilienz reicht angesichts einer globalen Krise nicht aus und kann notwendiges Handeln sogar verhindern – wenn wir uns zum Beispiel ablenken, statt Probleme zu lösen. Nur wenn wir als Gesellschaft angemessen auf die Krise reagieren, entsteht nachhaltige Resilienz. Daran arbeitet der Runde Tisch Klimafolgen bereits seit vielen Jahren. Hier tauschen Vertreter*innen aus Landwirtschaft, Regionalforstamt, Verbraucherzentrale, Bildungseinrichtungen, Stadtplaner*innen der Städte und Gemeinden, das Umwelt-, Gesundheits-, Bau- und Planungsamt des Kreises Minden-Lübbecke und die Klimaschutzmanager*innen im Kreis Minden-Lübbecke konstruktiv und ressortübergreifend gute Lösungen, Wissen und Ideen aus.
Ein weiteres erfolgreiches Beispiel brachte in diesem Jahr Marcel Hahne aus der Gemeinde Stemwede mit. Er stellte das Projekt „Zukunftsorientierte Freiräume in der Gemeinde Stemwede“ vor. Der Amtshausplatz wurde bereits klimagerecht umgestaltet. Nun folgt ein umfangreiches Konzept für die klimaangepasste Gestaltung der 7 Friedhöfe in der Gemeinde. „Die Resonanz war an allen Orten erfreulich hoch und sehr positiv“, so Hahne. Wie bei vielen Projekten zur Klimaanpassung steigt die Aufenthaltsqualität, wenn beispielsweise versiegelte Flächen wieder begrünt werden. Friedhöfe können klimaangepasste Oasen sein, wenn sie durch Bäume, vielfältige Grünflächen und unversiegelte Böden Hitze mindern, Wasser speichern und Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bieten. Klimafolgenanpassung bringt oft eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich. „Inzwischen kenne ich viele Maßnahmen im ganzen Kreisgebiet, die als Projekt zur Klimaanpassung gestartet sind, und die oft auch einfach das Lebensumfeld schöner und angenehmer gestalten“, sagt Leona Aileen Eichel, Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagerin beim Kreis Minden-Lübbecke und Organisatorin des Runden Tisches. Sie war mit dem diesjährigen Treffen sehr zufrieden: „Am meisten freut es uns zu sehen, wie viele Kontakte die Mitglieder des Runden Tisches mittlerweile auch untereinander geknüpft haben – genau das ist die Idee des Runden Tisches. Die Klimakrise betrifft übergreifend alle Bereiche. Wenn wir ihr erfolgreich begegnen wollen, müssen also auch alle Bereiche übergreifend zusammenarbeiten – und das machen wir hier.“ In einer Arbeitsgruppe planten die Teilnehmenden auch erneut die jährlich stattfindende Klimaanpassungswoche, die seit 2023 erfolgreich gemeinsam auf die Beine gestellt wird. In diesem Jahr wird sie mit vielen Aktionen für eine klimarobuste Region zwischen dem 20. und 28. Juni im Kreis stattfinden. Ein Fokus wird in diesem Jahr das Thema Hitzeschutz sein.
Foto: Jahrestagung des Runden Tischs Klimafolgenanpassung. Foto: Lasse Donzelmann/Kreis Minden-Lübbecke